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Schulen in Hessen Förderschüler öfter Opfer von Gewalt

Nach einer neuen Studie sind Kinder und Jugendliche an Förderschulen in Hessen häufiger von sexueller Gewalt betroffen. Hauptrisiko geht von Gleichaltrigen aus.

Schüler
Schüler im Klassenraum (Symbolfoto). Foto: Imago

Kinder und Jugendliche, die eine Förderschule besuchen, sind häufiger als andere von sexualisierter Gewalt betroffen. Auch werden sie öfter nicht allein verbal, sondern auch körperlich angegriffen, als dies bei ihren Altersgenossen an allgemeinbildenden Schulen der Fall ist.

Das ist das Ergebnis der Speak-Studie, die am Donnerstag in Marburg vorgestellt worden ist. „Das Hauptrisiko geht dabei von Gleichaltrigen aus“, sagte Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg, die gemeinsam mit Ludwig Stecher von der Justus-Liebig-Universität Gießen die Studie im Auftrag der Landesregierung erstellt hat.

Zwischen April 2017 und Februar 2018 wurden dazu knapp 250 Jugendliche vom 14. Lebensjahr an befragt, die Förderschulen besuchen. Diese Jugendlichen seien besonders verletzlich. Ihnen fehlten häufig die Worte, um sexualisierte Gewalt benennen, damit Grenzen ziehen und Übergriffe verhindern zu können, erklärten die Autoren der Studie.

Knapp ein Drittel (30 Prozent) der befragten 14- bis 16-Jährigen gab an, schon gegen ihren Willen angetatscht, geküsst oder an den Geschlechtsteilen berührt worden zu sein. Bei einer vorausgegangenen Studie an allgemeinbildenden Schulen hatten 23 Prozent über solche körperlichen Übergriffe geklagt. 

Betroffen sind vor allem die Mädchen. 45 Prozent der Förderschülerinnen berichteten von körperlicher sexualisierter Gewalt, an den allgemein bildenden Schulen waren es 35 Prozent. 

Nimmt man auch die Formen verbaler Gewalt hinzu, dann haben mehr als die Hälfte der Jugendlichen solche Erfahrungen. Beispielsweise würden sexuelle Witze über die Jugendlichen gemacht, oder sie würden in abwertender Absicht als schwul oder lesbisch bezeichnet. „An Förderschulen ist eine sexualisierte Beschimpfungskultur unter den Jugendlichen verbreitet“, erklärte dazu Projektleiterin Maschke. 

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) nannte das Ergebnis „besorgniserregend“. Es sei nötig, die Schulen als Schutz- und Präventionsorte weiter zu stärken. Gerade Förderschüler und -schülerinnen benötigten einen in den Schulalltag eingebundenen Austausch über Sexualität, Körperlichkeit und sexualisierte Gewalt.

Schon jetzt gebe es Handreichungen, Qualifizierungsangebote und Kampagnen, um sexualisierte Gewalt an Schulen einzudämmen. Das Land werde alle sinnvollen Präventionsmaßnahmen unterstützen, versicherte Lorz. Die Erkenntnisse aus der Studie sollen auch in die Lehreraus- und -fortbildung einfließen. 

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