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Schulen in Hessen Amazon an Schulen unerwünscht

Amazon will mit einem Schreibwettbewerb für Grundschüler einen Beitrag zur Lese- und Schreibfähigkeit leisten. Das Kultusminsterium verbietet den Schulen die Teilnahme und begründet das mit einem Werbeverbot.

Der Kindle, das E-Book von Amazon. (Symbolbild) Foto: AFP

In den Nachrichten präsent war der Online-Versandhändler Amazon zuletzt vor allem wegen der Arbeitskämpfe in den Logistikzentren, wo die Gewerkschaft Verdi schon lange versucht, einen besseren Tarifvertrag für die Mitarbeiter durchzusetzen. Seit mittlerweile drei Jahren macht Amazon im Umfeld seiner deutschen Logistikstandorte aber auch angenehmere Schlagzeilen.

Mit dem „Kindle Storyteller Kids“, einem Schreibwettbewerb für Kinder im Grundschulalter – benannt nach dem firmeneigenen E-Book-Reader –, will Amazon einen Beitrag zur Lese- und Schreibfähigkeit leisten. So jedenfalls die Selbstdarstellung des Unternehmens.

Das hessische Kultusministerium allerdings sieht das anders. „Nach unserer Ansicht ist dieser Wettbewerb mit den schulrechtlichen Vorschriften zum Werbeverbot in Schulen nicht vereinbar“, teilt ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Es sei „offensichtlich, dass es dem Unternehmen ausschließlich um das eigene Image in der Öffentlichkeit geht“. Der Zweck der Leseförderung trete eindeutig hinter dem eigentlichen Zweck zurück.

Das Ministerium hat deshalb Anfang Mai die hessischen Schulen angewiesen, an dem Amazon-Wettbewerb nicht mehr teilzunehmen. Ein entsprechendes Schreiben ist den zuständigen Staatlichen Schulämtern zugegangen. Die nächste Wettbewerbsrunde ist für Anfang 2017 geplant.

Amazon will sich auf Anfrage nicht zu dem Teilnahmeverbot äußern. Das Unternehmen teilt lediglich mit, „die für 2017 geplanten Initiativen für Organisationen, lokale Institutionen und Gemeinden rund um die Standorte, an denen Amazon tätig ist“, würden in den kommenden Monaten bekannt gegeben.

Das Ministerium moniert, dass der Wettbewerb nur im direkten Umfeld der Amazon-Standorte ausgetragen werde. Zudem würden als Preise ausschließlich Amazon-Produkte ausgelobt.

Kritik am Wettbewerb hatte auch der Verein Lobbycontrol geübt. Amazon benutze die Förderung der Lese- und Schreibkompetenz als Türöffner. Durch den Wettbewerb habe Amazon die Chance, „mit einem positiven Artikel in der Lokalpresse aufzutauchen und die Bürgermeister seiner Standorte in einem positiven Kontext zu treffen“. Wie erfolgreich Amazon damit sei, zeige ein Blick auf die Gewinnerklassen. In sechs von acht Fällen habe ein Bürgermeister oder Landrat die Schirmherrschaft für den Wettbewerb übernommen – inklusive unkritischer Berichte in der Lokalpresse.

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