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Prozess Anklage gegen jungen Neonazi

Ein junger Mann aus Reiskirchen soll vor der linken „Projektwerkstatt“ im Landkreis Gießen randaliert haben. Der 24-Jährige muss sich deswegen voraussichtlich im Juli vor dem Amtsgericht Gießen verantworten.

Die Gießener Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen jungen Mann aus Reiskirchen (Landkreis Gießen) erhoben, der Mitte Juli vergangenen Jahres an einem Überfall auf die linke „Projektwerkstatt“ im Reiskirchener Ortsteil Saasen beteiligt gewesen sein soll. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Frankfurter Rundschau mitteilte, werde dem 24-Jährigen vorgeworfen, betrunken vor dem alternativen Wohnprojekt randaliert und dabei einen Schaden von 600 Euro verursacht zu haben. Er müsse sich wegen Sachbeschädigung verantworten, der Prozess werde voraussichtlich im Juli vor dem Amtsgericht Gießen beginnen.

Im Juli 2015 waren drei offenbar angetrunkene Männer abends auf das Gelände der Projektwerkstatt eingedrungen und hatten dort Mülleimer umgeworfen, eine Tür beschädigt und mehrere Fenster eingeschlagen. Der Umweltaktivist Jörg Bergstedt, einer der Betreiber des linken Wohnprojekts, hatte die Angreifer danach der Neonazi-Szene im nahegelegenen Lumdatal zugeordnet. Später hatten die Rechtsradikalen nach Angaben von Augenzeugen noch auf dem Saasener Dorfplatz Menschen bedroht.

Das Motiv soll unklar sein

Der 24-jährige Angeklagte kann dem Umfeld der Lumdataler Neonazi-Szene zugerechnet werden. Im ländlich geprägten Lumdatal zwischen Staufenberg und Rabenau hatte sich ab Ende 2012 eine Gruppe junger Neonazis etabliert, die durch Propaganda, aber auch durch Angriffe und Bedrohungen gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner aufgefallen war. Bei der Staatsanwaltschaft hieß es, eine „eindeutige Motivlage“ für die Sachbeschädigung an der Projektwerkstatt habe nicht ermittelt werden können.

Die Lumdataler Neonazis sind seit Ende 2013 kaum noch aktiv. Zuvor waren sie durch Presseberichte, Strafverfolgung und zivilgesellschaftlichen Protest immer mehr unter Druck geraten. Der Angriff auf die Projektwerkstatt war die erste gewalttätige Aktion seit langem, die mutmaßlich auf die Gruppe zurückgeht.

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