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Rechtsradikale Polizei löst Neonazi-Party auf

Rechtsradikale feiern mit antisemitischen Liedern in Leun-Stockhausen im Lahn-Dill-Kreis. Hessische Polizeibeamte lösen die Feier auf - unter Einsatz von Pfefferspray.

Die Polizei hat eine Neonazi-Party aufgelöst (Symbolbild). Foto: dpa

Die hessische Polizei hat am vergangenen Samstagabend eine rechtsextreme Party in Leun-Stockhausen im Lahn-Dill-Kreis aufgelöst. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen am Montag mitteilte, hatten sich rund 50 Anhänger der Neonazi-Szene in einer ehemaligen Gaststätte getroffen, die einem Mann aus Leun gehört.

Bereits im Vorfeld hätten Beamte der Bereitschaftspolizei einige der Teilnehmer kontrolliert, hieß es. Dabei habe man auch zwei Männer überprüft, die im Auto angereist seien und offensichtlich unter Drogeneinfluss gestanden hätten. Beide seien daraufhin einem Bluttest unterzogen worden, man habe auch Drogen bei ihnen gefunden.

Gegen 21.45 Uhr hätten die Einsatzkräfte dann beschlossen, die Feier zu beenden, so der Polizeisprecher. Zuvor sei das verbotene Lied „Bomben auf Israel“ von der bekannten und 2003 aufgelösten Neonazi-Band Landser aus Berlin gespielt worden. Im Refrain des antisemitischen Songs heißt es unter anderem: „Kamerad, Kamerad, unsere Sturzkampfbomber starten / Kamerad, Kamerad, es lautet der Befehl / Ran an den Feind, ran an den Feind / Bomben auf Israel“.

Da der Text auch draußen vor dem Gasthof deutlich zu hören gewesen sei, hätten die Beamten die Party aufgelöst und Platzverweise an die rund 50 aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angereisten Neonazis ausgesprochen, so der Sprecher. Zwei von ihnen hätten sich den Polizisten widersetzt, woraufhin diese Pfefferspray eingesetzt hätten. Der Staatsschutz der Kriminalpolizei in Wetzlar habe Ermittlungen wegen Volksverhetzung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen.

Bekannter Treffpunkt

Die Antifaschistische Bildungsinitiative aus Friedberg teilte mit, der Gasthof in Leun-Stockhausen sei schon länger als Treffpunkt der extremen Rechten bekannt. In der Vergangenheit hätten dort Veranstaltungen der extrem rechten NPD und ihrer Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) stattgefunden. Auch Neonazi-Partys habe es dort schon öfter gegeben, so die Initiative. Der Lahn-Dill-Kreis sei die „Hochburg der rechtsextremen Musikszene in Hessen“.

Erst im Februar war durch eine Parlamentsanfrage der Linksfraktion bekanntgeworden, dass die hessischen Behörden im vergangenen Jahr insgesamt acht rechte Partys und Konzerte festgestellt hatten, davon allein fünf im Lahn-Dill-Kreis. Der Landtagsabgeordnete Hermann Schaus (Linke) hatte daraufhin gesagt, rechte Konzerte bewegten sich in Hessen offenbar auf einem „kontinuierlichen Niveau“.

Partys, Rockkonzerte und sogenannte Liederabende spielen eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt und die Vernetzung der Neonazi-Szene. Über Musik und Alkohol wird eine extrem rechte Erlebniswelt geschaffen, die vor allem neugierige Jugendliche an die Szene binden soll.

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