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Rheingau Alter Wein in neuer App

Der Rheingau will seine uralte Geschichte des Weinbaus besser verkaufen und setzt dabei auf digitale Vermittlung. Tiefe Keller, alte Mauern und fast vergessene Rebsorten sollen wieder erlebbar werden.

Wickerer Warte
An der Wickerer Warte bei Flörsheim kann man bei einer tollen Aussicht probieren, wie der Rheingauer Wein schmeckt. Foto: Rolf Oeser

Der Rheingau, das ist mehr als die Drosselgasse und romantische Burgen: Wein natürlich, vor allem Riesling, der hier, vor allem hier, gedeiht. Und obwohl die Touristen zuletzt wieder in größerer Zahl kommen, Gastronomie und Winzer ordentliche Umsätze machen, genügt das Ulrich Steger nicht. „Wir haben hier ein unglaublich vielfältiges Erbe, aber das wird viel zu wenig genutzt“, sagt der Professor und Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Historischen Weinbaus im Rheingau.

Wie der Name sagt, haben es sich die Mitglieder des vor eineinhalb Jahren gegründeten Vereins zur Aufgabe gemacht, die bis zu den Römern zurückreichende Tradition des Weinanbaus stärker ins Bewusstsein zu rücken. „Wir sind die älteste Weinbauregion in Deutschland, aber wir machen am wenigsten daraus“, sagt Steger.

Das soll sich nun ändern. Der Verein hat – unterstützt vom Land Hessen und der Stiftung Flughafen Frankfurt – eine wissenschaftliche Untersuchung bei der Technischen Hochschule in Bingen in Auftrag gegeben. Nun wurde diese Machbarkeitsstudie in Oestrich-Winkel vorgestellt. Die Frage war, wie sich die Historie überhaupt erfassen, vermitteln und langfristig erhalten lässt.

„Wir können stolz auf das sein, was wir hier haben“, sagt dazu Klaus Werk von der Hochschule Geisenheim. Tiefe Keller, zahlreiche Weingüter und Kellereien, von uralten Mauern umschlossene Weinberge, alte, kaum noch bekannte Rebsorten, Grenzsteine, Wegekreuze – all das zählt Lena Bolle auf, die die Studie zusammen mit Elke Hietel, Professorin an der TH in Bingen, erstellt hat. Doch vieles davon liegt versteckt, oder ist doch nicht in seinen Zusammenhängen beschrieben. „Es besteht die Gefahr, dass es verfällt oder ganz in Vergessenheit gerät“, fürchtet Steger.

Die Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass eine App für Smartphones und Tablet-Computer auf einen Blick zeigen soll, was es an Historischem im Rheingau zu entdecken gibt. Sie soll ein zentrales Element bei der Förderung des Interesses werden. Auf einer solchen App könnten ausländische Touristen, Familien beim Wochenendausflug oder auch Einheimische schnell und einfach finden, was sie interessiert. Und das, ohne dass überall neue Schilder den schon vorhandenen Schilderwald im Rheingau noch dichter machen müssten.

Die App ist das eine. Greifbares wie etwa ein Weinberg, in dem alte Rebsorten mit historischen Methoden angebaut werden, das andere. Ideen dafür gibt es schon. So könnten auf der Mariannen-Aue vor Schloss Reinhartshausen, am Kloster Eberbach, in Rüdesheim oder in Hochheim solche Museumsweinberge entstehen. Auch das Weingut Baron Knyphausen in Eltville-Erbach bietet sich dafür an, dort wird seit geraumer Zeit schon ein so genannter Gemischter Satz angepflanzt, in dem verschiedene alte Rebsorten direkt beieinander stehen und nach der Lese zusammen gekeltert und zu einem Wein ausgebaut werden.

Peter Seyffardt, Präsident des Rheingauer Weinbauverbands, ist optimistisch, dass eine App zum historischen Weinbau schon bald Wirklichkeit werden könnte. Er sieht sie als sinnvolle Ergänzung vorhandener Strukturen, wie sie etwa der Weinbauverband, der Zweckverband der Anliegerkommunen oder auch die vor geraumer Zeit eingeführte Dachmarke „Kulturland Rheingau“ darstellen. Diese betreiben bereits eine gemeinsame Website und eine Rheingau-App. Doch in der Vielzahl der Akteure, zu denen zahlreiche weitere Vereine und Organisationen gehören, liegt auch ein Problem.

„Es gibt zu viele parallele Strukturen“, beklagt etwa Ulrich Wendt vom Regionalmanagement Rheingau. „Damit verwirren wir die Kundschaft“, fürchtet er. So fordert der Geisenheimer Bürgermeister und designierte Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Frank Kilian, die Strukturen zu bündeln. Dass dies gelingt, hält er für aussichtsreich. „Schließlich haben alle am Ende einen Mehrwert, wenn wir als Region noch attraktiver und sichtbarer werden, Fremde in den Rheingau holen, Bildungshungrige anziehen und auch den hier lebenden Menschen zeigen können, welcher Schatz ihre Heimat ist.“

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