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Schulen Hessen gehen die Lehrkräfte aus

Vor allem an Grund- und Förderschulen in Hessen können Stellen nicht besetzt werden. Nun sollen Pensionäre unterrichten.

Für guten Unterricht braucht man nicht nur gute, sondern auch genug Lehrer. Die aber fehlen. Foto: dpa

Das Kultusministerium bittet ehemalige Lehrerinnen und Lehrer, ihren Ruhestand zu unterbrechen und in den aktiven Schuldienst zurückzukehren. Knapp 2200 Personen haben deshalb in den vergangenen Tagen Post aus Wiesbaden erhalten. Das Ministerium fürchtet, ohne die Pensionäre könnten schon im nächsten Schuljahr zahlreiche Stellen an Grund- und Förderschulen unbesetzt bleiben.

„Möglicherweise sind Sie ein wenig überrascht, dass ich mich in Ihrem wohlverdienten Ruhestand direkt an Sie wende“, beginnt das von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) unterzeichnete Schreiben, das das Datum vom 17. Januar trägt. Darin bittet Lorz die Adressaten, innerhalb von drei Wochen Bescheid zu geben, ob sie denn zur Verfügung stünden. Die Not scheint durchaus groß zu sein, bietet der Minister doch zugleich an, den angebotenen befristeten Arbeitsvertrag um „ein bis zwei Stufen“ über Tarif zu entlohnen.

„Der Markt ist leergefegt“, sagt dazu Ministeriumssprecher Stefan Löwer. Feste Stellen ließen sich zwar noch fast vollständig besetzen, doch schon jetzt gebe es Probleme, Personal für Honorarverträge zu bekommen. Dies mache sich vor allem in Frankfurt sowie in Teilen von Nordhessen bemerkbar.

Für das Schuljahr 2017/2018 rechnet das Ministerium damit, dass an Grundschulen – ohne die Notreserve Pensionäre – Lehrkräfte in einem „niedrigen dreistelligen Bereich“ fehlen würden. An Förderschulen liege die Zahl von Stellen, die nicht besetzt werden könnten, in einer zweistelligen Größenordnung.

Die Ursache für den Mangel sieht das Ministerium vor allem in der hohen Zuwanderung von Flüchtlingen und aus der Europäischen Union, vor allem aus Südosteuropa. Dies treffe nahezu alle Bundesländer und nicht nur Hessen, betont Löwer. Das habe aber zur Folge, dass der hiesige Lehrermangel sich nicht beheben lasse, indem Pädagogen aus anderen Bundesländern nach Hessen kämen.

Das Land hat im laufenden Schuljahr rund 800 neue Lehrerstellen geschaffen. Neben der Beschulung von Flüchtlings- und Zuwandererkindern werden diese auch für den Ausbau von Ganztagsschulen, Inklusion und Sprachförderung eingesetzt. Auch für die Flüchtlingsbeschulung hatte das Ministerium Ende 2015 um Pensionäre geworben.

Im nächsten Schuljahr sollen weitere 1100 neue Stellen geschaffen werden. Hinzu kommt die Arbeitszeitreduzierung um eine Stunde, die am 1. August wirksam wird. Dafür rechnet das Ministerium mit einem zusätzlichen Bedarf von 600 Lehrkräften.

Weitere Schritte, um den Lehrkräftebedarf zu sichern, seien in Vorbereitung, teilte Löwer mit. Um was es sich handelt, wollte er allerdings noch nicht mitteilen.

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