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Prostitution Die schwierige Lage männlicher Huren

Es ist nicht viel, was die Freier an männliche Prostituierte zahlen. Ein "Blow-Job" ist für fünf bis 20 Euro zu haben. Eine Preisliste für bestimmte Dienstleistungen gibt es nicht. Mehr als 300 Euro im Monat kommen selten zusammen.

Sie haben es sich nicht ausgesucht, die jungen Männer, die sich rund um die Alte Gasse als Stricher verdingen. Karin Fink, die seit 17 Jahren in der Kriseninterventionsstelle der Aids-Hilfe (KISS) arbeitet, kennt ihre Jungs. Junge Männer aus Deutschland, Süd- und vor allem auch Osteuropa. Bulgaren türkischer Herkunft, zum Beispiel, die in ihrem Heimatland keine Arbeit finden.

Karin Fink, die das KISS seit vier Jahren leitet, spricht von "Armutsprostitution". Da werde Geld verdient, um es an die Familie nach Hause zu schicken. Und ist es nicht viel, was die Freier zahlen. Ein "Blow-Job" ist für fünf bis 20 Euro zu haben. Eine Preisliste für bestimmte Dienstleistungen gibt es nicht. Mehr als 300 Euro im Monat kommen selten zusammen.

Früher seien männliche Prostituierte häufig schwul oder bisexuell gewesen. Das habe sich heute geändert. Von den Männern, die jetzt anschaffen gehen, seien die meisten heterosexuell veranlagt. Dass sie sich mit homosexuellen Praktiken durchs Leben schlagen, mache sie häufig aggressiv.

"Im Laufe der Jahre ist die Szene immer gewalttätiger geworden", beschreibt Fink die Situation. Weil es immer mehr Stricher in Frankfurt gebe, hätten "Konkurrenz und Neid" zugenommen. Fink geht davon aus, dass es in Frankfurt "600 bis 800 männliche Prostituierte" gibt. Damit seien 30 Prozent der Prostituierten männlich, konstatiert sie.

Die meisten männlichen Prostituierten seien "Mitte oder Ende 20". Anders als bei Frauen, die bis "ins hohe Alter" weitermachen könnten, werde es für Männer ab 30 schwierig. Es sei denn, sie würden sich "professionalisieren", sich beispielsweise auf Sado-Maso-Praktiken spezialisieren. Bordelle mit Männern sind Fink nicht bekannt. Kontakte werden in Kneipen und Bars, in der Toilette oder im Park geknüpft.

Mit einer Kampagne, die zusammen mit der Werbeagentur McCann-Erickson entwickelt wurde, wollen die jungen Männer versuchen, aus ihrem "Randgruppen-Status" herauszukommen. Am Freitagabend, 17. April, wird die Alte Gasse gesperrt, es gibt Aktionen und Reden für einen "respektvollen Umgang in der mann-männlichen Prostitution".

"Sex ist käuflich, der Mensch nicht", lautet das Motto. Gemeint ist damit, dass der Freier nur die Leistungen bekommt, für die er bezahlt hat. Der Freier - das kann ebenso gut ein Sozialhilfeempfänger sein wie ein Soziologie-Professor. Alle Berufs- und Altersgruppen sind vertreten.

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