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Rechtsextremisten in Hessen AfD hält Antisemiten die Treue

Der Facebook-Hetzer Gottfried Klasen durfte als Delegierter am AfD-Bundesparteitag in Köln teilnehmen. obwohl er noch immer mit hoher Frequenz rechtsextreme und antisemitische Beiträge postet.

AfD-Bundesparteitag
Einer unter vielen: AfD-Delegierte in Köln. Foto: Ina Fassbender (AFP)

Über den künftigen Kurs der AfD hat beim Bundesparteitag in Köln auch ein Mann mit entschieden, der der Partei seit längerem als rechtsextremer und antisemitischer Facebook-Hetzer bekannt ist. „Gottfried Klasen war als Delegierter beim Parteitag“, bestätigte AfD-Landesvorsitzender Peter Münch auf Anfrage der FR.

Der Unternehmensberater aus dem nordhessischen Zierenberg sei vor zwei Jahren zum Delegierten gewählt worden.

Dem 67-Jährigen wegen seiner Internetveröffentlichungen das Mandat zu entziehen oder ihn sogar aus der Partei auszuschließen, hielt man in der AfD offenbar nicht für notwendig. Das seien „innerparteiliche Vorgänge“, zu denen er sich nicht äußere, sagte Münch.

Über die Einstellung von Gottfried Klasen ist die AfD bereits seit Juli vergangenen Jahres informiert. Damals hatte die FR auf die zahlreichen rechtsextremen Statements des AfD-Politikers im Internet hingewiesen. So hatte Klasen behauptet, der Zentralrat der Juden habe die „politische Kontrolle über Deutschland“. Oder er schwadronierte, in großer Nähe zum nationalsozialistischen Rassenwahn: „Es wird immer Gruppen edler Menschen geben, die keine Verbindung mit Menschen anderer Rassen eingehen, so wie auch Edelmetalle nicht mit anderen Materialien reagieren.“

Klasen legte daraufhin sein Mandat als Abgeordneter im Kasseler Kreistag nieder – auch wenn er beteuerte, dass er „jede Form von Extremismus, Fanatismus und Rassismus“ ablehne.

Diesem Bekenntnis folgte allerdings keine Änderung seines Verhaltens bei Facebook. Im Gegenteil: Klasen nimmt seither kein Blatt mehr vor den Mund. Bis heute postet und teilt er in hoher Frequenz rechtsextreme und antisemitische Beiträge. Erst in dieser Woche beschimpfte er das Judentum als „steinzeitliche Religion“ und teilte Postings, in denen die Terroristen des „Islamischen Staats“ als von Israel gesteuert dargestellt oder die nationalsozialistische Judenvernichtung als „Holograus“ lächerlich gemacht wurden.

Im Konflikt zwischen AfD-Chefin Frauke Petry und Partei-Rechtsaußen Björn Höcke schlug sich Klasen klar auf die Seite Höckes – und lobte insbesondere dessen umstrittene Dresdner Rede zur deutschen Erinnerungskultur. Seine eigenen Vorstellungen zum Umschreiben der Geschichte gehen jedoch anscheinend noch weiter: Im Februar rief er zu einer Demonstration auf, die Holocaustleugner zum Jahrestag der alliierten Bombardierung Dresdens veranstalteten. Und bereits zuvor hatte er einen Artikel des prominenten Holocaustleugners und NPD-Politikers Rigolf Hennig verlinkt.

Aufruf zur Gewalt

Klasen ist Inhaber einer waffenrechtlichen Erlaubnis – und plädiert im Umgang mit Geflüchteten unverhohlen für Gewalt. Als sich im September 2016 in Bautzen Rechtsextreme mit Flüchtlingen geprügelt hatten, lobte der Zierenberger: „So wie die Bautzener das ‚Problem‘ angegangen sind, so müsste überall in Deutschland reagiert werden; dann wäre bald wieder Ruhe im Land.“

Wieso ein Mann mit diesen Einstellungen nicht nur AfD-Mitglied, sondern sogar Parteitagsdelegierter bleiben darf, ließ sich nicht klären. Eine entsprechende Anfrage der FR wurde vom Vorsitzenden des zuständigen Kasseler Kreisverbands, Florian Kohlweg, bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass sich die AfD in Hessen nur oberflächlich von untragbar gewordenen Aktivisten distanziert. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg war bei der Kommunalwahl 2016 der Parteilose Axel von Baumbach für die AfD in den Kreistag gewählt worden. Als die FR aufdeckte, dass der adlige Forstassessor Kontakte zur Reichsbürgerbewegung gepflegt hatte und sich sogar zum „Reichsinnenminister“ einer selbst ernannten kommissarischen Reichsregierung hatte ernennen lassen, teilte die Partei mit, dass von Baumbach sein Mandat nicht annehmen werde. Keine drei Monate später wurde er von der Kreistagsfraktion als Kandidat für das Amt eines Kreisbeigeordneten nominiert.

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