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Reichelsheim Pionier für neue Märkte

Der Bio-Lieferant und Erzeuger „Querbeet“ besteht seit 25 Jahren.

30 Jahre Bockenheimer Wochenmarkt
Thomas Wolff inmitten seiner Produkte. Foto: Peter Jülich

Ich lasse mir ungern vorschreiben, was ich koche“, sagt Thomas Wolff. Seinen Eigensinn in Sachen Essen und das Verlangen nach gesunder Ernährung hat Wolff vor 25 Jahren zu einem bis heute erfolgreichen Geschäftsmodell umgesetzt. Einen Obst- und Gemüselieferdienst, der Woche für Woche das Gleiche bringt, sieht der 57-Jährige als Einschränkung der Abnehmer. Statt einem Abo auf Kartoffeln oder Äpfel entwickelte er einen Lieferdienst, bei dem der Kunde frei bestellen kann – bis 12 Uhr am Vortag.

Wolff sieht sich als Vorreiter dieses Kundenservices für Bio-Ware. Was vom Pappelhof kommt, ist ökologisch angebaut worden oder stammt von Partnerbetrieben aus der Region. Rund 70 Personen beschäftigt der Familienbetrieb unter der Marke „Querbeet“. Zehn Kühlfahrzeuge bringen die Bestellungen zum Kunden. Zudem ist „Querbeet“ auf Wochenmärkten vertreten.

Die Direktvermarktung von ökologischen Agrarerzeugnissen beginnt bei Wolff weit vor der Firmengründung. In den 80er Jahren gab es Bio-Produkte in rustikal eingerichteten Läden oder direkt vom Bauern, sagt er. Letzteres entsprach mehr der Vorstellung von Wolff. Es sei die Zeit des fairen Handels mit den Bauern der sogenannten Dritten Welt und die Zeit der „Food-Kooperationen“ gewesen, der Direktabnahme beim Bio-Hof. Wolff legte sich einen Kleinlaster zu und fuhr mit seinem mobilen Marktstand übers Land. „Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in 1986 hat das Geschäft einbrechen lassen“, sagt Wolff.

Aber es ging bald schon weiter. 1988 betrieb er auf dem Markt im Stadtteil Bockenheim den ersten Bio-Stand für Obst und Gemüse in Frankfurt. Ein Jahr später zählte er zu den Mitbegründern des Erzeugermarktes auf der Frankfurter Konstablerwache. 1993 übernahm Wolff den Pappelhof bei Reichelsheim in der Wetterau und ließ ihn nach seinen Erfordernissen umbauen und erweitern und gründetet „Querbeet“. Den Bio-Anbau auf den 45 Hektar Ackerfläche hat die Erzeugergemeinschaft Wollinsky & Preuss übernommen.

Mit drei Mitarbeitern bestückte er anfangs Wochenmärkte in Frankfurt und Offenbach. Schon bald kam die Lieferung bis an die Haustür, auf Wunsch sogar bis in den Kühlschrank. Aus logistischen Gründen wird nicht in der Nacht geliefert. Der Aufwand lohne nicht, zwei Drittel der Besteller nähmen die Kiste selbst in Empfang, sagt er.

Der gelernte Kaufmann und umgeschulte Gemüsebauer ließ den Betrieb kontinuierlich expandieren, auch um neue Nischen für „Bio“ zu erkunden. Rückschläge blieben nicht aus, etwa der unternehmerische Ausflug in die Frankfurter Kleinmarkthalle. Vielleicht war die Zeit 2004 noch nicht reif für Bio-Bistro und Stand. Das „Feierabendglück“ hat sich hingegen etablieren können. „Es gibt immer mehr Single- und Kleinhaushalte, wir liefern zu verschiedenen Gerichten Rezepte und alle Zutaten in entsprechender Menge“, sagt Wolff. Eine Rezeptdatenbank findet sich auf der „Querbeet“-Seite. Das Portfolio wurde zudem um vegane Nahrungsmittel ergänzt.

Der Erfolg spiegelt sich auch in Auszeichnungen wider, etwa im „Förderpreis Ökologischer Landbau“ bei der Grünen Woche Berlin oder der Charta „100 Unternehmen für den Klimaschutz“.

Frank Deltau, neben Wolff seit 2003 Gesellschafter, ist seit 2017 Mitgeschäftsführer. Zu Jahresbeginn wurde die Steinfurther Bioland Gärtnerei übernommen, dort wird auf 18 Hektar in Eigenregie angebaut.

Die Präsenz auf Wochenmärkten ist erweitert worden. Noch heute gilt für Wolff: „Nicht Supermärkte oder Discounter, sondern wir und andere Höfe sind die Wegbereiter der Bio-Vermarktung.“ Und das macht Wolff seit 2005 werbeträchtig mit seinem Team „BioRunner“ deutlich, das beim Frankfurt-Marathon mit die größte Laufgruppe bildet.

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