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Schüsse auf Flüchtlingsunterkunft Entsetzen über Anschlag

Mit großer Bestürzung reagieren Politiker in Hessen auf den Anschlag in Dreieichenhain. Manche sprechen von einem "feigen Angriff" und einem "Mordversuch". Bisher habe es vor Ort keine Hinweise auf Ressentiments gegeben, sagt der zuständige Stadtrat Martin Burlon.

Polizeibeamte untersuchen den Tatort mit Hunden. Foto: dpa

Die Schüsse auf eine Asylunterkunft in Dreieich (Kreis Offenbach) haben am Montag hessenweit Bestürzung und Empörung ausgelöst. Er sei „entsetzt und fassungslos über diesen feigen Anschlag“, sagte Martin Burlon, parteiloser Erster Stadtrat von Dreieich, der Frankfurter Rundschau. Wer nachts auf ein bewohntes Gebäude schieße, „der will Menschen töten“, so Burlon. Vor der Tat hab es in Dreieich keine Hinweise auf Ressentiments gegen Flüchtlinge, sondern vielmehr eine breite Hilfsbereitschaft gegeben, sagte Burlon.

Carsten Müller, Kreisbeigeordneter im Kreis Offenbach (SPD), teilte gemeinsam mit Burlon mit, man verurteile die Tat „auf das Schärfste“. „Wir wünschen dem Verletzten eine rasche Genesung und hoffen, dass der oder die Täter schnell ermittelt werden“, so die beiden Kommunalpolitiker. In der Nacht zum Montag hatten Unbekannte mehrfach mit scharfer Munition auf eine Flüchtlingsunterkunft im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain geschossen und dabei einen schlafenden 23-jährigen Asylsuchenden leicht verletzt.

Die Hintergründe der Tat waren am Montag noch unklar, Experten des hessischen Landeskriminalamtes waren mit Spezialgerät in die Ermittlungen am Tatort eingebunden. Die Polizei teilte mit, man ermittele in alle Richtungen und schließe auch ein politisches Motiv nicht aus. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt sprach gegenüber dem Hessischen Rundfunk von einem „gezielten Angriff“.

"Vergiftung des Klimas"

Hessens Innenminister Peter Beutch (CDU) teilte am Montag mit, man nehme den Angriff sehr ernst. Das Polizeipräsidium in Offenbach habe bereits eine Besondere Aufbauorganisation gebildet, 90 Beamte arbeiteten „mit Hochdruck an der Aufklärung dieser feigen Tat“, sagte Beuth.
Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel verurteilte die Tat am Montag ebenfalls. „Der feige Angriff auf schlafende Menschen, die in unserem Land Schutz suchen, ist unter keinen Umständen hinnehmbar und muss mit der vollen Härte unseres Rechtsstaates aufgeklärt und verfolgt werden“, sagte Schäfer-Gümbel in Wiesbaden. Martina Feldmayer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im hessischen Landtag, sagte, sie sei „entsetzt und betroffen, dass auf Menschen, die bei uns Schutz suchen, geschossen wurde“.

Hermann Schaus, parlamentarischer Geschäftsführer der hessischen Linksfraktion, sprach von einem „Mordversuch“. Es seien nicht nur NPD, AfD und die Pegida-Bewegung, die für eine „Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas und eine fremdenfeindliche Stimmung“ sorgten, sagte Schaus. Rechte Gewalt und neonazistische Strukturen seien ein „gesamtdeutsches Problem“. Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour (Grüne) schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter, die Schüsse seien die „Widerlegung der These, so etwas passiere nur im Osten“.

Zusammenleben funktionierte sehr gut

Nach Angaben von Stadtrat Martin Burlon existiert die städtische Unterkunft, die am Rande eines Gewerbegebiets in Dreieich liegt, seit Februar 2015. Insgesamt sind dort 30 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Albanien untergebracht. In dem beschossenen Gebäudeteil lebten 15 Männer, die vor allem aus Syrien stammten, im anderen Teil wohnten Familien, sagte Burlon der FR. Unter den Bewohnern des Hauses habe es keinerlei Schwierigkeiten gegeben, das Zusammenleben funktioniere sehr gut.

Vor der Eröffnung der Einrichtung habe es zwar Bedenken und „eine gewisse Unsicherheit“ in der Nachbarschaft gegeben, insgesamt seien die Flüchtlinge aber gut aufgenommen worden, sagte Burlon weiter. Es bestehe ein „sehr großes, sehr breites Netzwerk in der Flüchtlingshilfe“, an dem unter anderem die Kirchengemeinden und andere ehrenamtliche Helfer beteiligt seien.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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