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Schloss Ramholz in Schlüchtern Marodes Märchenschloss

Seit sieben Jahren wird Schloss Ramholz in Schlüchtern auf dem Immobilienmarkt angeboten - für sieben Millionen Euro. Ohne Erfolg. Nun steht es vor der Versteigerung, denn auch der Verkauf von großen Teilen der Ländereien löste die Finanzprobleme des Schlossherrn nicht.

Schloss Ramholz in Schlüchtern, als "märchenhaftes Renaissanceschloss" wird es auf dem Markt angeboten, doch keiner wollte es bisher haben. Foto: Alle Fotos von Christoph Boeckheler

Es ist ein verwunschener Ort. Knapp zwei Kilometer schlängelt sich die schmale Straße von Vollmerz aus durch Wiesen und Felder nach Schloss Ramholz. An einem Wochentag im Winter wirkt die weitläufige Anlage im Stil des Historismus wie eine Geisterstadt, der Charme der Bauten ist noch spürbar, doch die besten Jahre sind unübersehbar vorbei. „Da drinnen“, sagt Robert Brimberry und deutet auf ein Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Gutshofs am Rand des Spessarts, „kommt die Feuchtigkeit schon durch die Decke.“ Robert Brimberry ist derzeit in Ramholz kein gern gesehener Besucher. Der Schlossherr hat ihm Hausverbot erteilt. „Er ist zu Hause“, sagt Brimberry und zeigt auf den grünen Mittelklassewagen, der vor dem Schlosseingang parkt. „Das ist sein Wagen.“

Brimberry kennt sich aus in dem prächtigen Bau. Der Vorsitzende des Rhönklub-Zweigvereins Elm hat im vergangenen Jahr Besucher durch die Gesellschaftsräume geführt, Veranstaltungen wie Gartenfeste und den Weihnachtsmarkt mitorganisiert und darf jetzt nicht mehr rein. Dabei wäre viel Platz. Schlossherr Maximilian von Kühlmann, der das Anwesen vor fünf Jahren geerbt hat, lebt dort allein mit seiner Mutter und ein paar Hunden. Seine Lage ist ernst. Erst stand die Immobilie unter Zwangsverwaltung, weil offenbar laufende Kredite nicht mehr bedient wurden. Jetzt droht die Zwangsversteigerung. Wie das zuständige Amtsgericht in Gelnhausen bestätigt, hat die Gläubigerbank das Verfahren angeordnet. Gutachter sollen im nächsten Schritt den Wert der Immobilie ermitteln; etwa ein Jahr könne es dauern, bis ein Termin festgesetzt wird.

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Finanznöte im Schloss werden seit Jahren öffentlich diskutiert. In Lokalzeitungen kursierten in den vergangenen Wochen Zahlen über die immensen Kosten, die allein der nötigste laufende Unterhalt wie etwa Heizung und Versicherung verschlingt, die Rede ist von 10.000 Euro, die monatlich nicht durch Einnahmen gedeckt werden könnten, dazu von angeblichen Schulden von einer Million Euro und einem Renovierungsstau, über den die Meinungen auseinandergehen.

Schlossherr Maximilian von Kühlmann ärgert sich über solche Spekulationen. „Das Schloss wird als Riesensanierungsfall abgewertet“, sagt er, „dabei ist es in gutem baulichen Zustand.“ Die Schulden seien „nicht annähernd so hoch wie der Wert der Immobilie“. Er arbeite derzeit an einer Lösung und suche Investoren: „Ramholz hat immer seine Schulden bezahlt, so wird es auch in Zukunft sein“, behauptet er.

Von Kühlmann hatte ein schweres Erbe angetreten und viele Pläne zur finanziellen Rettung geschmiedet: Eventmanagement mit Hochzeiten im großen Saal, eine Baumschule in der ehemaligen Gärtnerei, Betriebe im renovierten Gutshof. „Mein Traum war eine gewerbliche Nutzung, etwa ein Internat, die alle Gebäude miteinbezieht, damit das Erbe von Hugo von Stumm zusammenbleibt“, sagt er. „Leider hat sich bisher niemand gefunden, jetzt wird es einen Teilverkauf geben müssen.“ Eine Zwangsversteigerung will er noch abwenden: „Ich werde für mein Erbe kämpfen, schließlich geht es um das Haus meiner Familie, die 130 Jahre hier gelebt hat.“

Bewegte Familiengeschichte

Die Familiengeschichte ist bewegt und würde genug Stoff hergeben für eine generationenübergreifende Adels-Soap. Stahl-Baron Hugo von Stumm, Spross einer der reichsten und wohlhabendsten Industriellenfamilien im Deutschland des 19.?Jahrhunderts, kaufte 1883 das alte Hutten-Schloss und ließ 1893 den Neubau samt Wirtschaftsgebäuden errichten. Unter seinem Enkel, Knut von Kühlmann-Stumm, florierte der land- und forstwirtschaftliche Betrieb und beschäftigte zeitweise bis zu 30 Mitarbeiter. Der bedeutende FDP-Politiker, der nach seinem Protest gegen die Ostpolitik Willy Brandts in die CDU eingetreten war, starb 1977 mit 60 Jahren bei einem Autounfall. Mit seinem Sohn, Magnus von Kühlmann-Stumm, dem Vater des jetzigen Schlossherren, begann der Niedergang. Aus erster Ehe stammt Sohn Maximilian, der noch als Kind mit der Mutter das Schloss verließ.

