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Randalierer in "Nothilfe" erschossen Ermittlungen gegen Polizisten eingestellt

Neun Schüsse feuern zwei Polizisten ab und töten damit einen gewalttätigen Randalierer in seiner Wohnung. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Ermittlungen gegen die Beamten eingestellt. Sie hätten "in Nothilfe" gehandelt, um einen Kollegen zu schützen.

11.04.2012 18:03
Jörg Andersson
Die Polizisten schossen auf den Randalierer - in Nothilfe, wie die Staatsanwaltschaft erklärt. Foto: dpa

Neun Schüsse feuern zwei Polizisten ab und töten damit einen gewalttätigen Randalierer in seiner Wohnung. Die Staatsanwaltschaft hat nun die Ermittlungen gegen die Beamten eingestellt. Sie hätten "in Nothilfe" gehandelt, um einen Kollegen zu schützen.

Gut sechs Wochen nach einem tödlichen Polizeieinsatz in Maintal sind die Ermittlungen gegen zwei Beamte eingestellt worden. Die Polizisten hatten am 26. Februar einen 57-jährigen Randalierer in seiner Wohnung mit neun Schüssen niedergestreckt. „In Nothilfe“, um das Leben eines dritten Beamten zu schützen, wie Hanaus Oberstaatsanwalt Wolfgang Popp den Fall jetzt beurteilt. Das als aggressiv bekannte Opfer habe ein Messer auf den Polizisten geworfen und mit einem zweiten auf ihn einstechen wollen.

Nachbarn hatten die Polizei an jenem Sonntagmorgen gegen fünf Uhr alarmiert, nachdem der 57-Jährige im alten Ortskern von Bischofsheim brüllend und begleitet von lauter Musik Glasflaschen aus einem Hochparterrefenster auf die Straße geworfen hatte. Auf die Aufforderung, die Tür zu öffnen, verschwand der Mann ins Innere seiner Wohnung. Ein Mitbewohner des Mehrfamilienhauses öffnete die Haustür. Die zwischenzeitlich durch eine zweite Streife verstärkten Beamten brachen schließlich die Wohnungstür auf.
Im Schlafzimmer kam es zur tödlichen Begegnung. Demnach habe der polizeibekannte und bereits wiederholt wegen wahnhaften Verhaltens in psychiatrische Behandlung eingewiesene Bewohner mit zwei großen Messern herumgefuchtelt. Auf den auch von Mitbewohnern vernommenen Ruf „Messer weg“ habe er nicht reagiert und – im Gegenteil – eines davon auf einen nahe stehenden Beamten geworfen und diesen getroffen, ohne ihn allerdings zu verletzten, wie der Leitende Oberstaatsanwalt mitteilt.

Vielzahl der Schüsse sei ungewöhnlich

Nachdem der 57-Jährige mit dem verbliebenen Messer weiter zuzustechen versucht habe, feuerten die anderen beiden Polizisten insgesamt neun Schüsse aus ihren beiden Dienstwaffen ab, heißt es. Vier davon trafen im Beinbereich, drei den Oberkörper, so das Obduktionsergebnis des Bewohners, der noch am Tatort starb.
Wie beim tödlichen Einsatz von Dienstwaffen rechtlich erforderlich, wurde gegen die 40 und 43 Jahre alten Polizisten wegen Verdachts auf Totschlag ermittelt. Da beide die Aussage verweigerten, beruhen die Angaben im Wesentlichen auf den Aussagen des dritten beteiligten Polizisten, wie Popp bestätigte. Welcher Schuss aus welcher Waffe stammte, sei nicht festzustellen gewesen.

Auch wenn die Vielzahl der Schüsse eher ungewöhnlich sei, hätten die Polizisten strafrechtlich in Nothilfe gehandelt. „Der Schusswaffengebrauch war gerechtfertigt und erforderlich, da ein unmittelbarer und Leben gefährdender Angriff auf einen Kollegen bevorstand“, notiert Popp und interpretiert die Ermittlungsergebnisse weiter: „Da die vermutlich ersten, in die Beine gezielten Schüsse ihre Wirkung verfehlten, waren angesichts der gefährlichen Angriffssituation auch die nachfolgenden Schüsse nicht zu beanstanden.“

In Hessen sind in den vergangenen acht Jahren mindestens zwölf Menschen von Polizisten erschossen worden. Von den fünf Fällen seit November 2009 ereigneten sich vier in Frankfurt.

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