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Rhönklub Ein alter Verein

Der Rhönklub tut sich schwer, einen neuen Vorstand und Nachwuchs zu finden. Ein Großteil der Mitglieder ist schon über sechzig Jahre alt. Jüngere Menschen können dem Wander- und Kulturgedanken heute kaum noch etwas abgewinnen.

13.02.2011 15:17
Thomas Witzel
Wandern im Verein ist das Hobby älterer Menschen. Foto: dpa

Im August wird der Rhönklub 135 Jahre alt. Seit 45 Jahren ist Regina Rinke im Verein, davon 22 Jahre als Präsidentin. Im vergangenen Jahr, da war sie 74, hatte sie noch angekündigt, sich zurückzuziehen. Zu ihrem 75. Geburtstag – stilecht und angemessen auf dem Kreuzberg in der bayerischen Rhön gefeiert – war davon nicht mehr die Rede. Sie trete wieder an, ließ sie die Festgesellschaft wissen. Das war am 23. Januar. Keine drei Wochen später ist nun wieder alles anders: Der Hauptvorstand erfährt es in einer Sondersitzung – Rinke tritt nicht mehr zur Wiederwahl an. Was auf den ersten Blick wie eine Provinzposse wirkt, beleuchtet doch die Spannungen im Verein. Der Klub hat in Hessen, Thüringen und Bayern immerhin 25000 Mitglieder und 88 Zweigvereine. Die Krise beleuchtet auch die Nachwuchsprobleme, mit denen der Rhönklub zweifelsfrei zu kämpfen hat. Derzeit halten die Vorstandsmitglieder den Ball flach. Es gebe keine Flügelkämpfe innerhalb der Führung, wird Hauptnaturschutzwart Heinrich Heß aus Hünfeld in der lokalen Presse zitiert. Und es sei keine schmutzige Wäsche gewaschen worden.

Großteil der Mitglieder über 60

Auch die Hauptperson, Regina Rinke selbst, versucht im Nachhinein die Wogen zu glätten. Bei der Geburtstagsfeier sei sie so über den grünen Klee gelobt worden, dass sie sich gesagt habe, „warum soll ich nicht doch weitermachen“. Danach aber sei sie in sich gegangen und habe auch auf Freunde gehört, die ihr geraten hätten, aufzuhören, bevor sie später von anderen dazu gedrängt werde.

Dass die Folgen des demografischen Wandels auch vor dem Rhönklub und seinen Traditionen nicht halt machen, ist geradezu folgerichtig. Ein Großteil der Mitglieder ist ohnehin schon über sechzig Jahre alt. Jüngere Menschen tun sich schwer, dem Wander- und Kulturgedanken – in Kniebundhosen und mit einem frohen Lied auf den Lippen – heute noch etwas abzugewinnen. Eine Erfahrung, die Wandervereine in den hessischen Mittelgebirgsregion durchweg gemacht haben.

Taunus-Klub, Vogelsberger Höhenklub und auch der Spessartclub sind immer schon froh, wenn sich Menschen unter 50 Jahren mit frischen Idee zu ihnen gesellen.

Alleine der Alpenverein mit seinen örtlichen Sektionen hat die Verjüngungskur schon hinter sich. Unzählige junge Menschen haben sich hier – wohl vor allem auch wegen einiger Trendsportarten wie Free climbing und anderer Outdoor-Angebote – in letzter Zeit angemeldet und sind Mitglieder geworden.

Tatenlos will die künftige Führungsriege des Rhönklubs einer drohenden Überalterung aber auf keinen Fall zusehen: Ewald Klüber, mittlerweile nach dem Hin-und-Her-Hickhack um den Präsidiumsposten designierter Nachfolger von Regina Rinke, sieht im demografischen Wandel nämlich durchaus auch Chancen für den Verein. Er will künftig mehr Aktionen für Kinder und Jugendliche anbieten. Zeit dafür hat er. Er ist erst 61.

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