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Restaurantschiff in Offenbach Vier-Gang-Menü im Wellengang des Mains

Seit November ist Offenbach mit dem Restaurantschiff „Backschaft“ um eine kulinarische Attraktion reicher.

Restaurantschiff Backschaft am Offenbacher Mainufer
Restaurantleiter Patrick Scheib serviert natürlich im Matrosenanzug. Foto: Monika Müller

Organisation ist alles auf der Backschaft: Küchenchef Patric Dresbach blanchiert kleine Tintenfische, während nur zwei Schritte entfernt der Brotsalat vorbereitet wird. Viel Platz ist in der Küche nicht, ein knapper Meter misst der Abstand zwischen Bootswand und Herd. „Da muss jeder Handgriff durchdacht sein – ich kann hier keine 15 Teller gleichzeitig vorbereiten“, sagt Dresbach. Auch Barchef Patrick Schneider muss genau den Platz berechnen, will er die Flaschen für die Bar im Schiff unterbringen.

Seit November hat das Restaurantschiff Backschaft, ein 1904 erbautes Ausflugsschiff, eröffnet. Der Offenbacher Gunnar Ohlenschläger und der als DJ im Rhein-Main-Gebiete bekannte Marco Sönke haben im vergangenen Jahr die Offenbacher Gastro-Szene um eine Attraktion bereichert. Seit der Franzose André Dubost 1982 den Wilhelmsplatz mit seinem Lokal „Clochemerle“ im Markthäuschen als Ausgehtreff etablierte, konzentriert sich die Gastroszene um den Platz in der Stadtmitte. „Wir wollen zeigen, dass auch am Main etwas möglich ist“, sagt Sönke.

Direkt hinter dem Mainuferparkplatz, in Höhe des Lilitempels, liegt die Backschaft vor Anker. „Gehobene, aber nicht abgehobene Küche ist unser Motto“, sagt Restaurantleiter Patrick Scheib. Zuvor hatte er unter anderem für den bekannten Koch Johan Lafer auf der Stromburg gearbeitet. „Das Schiff war schon eine Umstellung“, sagt er, „aber es geht hier sehr familiär zu.“

Da auf die Platzverhältnisse geachtet werden muss, kann Küchenchef Dresbach nur acht Gäste mit Hauptgängen gleichzeitig bekochen. „Das heißt, bei der Reservierung achten wir schon auf eine gute zeitliche Verteilung der Gäste“, sagt Scheib. Die Gäste werden auf Wunsch geduzt, rund 45 Plätze umfasst das Restaurant im Schiff. „Bei schönem Wetter sind natürlich die Plätze auf dem Sonnendeck begehrt“, sagt Scheib. Die Schifffahrt liegt ihm, schließlich absolvierte er seinen Wehrdienst bei der Marine. Auf der Backschaft begrüßt er die Gäste in Matrosenuniform. „Wir sind schließlich auf einem Schiff“, sagt er.

Dass man hier auf dem Wasser speist, spüren die Gäste, wenn ein Schiff vorüberfährt und die Backschaft sich sanft im Wellengang hebt und senkt. Oder an den Schwänen, die beim Vorüberschwimmen an den Fenstern der Küche Halt machen – es könnte ja etwas vom Fisch für sie dabei herausspringen. Zu besonderen Gelegenheiten legt die Backschaft auch ab und unternimmt eine Fahrt nach Frankfurt. „Gerade bei Hochzeiten ist die Skyline-Tour sehr gefragt“, sagt Scheib.

„Das Schiff schlug extrem gut ein“, sagt Sönke, „wir haben alle zwar gehofft, dass es gut angenommen wird, aber dieser Erfolg hat uns schon überrascht.“ Von Mainz bis Aschaffenburg kämen Gäste nach Offenbach, um eines der Drei- oder Vier-Gang-Menüs auf dem Main zu genießen.

„Es gibt eben nur gut zwölf fahrtüchtige Restaurantschiffe in Deutschland“, sagt Scheib, „wir sind damit etwas besonderes. Außerdem haben wir ganzjährig geöffnet und nicht nur bei schönem Wetter.“ Im Rhein-Main-Gebiet sei die Backschaft ein wahrer Exot: Zwar gibt es etwa in Mainz ein für Veranstaltungen buchbares Schiff, doch ist dieses weder fahrbereit noch bietet es einen regulären Restaurantbetrieb an.

„Die Hürden sind allerdings auch hoch für den Betrieb“, sagt Sönke, „es muss Leitungen für Strom, für Zu- und Abwasser geben und der Liegeplatz muss stimmen.“ Die Poller, mit denen das Schiff vertaut ist, hat die Backschaft-Crew selbst gebaut, ebenso den hölzernen Steg zum Schiff. „Ich denke, Offenbach ist einfach toleranter und aufgeschlossener für solche Ideen als etwa Frankfurt“, sagt er.

Ob das Schiff auch fahrtüchtig sei, werde sie häufig gefragt, erzählt Barkeeperin Friederike Duhme. „Und natürlich, was denn der Name Backschaft bedeutet“, sagt sie und lacht. Scheib kann es genau erklären: „In der Seefahrt ruft der Kapitän ‚backen und banken‘, das heißt ‚hinsetzen und essen‘. Die Backschaft ist also die Tischgemeinschaft der Seeleute“, sagt er.

Unter Deck ist eine Bar eingerichtet, rund 30 Personen finden dort Platz. Barchef Schneider, der vorher im Schlosshotel Kronberg tätig war, experimentiert gern mit Drinks. Sehr gefragt sei etwa sein „Horseradish Gimlet“, ein Drink mit frischem Meerrettich.

Für das nächste Jahr hat Sönke schon Pläne: Ein Sonnensegel soll gebaut werden und es soll regelmäßig Live-Musik auf dem Schiff und am Mainufer geben. „Ich denke, wir haben unseren Rhythmus gefunden und werden konsequent weitermachen.“

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