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Schulen GEW fordert bessere Aufklärung von sexuellen Übergriffen

Die GEW fordert eine klare Linie im Umgang mit Sexismus an Schulen in Hessen. Im Fall eines Lehrers erhebt die Gewerkschaft schwere Vorwürfe.

Schulen in Hessen
Die GEW fordert klare Linie im Umgang mit Sexismus an Schulen. (Symbolfoto) Foto: Nicolas Armer (dpa)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Land dazu aufgefordert, Lehrkräften den Rücken zu stärken, die Klagen über sexuelle Übergriffe nachgehen. Auch das Kultusministerium selbst müsse in solchen Fällen tätig werden, sagte der hessische GEW-Vorsitzende Jochen Nagel am Mittwoch in Wiesbaden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) spreche sich zwar für Prävention und Aufklärung von sexuellen Übergriffen auf. Glaubwürdig sei aber „nur, wer bei sich selbst aufklärt und nicht nur Altfälle an Schulen, bei denen die Täter bereits gestorben sind, aufarbeitet“, fügte der Gewerkschafter hinzu.

Anlass für die Forderung war der Fall des Lehrers

. Er hatte in seiner Zeit als kommissarischer Leiter der Kreisrealschule Bad Orb in den Jahren 2000 bis 2002 mehrere Lehrer ans Staatliche Schulamt gemeldet, die vor ihren Schülerinnen und Schülern mit rohen sexistischen Sprüchen auftraten oder das Aufhängen von Pornobildern im Klassenraum duldeten. Zudem hatte Vormwald Hinweise auf sexuelle Übergriffe durch Lehrer in den 90er Jahren gefunden und weitergeleitet.

Das Kultusministerium gibt an, die Vorgänge der 2000er Jahre aufgeklärt zu haben. Die Fälle aus den 90er Jahren könne man mangels Akten nicht mehr nachvollziehen.

Untätigkeitsklage angekündigt

Die GEW urteilt, Vormwald sei seit damals gemobbt und nicht mehr angemessen beschäftigt worden. Der Betroffene berichtet, seine Akte sei gefleddert und alle positiven Einträge zeitweise herausgenommen worden.

 

Am Mittwoch kündigte Vormwalds Rechtsanwalt Jens Kolter an, eine „Untätigkeitsklage“ gegen das Land vor dem Verwaltungsgericht einzureichen, weil Vormwald nicht „amtsangemessen“ beschäftigt werde. Nach Ansicht des Kultusministeriums entsprechen die Aufgaben des Lehrers in der Hessischen Lehrkräfteakademie seinem Status. Vormwald, sein Anwalt und die GEW sehen das ganz anders. Außerdem verlangt Kolter ein „Würdigungsschreiben“ für seinen Mandanten, in dem sein Verhalten zum Schutz der Schüler gegen Sex-Attacken an der Bad Orber Schule anerkannt wird.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte am Mittwoch auf Anfrage, es würden Gespräche darüber geführt. GEW-Chef Nagel entgegnete, derzeit gebe es diese Gespräche nicht. Er sprach von einer „Hinhaltetaktik“ des Ministeriums.

Zuletzt hatte das Kultusministerium die damalige Abberufung Vormwalds in Bad Orb verteidigt. „Die Abberufung des damaligen kommissarischen Schulleiters im Jahr 2002 war zur Sicherung des Schulfriedens erforderlich“, hieß es in der Stellungnahme aus dem Hause Lorz.

Gewerkschaftschef Nagel klagt, damit werde bis heute genau das falsche Signal gegeben: „Nicht die Täter werden weggeschickt, sondern derjenige, der die Nachricht überbracht hat“, ärgert sich Nagel. „Das ist das Kernproblem.“

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