Ehefrau Nummer zwei, Freifrau Heike von Kühlmann-Stumm, engagierte sich im Förderkreis Schlosspark Ramholz, der sich in den vergangenen Jahren unter Vorsitz von Hans Dorn für die Pflege des Parks als Kulturdenkmal einsetzte. Seit Beginn der 1990er Jahre machte sich die Schlossherrin auch um die Kultur verdient: Die Ramholzer Musiktage, die mit Namen wie Justus Frantz, Giora Feidmann und Klaus Doldinger bis zu 3000 Besucher in den Park lockten, waren überregional bekannt. Verdienen ließ sich damit nichts. 2004 war es vorbei mit den Konzerten, mit der Ehe auch. Heike von Kühlmann-Stumm hatte Ramholz verlassen und in den Hochadel eingeheiratet. Sie nennt sich seitdem Gräfin Castell-Castell, in Ramholz gehört ihr nur noch ein kleineres Nebengebäude.

Im Jahr 2000 versuchte Magnus von Kühlmann-Stumm den Besitz zu entschulden. Er verkaufte einen Großteil der Ländereien an einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, dazu die Burgruine Steckelsburg, das Pförtnerhaus und die Kegelbahn, die der neue Eigentümer inzwischen herrichten ließ.

Der Deal löste die Finanznöte nicht, zog dafür weitere Schwierigkeiten nach sich, weil seitdem Einnahmen aus der Forstwirtschaft fehlen und es Probleme mit der Wasserversorgung gibt. Auch damit kennt sich Robert Brimberry aus. Auf der Allee oberhalb des Schlosses, die zum denkmalgeschützten Schlosspark gehört, bleibt er stehen und erzählt, wie Mitglieder des Rhönklubs hier vergangenes Jahr mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks einen Wasserrohrbruch repariert hatten. „Hier lief das Wasser runter“, sagt er mit Blick auf die Obstwiese. Ramholz hat seine eigene private Wasserversorgung, die Quellen wurden mitverkauft, die Qualität des Trinkwassers ist angesichts der maroden Leitungen mehr als umstritten.

Bürgermeister ist ratlos

Das Maschinenhaus, in dem früher ein Kohlekraftwerk Strom für das Schloss produzierte, ist nicht mehr bewohnbar, weil es inzwischen von der Wasserversorgung abgeschnitten ist.

Auch Falko Fritzsch, seit 21 Jahren sozialdemokratischer Bürgermeister in Schlüchtern, zu dem Ramholz gehört, ist angesichts der Problemberge ratlos. „Es gibt keine auch nur halbwegs gesicherten Kostenschätzungen, was allein die Modernisierung der Heizungsanlage und der Wasserversorgung kosten würde“, sagt er. „Das ist alles eine große verworrene Geschichte, für Außenstehende ist es sehr schwer, sich ein Bild zu machen“, sagt er.

Immerhin, so habe ein Gespräch mit von Kühlmann ergeben, sollen die für dieses Jahr geplanten Garten- und Schlossfeste stattfinden können. Der Bürgermeister will jetzt zwischen dem Schlossherrn und dem Eigentümer vermitteln, um zumindest die Wasserprobleme in den Griff zu bekommen. Ansonsten hofft er wie alle Beteiligten auf einen Investor. Jan Viebrock, Justiziar beim Landesamt für Denkmalpflege, weiß auch keinen Ausweg. „Standort und Zuschnitt machen das Objekt zu einem schwierigen Fall“, sagt er.

Auf dem Markt wird es seit Jahren angeboten. Ein Makler aus dem Raum München preist es als „märchenhaftes Renaissanceschloss“ mit 80 Zimmern und rund 140.000 Quadratmeter großem Grundstück für knapp sieben Millionen Euro im Internet an. Schon vor vier Jahren hatte ein Züricher Auktionshaus Mobiliar in großem Umfang aus der freiherrlichen Sammlung Kühlmann-Stumm auf der Versteigerungsliste.

Robert Brimberry schmiedet trotz der schwierigen Situation große Pläne. Er will eine gemeinnützige GmbH gründen und Schloss Ramholz mit Fördermitteln als Darlehen, Spenden und Sponsorengeldern kaufen und beleben. Es gebe schon Unterstützer, Architekten, Freunde des Schlosses, die sich Rockkonzerte, Märkte und andere Events vorstellen können. Bürgermeister Fritzsch hält sich bei diesem Thema bedeckt. „Ich hoffe auf jeden Fall, dass sich eine Perspektive ergibt, die auch eine öffentliche Nutzung ermöglicht.“

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