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Schloss Bad Homburg Der Königsflügel in Gefahr

Bröckelnder Putz, Risse in den Wänden - für Besucher ist der Königsflügel im Bad Homburger Schloss nicht mehr sicher. Wegen gravierender statischer Probleme muss der Trakt mit der Wohnung der letzten deutschen Kaiserfamilie geschlossen werden.

14.02.2011 11:37
Martina Propson-Hauck
Das Bad Homburger Schloss gilt als eine der schönsten Barockanlagen Deutschlands. Foto: dpa

Wer für die nächste Zeit eine Besichtigung des Bad Homburger Schlosses geplant hat, der muss sich sputen: Der Königsflügel, eine der Hauptattraktionen des Herrschaftssitzes, wird vom kommenden Montag, 21. Februar, an für mindestens zwei Jahre geschlossen bleiben.

Bröckelnder Putz und Stuck sowie Risse in den Wänden machen Schlossdirektor Karl Weber schon seit längerer Zeit große Sorgen. Um Weihnachten herum sind die Risse und Senkungen von Böden noch bedeutend größer geworden. Ein statisches Gutachten habe ergeben, dass man um die Schließung nicht herumkomme, wolle man Besucher und Mitarbeiter, aber auch die Kunstschätze nicht gefährden.

Im Verwaltungstrakt des zweiten Obergeschosses hat man bereits kleinere Wand- und Bodenstücke freigelegt, um die Statik zu prüfen. Zu Tage traten die Ergebnisse zahlreicher Sanierungsversuche und Umbauten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre. Unerwartete Wasserleitungen und andere „Basteleien“ kamen da ans Licht.

Architekt Georg Moller hatte das 300Jahre alte Gebäude im 19. Jahrhundert umgebaut und dabei im ersten Obergeschoss mit dem Speisesaal und dem Empfangssaal große Räume mit bis zu zehn Metern Spannweite geschaffen. In den 60er Jahren kamen Verwaltungsbüros eine Etage höher hinzu. Der große Bogen, den die Baumeister einst einzogen, um die Last der massiven Säulen etwa im Treppenhaus zu verteilen und nach oben zu ziehen, trägt dieser nun nicht mehr komplett, weil Wände teilweise um 40 Zentimeter und mehr versetzt sind. Decken wurden mit Schutt verfüllt, dessen Gewicht nun ebenfalls auf die gesamte Statik drückt.

Auf die königliche Mittagstafel mit ihrem kostbaren Meißener Porzellan bröckeln Putz und Stuck. Kommoden und Schränke neigen sich. „Wir haben noch nicht alle Ursachen für die Schäden herausgefunden“, sagte Weber gestern bei einem Rundgang mit Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die im Land für Wissenschaft und Kunst zuständig ist. Mit ein Grund dürfte auch das Schiefergestein in Bad Homburgs Untergrund sein, das bei Feuchtigkeit den ganzen Bau anhebt und ihn bei Trockenheit entsprechend absinken lässt. Auch dadurch entstehen Risse.

Land schießt zu

Zwei Millionen Euro hat das Land jetzt außerplanmäßig für die statische Sanierung bewilligt. Erst im September hatte Weber erfahren, dass die schon halbwegs zugesagten zehn Millionen Euro für eine Grundsanierung des Königsflügels den Sparbemühungen in Wiesbaden zum Opfer gefallen waren. Jetzt hat man offenbar auch dort erkannt, dass ein Schloss zur Ruine werden kann, wenn man nicht aufpasst.

Der Königsflügel des landgräflichen Schlosses ist die einzige noch erhaltene Wohnung Kaiser Wilhelms II. in Deutschland. 30 000 Besucher kommen jährlich, um etwa zu sehen, wohin auch der Kaiser zu Fuß ging: Die schlichte Badewanne und den Abort kann man hier genauso besichtigen wie den Sekretär mit Geheimfach oder die Telefonzelle.
„Wir müssen in Hessen 50 Schlösser unterhalten“, sagte Kühne-Hörmann gestern. Der Etat dafür beträgt 2,8 Millionen Euro im Jahr.

Die 25 Mitarbeiter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, die im Schloss untergebracht ist, haben die Umzugskisten gepackt. Einige ziehen in den Hirschgangflügel, einige in einen Container, der im Hof aufgestellt wird. Das Vestibül mit seinem Café bleibt geöffnet, ebenso der Weiße Turm, der Schlossgarten sowie die Wohnung der Landgräfin Elisabeth.

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