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RMV Viel Kritik an neuen Fahrpreisen

Fahrten von Frankfurt nach Offenbach und Neu-Isenburg werden deutlich teurer. Der VCD beklagt „ungerechte und unlogische Preissprünge“, Pro Bahn stellt ein alternatives Tarifmodell vor.

Besonders teuer: Eine Fahrt von Frankfurt ins nahe Offenbach, hier die Station Marktplatz. Foto: Rolf Oeser

Es gibt Strecken, auf denen ist die Preiserhöhung gravierend. Wer etwa von Frankfurt nach Offenbach oder nach Neu-Isenburg fährt, zahlt jetzt 4,80 Euro – 15 Cent mehr als im alten Jahr. Die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) angekündigte Steigerung der Fahrkartenpreise liegt zwar bei 1,9 Prozent. Doch das ist lediglich der Durchschnittswert. Manche Fahrgäste werden davon kaum etwas merken, andere umso mehr. „In Frankfurt und Offenbach werden Einzelfahrten um 3,6 beziehungsweise 4 Prozent teurer“, sagt Mathias Biemann, Landesvorsitzender des alternativen Verkehrsclubs VCD Hessen. Zehn Cent mehr müssen die Nutzer von Bus und Bahn jetzt berappen.

Das sei deutlich mehr als die Lohn- und Energiepreissteigerungen, mit denen der RMV-Aufsichtsrat die im Sommer beschlossenen Anhebung begründet hatte, sagt Biemann. Der langjährige Vergleich des VCD zeige „ungerechte und unlogische Preissprünge“. Der öffentliche Verkehr zwischen zwei Tarifgebieten werde unattraktiv, „obwohl es gerade hier wichtig wäre, Pendlern eine niedrigschwellige Alternative zum Auto zu bieten“.

Mit seinem Urteil steht der Verkehrsclub nicht alleine da. Die Erhöhung falle dreimal so hoch aus wie die Inflationsrate, moniert der Fahrgastverband Pro Bahn. Landesvorsitzender Thomas Kraft verteilt aber auch lobende Worte: „Erfreulich ist, dass die Preise für Kinderfahrscheine im kommenden Jahr erstmals nicht angehoben werden.“

Uwe Becker: „unsozial und falsch“

Überraschenderweise kommentiert diesmal auch Uwe Becker, Frankfurter Stadtkämmerer und CDU-Kandidat für die diesjährige Oberbürgermeister-Wahl, die Änderungen. Die Preiserhöhungen seien „unsozial und falsch“, kritisiert der Aufsichtsratsvorsitzende der lokalen VGF, die eng mit dem RMV zusammenarbeitet.

Nach Auffassung des VCD-Landesvorsitzenden ist „ein Umdenken bei der Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs und eine Tarifreform im RMV überfällig“. Die alte Tarifzonenstruktur blockiere angemessenere Fahrpreise. Eine Erkenntnis, die sich auch bei den Gesellschaftern des RMV durchgesetzt hat.

Der Verbund hat einen neuen Tarif mit dem Namen Smart entwickelt, der sich an den zurückgelegten Kilometern orientiert. Vor einem halben Jahr begann der auf drei Jahre angelegte Test, an dem mehr als 13 000 Nutzer teilnehmen. „Die meisten sind zufrieden“, versichert RMV-Sprecher Sven Hirschler der Frankfurter Rundschau und stellt für „Jahresanfang“ eine erste Auswertung des Tests in Aussicht. Der Verbund spricht von einem „lernenden System“. Was sich im Alltag als unpraktikabel erweise, werde angepasst. Trotzdem hagelte es vor ein paar Wochen Kritik aus Frankfurt: Für das Stadtgebiet sei der Smart-Tarif viel zu teuer.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) plädierte sogar dafür, den Versuch abzubrechen. Ein Ende fand der Streit im November mit einem Auftrag des Aufsichtsrats an den RMV, eine generelle Preissenkung zu prüfen. Gleichzeitig stellte die Geschäftsführung häufigen Nutzer in Aussicht, im Laufe des neuen Jahres auf jede Fahrt einen spürbaren Rabatt zu erhalten. Die Änderungen würden vorbereitet, sagt Sprecher Hirschler. In zwei Monaten könnten sie dem Aufsichtsrat präsentiert werden.

„Das neue Tarifmodell ist noch stark verbesserungswürdig“, urteilt der VCD. Beim Wechseln des Verkehrsmittels fielen „Strafgebühren“ an, Kurzstrecken würden „zum Luxusgut“. Das System der Pauschalen verursache Preissprünge, wenn ein Fahrgast vom Land in die Stadt fahre. Der VCD empfiehlt, sich den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) im Süden Hessens als Vorbild zu nehmen. Der biete „ein transparentes entfernungsabhängiges Tarifsystem an“, das auch ohne Smartphone verstanden und genutzt werden könne.

Seine direkte Hilfe bietet der Landesverband Pro Bahn an. „Wir wollen nicht nur meckern, sondern konstruktiv sein“, sagt dessen Sprecher Wilfried Staub. Mit Mitstreitern hat er ein eigenes Tarifmodell entwickelt, das wirkliche Gerechtigkeit verspreche. Bei einem Treffen mit anderen Mitgliedern des Landesverbands am Montag steht es zur Diskussion.

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