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Rechtsextremismus in Hessen Anreiz zum Rassenhass

Die Kasseler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das rechtsextreme „Thule-Seminar“ wegen Volksverhetzung.

Rechtsextremismus in Hessen
In einem Taschen-Kalender verherrlicht das „Thule-Seminar“ Adolf Hitler als Märtyrer. (Symbolbild) Foto: rtr

An Pathos mangelt es den rechtsextremen Vordenkern nicht. „Das System“, schreibt der Vorstand des in Nordhessen ansässigen „Thule-Seminars“ auf seiner Website, „kann uns verfolgen, festnehmen, fesseln. Unser Geist aber ist unbeugsam!“ Von der „Inquisition“ sehen sich die Köpfe der braunen Ideenschmiede verfolgt. Götz Wied, Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft, übersetzt das in die nüchterne Sprache der Justiz: Man ermittle „gegen drei Personen im Alter von 67 bis 70 Jahren“ wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Gemeint sind: Pierre Krebs aus Bad Emstal, Gründer und Leiter des „Thule-Seminars“, sowie seine beiden Mitstreiter Gudrun Schwarz aus Bad Wildungen und Burkhart Weecke aus Horn-Bad Meinberg. Mitte Mai wurden ihre Wohnhäuser und Geschäftsräume durchsucht. Die drei rüstigen Rechtsextremen bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins, der bereits seit 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt.

Modern will das „Thule-Seminar“ sein und nach eigenem Bekunden „weder rechts noch links“. Doch was es verbreitet, lässt sich kaum anders nennen als ewiggestrig. Das unterstreicht auch die Veröffentlichung, die jetzt die Aufmerksamkeit der Strafverfolger erweckt hat. Es geht um einen Taschenkalender – oder „Taschenbuchplaner“, wie ihn die neonazistischen Publizisten noch deutscher nennen – mit dem Titel „Mars Ultor 2016“. Der Name, der sich auf den rächenden Kriegsgott der römischen Mythologie bezieht, ist natürlich nicht grundlos gewählt: Der Kalender ruft auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte „Ausrottung der Deutschen“. Es müssten „wehrhafte Bürgerkomitees“ geschaffen werden, heißt es. „Wir sind im Krieg – mittendrin im 3. Weltkrieg!“

Flüchtlinge werden als „Invasion“, als „Heuschreckenplage“, als „tödliche Bedrohung des schon in akute Gefahr geratenen Erbgutes unseres Volkes“ bezeichnet. Mitglieder der Bundesregierung gelten als „Rassenverächter und Rassenvernichter“. Vor einem Jahr wurde das hetzerische Machwerk deshalb als jugendgefährdend indiziert. Der Taschenkalender reize zum Rassenhass an, befand die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im Juli 2016.

Außerdem, so die Behörde, erfülle das Buch den „Tatbestand der Verherrlichung und Verharmlosung des Nationalsozialismus“. Zahlreiche NS-Funktionäre, SS-Offiziere und „Rassenforscher“ sind an ihren Geburtstagen im Kalender eingetragen. Die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird bestritten, die nationalsozialistische „Blut und Boden“-Ideologie gelobt und selbst Adolf Hitler zum Märtyrer stilisiert: Er habe sich, so steht zu lesen, „im Dienste Deutschlands, ja letztlich wohl auch Europas, vollständig aufgerieben“.

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