Lade Inhalte...

Schülernetzwerk Hessen Sexuelle Vielfalt an der Schule

Das Schülernetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stellt die sexuelle Vielfalt in den Mittelpunkt.

Christopher Street-Day
The Future is queer! – Christopher Street-Day in Darmstadt. Foto: Michael Schick

Wäre es nach den Plänen der Veranstalter gegangen, hätte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die gestrige Jahrestagung des Schülernetzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Frankfurt eröffnet. Laut Programm des hessenweiten Schülertreffens war er jedenfalls angefragt, stattdessen kam Finanzstaatssekretär Martin Worms ins Haus am Dom, wohlwissend, dass ihn mancher Teilnehmer „eher als etwas sachfremd“ auf einem bildungspolitischen Termin wie diesem empfunden haben mag.

Dafür sei er aber nicht mit leeren Händen gekommen, betonte Worms wie zur Rechtfertigung seines Erscheinens: Die hessische Landesregierung werde den „wichtigen Beitrag“, den das Schülernetzwerk „für ein solidarisches Zusammenleben“ leiste, künftig mit einer vom Land finanzierten Lehrkraft unterstützen, verkündete er vor rund 170 Schülern und Lehrern.

Die Landeskoordination des 1995 gegründeten Schülernetzwerks ist seit zwei Jahren an der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank angesiedelt, welche die Arbeit des inzwischen 87 hessische Schulen umfassenden Netzwerks gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie bislang aus eigenen Mitteln finanziert hat. „In Zeiten, in denen Hass und Hetze zunehmen, ist es besonders wichtig, Haltung zu zeigen und sich an die Seite von Betroffenen zu stellen“, begründete der Staatssekretär die Entscheidung für die landesfinanzierte personelle Unterstützung.

Die von Ausschluss und Diskriminierung Betroffenen, die das Netzwerk bei seiner Jahrestagung unter dem Motto „Come as you are“ („Komm‘, wie Du bist“) in den Mittelpunkt stellte, waren vor allem LSBTI. „Fragezeichen, mag der ein oder andere von euch jetzt denken“, sagte Oliver Fassing, der Landeskoordinator von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angesichts der teils verwunderten Gesichter im Publikum.

Über Begriffe stolpern

Das Akronym aus den Anfangsbuchstaben von „lesbisch, schwul, bisexuell, trans, inter“ will alle Personen in den Blick nehmen, die nicht oder nicht ausschließlich heterosexuell sind und deshalb noch immer diskriminiert werden. „Über den ein oder anderen rätselhaften Begriff dürft ihr gerne noch stolpern“, sagte Fassing, denn: „Wir möchten heute nämlich aufklären, Wissen vermitteln und uns mit der Frage auseinandersetzen, wie die Anerkennung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt an der Schule und darüber hinaus gelingen kann.“

Konkreter Anlass für den Tagungsschwerpunkt war der im vorigen Jahr eingeführte Lehrplan für Sexualerziehung, der dafür kritisiert worden war, dass er die „Vielfalt sexueller Orientierungen“ und deren Akzeptanz fächerübergreifend als verbindliches Lernziel vorschrieb.

Dabei sei diese gesetzliche Rahmenbedingung nur der Anfang für ein „Klima der Akzeptanz und des guten Zusammenlebens im Schulalltag“, sagte Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) zu Beginn der Tagung. „Was die Politik nach einem zähen Ringen als Rahmen vorgibt, muss erst einmal im Schulalltag ankommen. Dafür ist es unverzichtbar, dass sich engagierte Menschen aus den Schulgemeinden Gedanken über die konkrete Umsetzung vor Ort machen.“

Dies taten die Schülerinnen und Schüler einen Tag lang in Workshops, die sich dem Thema unter verschiedenen Aspekten widmeten. Darin wurde ihnen unter anderem beigebracht, wie man als Betroffene den Worten des Finanzstaatssekretärs im Alltag gerechtwerden kann: „Lasst euch nicht unterkriegen, verbiegen, deckeln.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen