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Radfahren in Hessen Baunatal beste Stadt für Radler

Baunatal ist die fahrradfreundlichste Stadt Hessens. Das der Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ergeben. Schlusslicht ist Wiesbaden.

19.05.2017 16:24
Radfahren in Hessen
Eine Frau fährt in Baunatal mit ihrem Fahrrad an einem Fahrrad-Symbol vorbei. Der ADFC hat die Stadt zur fahrradfreundlichsten Hessens gekürt. Foto: Swen Pförtner (dpa)

Baunatal ist einer neuen Untersuchung zufolge die fahrradfreundlichste Stadt Hessens. Die nordhessische Kommune löst Mörfelden-Walldorf ab, das beim vorherigen Fahrradklima-Test vor zwei Jahren vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) am besten bewertet worden war. Bundesweit belegt Baunatal den ersten Platz in der Kategorie "Aufholer" unter den Kommunen mit bis zu 50 000 Einwohnern, da es seine Note deutlich verbessern konnte. Geehrt wurden als "Aufholer" auch Offenbach, Marburg und Hanau.

Hinter Baunatal folgen in Hessen Mörfelden-Walldorf nahe Frankfurt und Kriftel (Main-Taunus-Kreis), wie der ADFC am Freitag mitteilte. Schlusslicht ist landesweit Wiesbaden - wie schon beim letzten Mal. Auch Limburg und Bad Homburg schneiden sehr schlecht ab. Frankfurt ist nicht mehr in den bundesweiten Top Ten der fahrradfreundlichsten Großstädte ab 200 000 Einwohnern vertreten. Zuvor hatte die Main-Metropole Platz acht belegt.

Im Auftrag und mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums wertete der ADFC für das Stimmungsbild 120 000 Interviews von Bürgern aus. In Hessen beteiligten sich 10 000 Menschen an der weltweit größten Umfrage dieser Art. Nach Angaben des Fahrradclubs waren 18 Prozent der Befragten Mitglied im ADFC, 90 Prozent verfügten über einen Führerschein. In 27 Fragen sollten sie Angaben über die Verkehrssituation für Fahrradfahrer in ihrer Stadt machen. Dabei spielte die Anzahl und Sicherheit von Radwegen ebenso eine Rolle wie die Möglichkeit, das Fahrrad im öffentlichen Nahverkehr mitzunehmen oder es in Fahrradboxen an Bahnhöfen vor Diebstahl schützen zu können. Für die unterschiedlichen Aspekte sollten die Teilnehmer Schulnoten vergeben.

Laut dem Landesgeschäftsführer des ADFC, Norbert Sanden, ist Baunatal mit der Note 2,5 Hessen-Sieger, weil dort "seit Jahren systematisch der Radverkehr gefördert" wird. "Das liegt daran, dass der Bürgermeister den Radverkehr zur Chefsache gemacht hat" und auch selbst mit dem Rad unterwegs sei.

Offenbach konnte sich laut Ulrich Lemke vom örtlichen ADFC stark verbessern, indem es Radwege ausgebaut hat. Einbahnstraßen wurden nach seinen Worten für Fahrradfahrer in beide Richtungen freigegeben. Am Main-Weg sei außerdem die hessenweit erste Zählstelle errichtet worden: 500 000 Fahrradfahrer kamen 2016 daran vorbei.

In Wiesbaden, das landes- und bundesweit den letzten Platz unter den Großstädten belegt, "wird nicht an das Rad gedacht", sagte Günni Langer vom örtlichen ADFC. Der Fokus der Politik liege bei Verkehrsplanungen allein auf dem Auto. An Baustellen höre der Fahrradweg einfach auf, viele Wege seien zu schmal, so Langer. Der politische Wille zu Verbesserungen fehle generell.

In Frankfurt begrüßen die Umfrageteilnehmer laut Bertram Giebler, dem verkehrspolitischen Sprecher des ADFC in Hessen, die Möglichkeit, das Rad im öffentlichen Nahverkehr mitzunehmen. Schlecht sei aber die Diebstahlsituation, besonders schlecht die Baustellenführung. Außerdem würden viele Autos auf den Radwegen parken. Generell sei die Infrastruktur für Radfahrer aber gut, so Giebler.

Als ein in vielen Städten verbreitetes Problem bezeichnet Giebler, dass Einbahnstraßen nicht in beide Richtungen für Fahrradfahrer eingerichtet werden. Dabei empfehle inzwischen auch die Polizei dieses Konzept. "In jeder Stadt muss das Rad neu erfunden werden", sagte der verkehrspolitische Sprecher. "In der Politik muss es in jeder Stadt neu diskutiert werden."

Um die Stadt fahrradfreundlicher zu gestalten gibt es laut Sanden "einen Jungle aus Fördermöglichkeiten" von der EU, vom Bund, vom Land oder von den Ministerien für Umwelt und für Verkehr. Eine neue "Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität" sei eingerichtet worden, um Städte beim Erstellen eines Antrags auf Fördermittel zu beraten. "Der Druck der Bürger steigt. Sie wollen sicher und komfortabel Fahrrad fahren", sagte Sanden. Immer mehr Menschen stiegen in Deutschland aufs Fahrrad - "darauf müssen die Städte reagieren", sagte Giebler. (dpa)

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