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RMV-Test Ein Kilometer kostet 20 Cent

Der RMV sucht noch Testkunden für den entfernungsabhängigen Tarif. Die FR hat es vorab ausprobiert. Die neue App ist einfach zu bedienen. Der Preisvorteil aber nicht zwangsläufig gravierend.

Für den Hund bleibt der Fahrpreis immer der gleiche: null Euro. Foto: Andreas Arnold

Der Kunde zahlt die Kilometer, die er fährt: Wer das neue entfernungsabhängige Tarifangebot ausprobieren möchte, kann sich ab sofort beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bewerben. 20 000 Nutzer haben die Möglichkeit dazu. Drei Jahre soll die Phase dauern, in der der RMV Erfahrungen sammeln möchte. Die Frankfurter Rundschau hat die Neuerung vorab zwischen Frankfurt und Offenbach getestet. Fazit: Die neue App ist einfach zu bedienen. Der Preisvorteil nicht zwangsläufig gravierend.

Treffpunkt Frankfurt-Südbahnhof. RMV-Prokurist Thomas Kern ist einer der Erfinder des Tarifs „RMVsmart“, für den es bundesweit kein Vorbild gibt. Im Vergleich zum alten Handyticket ist die neue App „auf das Wesentliche reduziert“, sagt Kern. Er tippt auf sein Smartphone. „Sie können per GPS ihren Standort orten oder per Hand eingeben.“ Das Ziel ist Offenbach-Hauptbahnhof. Um 15.33 Uhr fährt die Regionalbahn pünktlich ab. 3,33 Euro kostet das persönliche Ticket – versehen mit Geburtsdatum und Namen, den der Kontrolleur mit Personalausweis oder Führerschein abgleichen kann. 56 Minuten ist die Fahrkarte gültig, bei Betriebsstörungen selbstverständlich länger. Nach vier Minuten sind die Tester schon am Ziel. „Normalerweise hätte die Fahrt 4,65 Euro gekostet“, sagt Kerns Kollegin Susanne Bieling, die ebenfalls zum Team der Leute gehört, die in den vergangenen Monaten mit Hochdruck an dem neuen Angebot getüftelt haben.

Die App ermöglicht, Favoriten einzurichten, gibt Auskunft über Verbindungen und Verspätungen. Im Menü befindet sich aber auch ein Extra-Punkt für jene Kunden, die lediglich Bus oder Tram nutzen wollen. Fünf verschiedene Pauschalen gibt es – drei innerörtliche und zwei die Stadtgrenzen überschreitende – für Leute, die mit dem Bus von Frankfurt nach Bad Vilbel fahren oder von Oberursel nach Bad Homburg. „Frankfurt hat die teuerste innerörtliche Pauschale“, sagt Bieling. 2,36 Euro kostet eine Stunde Bus und Tram. Der Preis Frankfurt-Bad Vilbel beträgt 4,04 Euro und damit 61 Cent weniger, als das jetzige Einzelticket, Preisstufe 4.

Nicht immer ist der Smart-Tarif die günstigste Variante. Bieling tippt die Strecke Frankfurt-Süd nach Nieder-Eschbach ein. Eine lange Strecke, die für Otto-Normal-Kunden 2,80 Euro kostet. Wer den Smart-Tarif wählt, muss 5,07 Euro zahlen. „Das ist Entfernungsgerechtigkeit“, erläutert Bieling.

Werden die Testpersonen in einem solchen Fall auf das klassische Handyticket ausweichen? Oder bleiben sie bei einem System? „Uns interessiert auch, ob sie hin und her wechseln“, sagt Kern. Ziel des Versuchs sei, das Nutzerverhalten ausfindig zu machen, die Akzeptanz des Systems auszuloten. Der RMV werde mit den Testern in Kontakt treten, um ihre Kritik, Anregungen und Wünsche bei der Weiterentwicklung zu berücksichtigen. Nutzer zahlen pro Fahrt einen einmaligen Grundpreis in Höhe von 1,69 Euro, bei einem Umsatz von mehr als 20 Euro pro Monat gibt es Rabatt. Im Großraum Frankfurt kostet der Kilometer 20 Cent, sonst 11 Cent. Bis zu fünf Personen können mitgenommen werden.

Klingt simpel. Doch bei der Entwicklung mussten die RMV-Leute viele Aspekte beachten. Über allem steht der Auftrag, dass sie verantwortungsvoll mit dem Geld des Steuerzahlers umgehen müssen. Darüber wacht das Regierungspräsidium Darmstadt, das den Versuch für drei Jahre mit 20 000 Nutzern genehmigt hat.

Von Offenbach geht es zurück nach Frankfurt zum Hauptbahnhof, dann per Tram weiter zur Galluswarte. Vier Euro kostet der distanzabhängige Tarif. 65 Cent hat der Kunde gespart.

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