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Sachsenhausen Leben im Schatten der Skyline

Die Jugendkirche Jona erzählt auf der Bühne über den Alltag Jugendlicher - auch über ihre Liebe zur Eintracht. Von Kathrin Rosendorff

Das Theaterprojekt Schattentheater in der Jugendkirche Jona. Ineiner Südsee-Strandbar treffen zwei überhebliche Eintrachtfans aufeine Bedienung, die zu ihrer Überraschung eine HamburgerGermanistikstudentin ist und den beiden Jungs zum ersten Mal etwasüber große frankfurter Kulturschaffende wie Goethe und Senckenbergerzählt. Foto: FR/Oeser

Die Leinwand ist ein weißes Segel. Darauf erscheint der Schatten zweier Umkleidekabinen, dahinter die Oberkörper zweier Mädchen, die ihre Arme nach oben strecken und das Oberteil wechseln. Neben ihnen sitzt ein genervter Freund, der nur noch eins will: raus aus dem Shopping-Rausch seiner Freundin.

"Leben im Schatten der Skyline", heißt das Theaterprojekt der katholischen Jugendkirche Jona. Das Segel, das beim Gottesdienst eigentlich den Altarraum von den Bänken trennt, fungiert jetzt als perfekte Projektionsfläche. "Viele werden sich fragen, warum wir unser Stück in der Kirche und nicht im Pfarrsaal aufführen", sagt Stadtjugendpfarrer Werner Otto.

Der Grund sei ganz einfach. "Normalerweise haben Kirchen nicht viel mit dem Leben von Jugendlichen zu tun, uns ist es wichtig, dass unsere Kirche ein Ort ist, wo Jugendliche ihr Leben reflektieren können", erläutert Otto.

Beim Casting im Juni kamen 30 von ihnen: alle zwischen 15 und 20 Jahre, die die Carl-Schurz-, Schiller- und Ziehenschule besuchen. Anders als bei Dieter Bohlen kommen hier alle weiter. Je nach Neigung ging es in die Drehbuch-, Technik-, Requisiten, Musik- oder in die Schauspiel-Gruppe.

"Ich habe vom Casting in meiner Theatergruppe in der Carl-Schurz-Schule gehört", erzählt Tomislav Marijan (19), der vorher nichts mit Jona zu tun hatte. "Ich fand die Idee richtig cool, weil Jugendliche das Stück geschrieben haben und alle, die hier mitmachen, jung sind".

Er selbst kam zu spät zum Drehbuch-Schreiben, spielt dafür vier verschiedene Charaktere. Er ist italienischer Reiseführer, euphorischer Eintracht-Fan, genervter Freund und "ein scheinbar" Asozialer. Unterstützt wurden er und die Gruppe von den Jugendbildungsreferenten Annika Endres und René Otto, die die Idee zum Schattentheater hatten.

Die Geschichte erzählt von drei Frankfurter Jugendlichen, die Urlaub in der Karibik machen. Dort entwickelt sich ein Gespräch über ihr Leben in der Skyline-Metropole. Es geht um die Themen: Arm und Reich, Sport, Multikulti, Diskriminierung und die Liebe auf den ersten Blick. Auch kritische Töne klingen an: "In einer Szene machen sich zwei total eingebildete Mädels mit Guccitäschchen über einen Obdachlosen lustig", erzählt Lina Schatz (17), die an der Szene mitgeschrieben hat.

Das Stück ist jedoch kein reines Schattentheater. Es werden auch selbstgedrehte Videoclips gezeigt, eigens getextete Musik gespielt. Das Mainufer, die Zeil oder die Römerkulisse tauchen als Schatten- oder Live-Projektionen auf dem Segel auf. Das 2000 Euro teure Theaterstück wurde vom Frankfurter Jugendring unterstützt.

Linus Hassel (16) spielt Sven, einer der drei Hauptrollen. Es ist seine erste richtige Rolle und das Spiel mit dem Schatten macht ihm richtig Spaß, auch wenn diese Form der Schauspielerei nicht ganz so leicht ist. "Das Schwierigste ist, dass man entweder genau frontal oder im 90 Grad Winkel seitlich zur Leinwand stehen muss", erklärt er. "Sonst sind die Bewegungen nicht deutlich zu erkennen". Er hat nur noch wenige Tage Zeit zum Üben.

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