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Rosl Arnsberg Die Stifterin

Nein, das ist kein Alter. 100 ist sie geworden, Rosl Arnsberg, aber das sieht man ihr nicht an. Trotzdem ist ihr Geburtstag ein Anlass zur Feier: Mit Gästen aus aller Welt zelebriert die Grande Dame ihren Jahrestag.

An der Seite von Oberbürgermeisterin Petra Roth: Die fröhlich lächelnde Rosl Arnsberg. Foto: Oeser

Nein, das ist kein Alter. 100 ist sie geworden, Rosl Arnsberg, aber das sieht man ihr nicht an. Es klingt wie eine Floskel, aber sie sieht in der Tat keinen Tag älter als 80 Jahre aus. Während sie in einem Sessel des Kurfürstenzimmers im "Hessischen Hof" sitzt, drapieren sich mehrere Generationen ihrer Familie für ein Photo um sie herum.

Der Geburtstag der Grande Dame hat sie ohrenscheinlich aus allen Teilen der Welt hierhergeweht -- Englisch ist die lingua franca. Petra Roth plaudert ein paar Meter weiter mit Hilmar Hoffmann und natürlich darf auch Salomon Korn bei diesem Geburtstag nicht fehlen. Dienstbare Geister reichen Getränke, Nüsschen auf den Tischen laden zum Knabbern ein, ein Hauch von gelassener Eleganz weht durch das Kurfürstenzimmer. Und auch die rüstige Rosl Arnsberg weht nach der Foto-Zeremonie von Gratulant zu Gratulant - so leichtfüßig kann eine 100-jährige eigentlich gar nicht sein.

Die Witwe des Historikers und Publizisten Paul Arnsberg wurde 1908 in Berlin-Charlottenburg geboren. Als 1933 gröhlende Nazi-Horden durch die Straßen marschierten, da fasste Rosl Arnsberg, die gerade eine Lehre zur Modistin machte und in einem Hut-Atelier arbeitete, den Entschluss, nach Palästina auszuwandern - wo eine ältere Schwester sie bereits erwartete. Das tat im übrigen die ganze Familie - Rosl Arnsberg war eines von acht Kindern - die so den Holocaust überlebte. In Tel Aviv lernte sie dann ihren späteren Ehegatten kennen - auch er hatte sich rechtzeitig vor den Nazis in Sicherheit bringen können. Paul Arnsberg hatte in Marburg Jura studiert und in Gießen promoviert, bereits in Deutschland hatte er sich als Zionist einen Namen gemacht. In Tel Aviv schrieb er dann Artikel für zionistische Zeitungen. Das Paar bekam drei Töchter und einen Sohn.

Bereits 1950 sprach sich Arnsberg dafür aus, wieder Beziehungen mit Deutschland aufzunehmen. Und 1958 kehrten die Arnsbergs tatsächlich nach Deutschland - genauer nach Frankfurt, zurück. Hier schrieb Arnsberg Bücher wie "Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution" oder "Die jüdischen Gemeinden in Hessen".

Sein letztes Buch, das von Jüdischen Stiftungen handelt, konnte er nicht mehr vollenden. 1978 starb Paul Arnsberg, er liegt in Tel Aviv begraben. Aber seine Witwe, die in Frankfurt blieb, führte sein Werk weiter - und tatsächlich konnte sie so zu Beginn diesen Jahres das Buch über die Stiftungen zu Ende bringen. Rosl Arnsberg übernahm zudem den Vorsitz in verschiedenen Stiftungen, denen früher ihr Mann vorstand. Seit 1978 sitzt sie zudem im Vorstand der Henry-und-Emma-Budge-Stiftung; sie ist Gründungsmitglied der Förderer der Krebsbekämpfung in Israel. 1990 wurde Rosl Arnsberg mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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