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Schüsse auf Flüchtlingsunterkunft Polizei ermittelt wegen versuchtem Mord

Nach den Schüssen auf einen Flüchtling wertet die Polizei Spuren aus und befragt Zeugen. Experten untersuchen gefundene Projektile auf DNA. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord aus.

Auf die Flüchtlingsunterkunft in Dreieichenhain feuerten Unbekannte Schüsse ab - ein Mann wurde dabei verletzt. Foto: dpa

Einen Tag nach den Schüssen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich (Kreis Offenbach) wird wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Wie Nina Reininger, Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Darmstadt, am Dienstag der Frankfurter Rundschau sagte, gebe es zwar noch keine konkreten Hinweise auf mögliche Täter. „Wir haben aber Zeugen, die uns etwas zu den Umständen der Tat sagen können“, sagte Reininger. Diese Zeugenaussagen würden nun ebenso ausgewertet wie die Spuren vom Tatort und die dort aufgefundenen Projektile.

Wie Reininger weiter mitteilte, würden die Ermittlungen weiter beim Polizeipräsidium Südosthessen mit Sitz in Offenbach geführt. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) unterstütze das Verfahren, werde die Ermittlungen aber nach derzeitigem Stand nicht komplett übernehmen. Die Polizei hatte bereits am Montag eine 90-köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Tat eingerichtet. Wie es heißt, wird derzeit in alle Richtungen ermittelt, auch ein rassistisches Tatmotiv wird nicht ausgeschlossen.

Details weiter unklar

In der Nacht zum Montag hatten Unbekannte mehrfach mit scharfer Munition auf eine städtische Asylunterkunft im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain geschossen. Dabei war ein 23-jähriger Flüchtling, der in der Unterkunft schlief, am Bein getroffen und leicht verletzt worden. Der Mann musste ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die anderen 30 Bewohner der Unterkunft waren unverletzt geblieben. Der Verletzte und seine drei Zimmernachbarn wurden in der Nacht nach den Schüssen in eine andere Unterkunft gebracht. Die Tat hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. Politiker aller Parteien hatten den Anschlag scharf verurteilt und eine möglichst rasche Aufklärung gefordert.

Viele Details zur Tat, etwa die Art der benutzten Munition oder die genaue Zahl der abgegebenen Schüsse, blieben auch am Dienstag unklar. Ein Sprecher des hessischen LKA sagte der FR, die am Tatort gefundenen Projektile würden zunächst von Experten im Labor untersucht - etwa auf DNA-Spuren oder auf Hinweise zur Art der Tatwaffe.

Solidarität mit Geflüchteten

Unterdessen gibt es weitere politische Reaktionen auf den nächtlichen Angriff: Für kommenden Samstag, 9. Januar, hat eine Privatperson eine Demonstration in Dreieich angemeldet, die ab 14 Uhr vom Bahnhof Dreieichenhain bis zur Flüchtlingsunterkunft in der Gleisstraße ziehen soll.
Der Protestzug unter dem Motto „Solidarität mit allen Geflüchteten! Das Problem heißt Rassismus“ wurde am Dienstag bereits von verschiedenen Gruppen und Initiativen im Internet beworben, einige Hundert Facebook-Nutzer kündigten an, sich beteiligen zu wollen. Im Aufruf heißt es, man wolle ein „Zeichen der Solidarität“ mit Geflüchteten setzen. Für den morgigen Donnerstag, 7. Januar, planen Aktivisten der Flüchtlingshilfe Neu-Isenburg ab 18 Uhr eine „Mahnwache gegen Rassismus“ auf dem Neu-Isenburger Rosenauplatz.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im hessischen Landtag, Janine Wissler, sagte am Dienstag, es sei „das richtige Signal, wenn nun spontan so viele Menschen gegen Fremdenhass auf die Straße gehen“. Bei derartigen Taten ein rassistisches Motiv für naheliegend zu halten, sei eine Lehre aus den Morden der rechten Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Bereits am Montagabend hatten sich rund 250 Menschen zu einer Mahnwache in der Altstadt von Dreieichenhain versammelt, um ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Sie hielten Schilder in die Höhe, auf denen etwa „Fremdenhass – Nein danke“ zu lesen war. Einige waren noch bis vor die Unterkunft gezogen.

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