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Projekt Radschnellweg Treten auf der Überholspur

Freie Fahrt für Radler - ein Radschnellweg soll eine Expressverbindung zwischen Frankfurt und Darmstadt herstellen. Die Fahrer sollen dort weitgehend unbehindert von Ampeln und Kreuzungen vorankommen. Das Projekt ist das erste dieser Art in Deutschland und könnte verkehrspolitisch ein Zeichen setzen.

Vorfahrt für Radler - bisher meist ein Wunschtraum. Foto: Sascha Rheker

Rahrradfahren statt Fitnessstudio: Immer mehr Menschen nutzen den Weg zur Arbeit, um sich sportlich zu betätigen. Das macht gute Laune und vertreibt die Müdigkeit. Außerdem ist man per Rad oft schneller im Büro oder an der Werkbank als mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr. Das alles unter einer Bedingung: Die Wege müssen so ausgebaut sein, dass es wenig Hindernisse gibt und sich kräftig in die Pedale treten lässt.

Noch werden Radler immer wieder abgebremst. Ein neues Projekt soll das ändern. Zwischen Frankfurt und Darmstadt könnte der bundesweit erste Radschnellweg entstehen. Mit einer Breite von drei bis vier Metern, damit auch bei Gegenverkehr Überholen möglich ist; mit wenig Kreuzungen oder Ampeln; mit einer hochwertigen Beschaffenheit der Fahrbahn und mit Beleuchtung – zumindest dort, wo es aus Sicherheitsgründen notwendig ist.

Wer die Route nutzt, soll flott zum Ziel kommen können - mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von mindestens 20 Kilometern pro Stunde, erläuterte Hélène Pretsch am Donnerstag in Frankfurt bei der Präsentation des Projekts.

Beitrag zum Klimaschutz

Die Diplom-Geografin ist die Mobilität-Expertin beim Regionalverband Frankfurt-RheinMain. Der wird jetzt mit sieben Kommunen eine Machbarkeitsstudie für den 30 Kilometer langen Radschnellweg in Auftrag geben. Als Basis dienen verschiedene Vorschläge, die Studierende der Hochschule Darmstadt erarbeitet haben.

Das Projekt sei ein Beitrag zum Klimaschutz und fördere die Mobilität jenseits des öffentlichen Personennahverkehrs und des Autos, sagte die Erste Beigeordnete Birgit Simon (Grüne). Fahrradfahren, ob mit oder ohne elektrische Unterstützung, entwickele sich zur „dritten Säule“ im Alltagsverkehr. Der geplante Radschnellweg sei deutschlandweit einzigartig. „Wir haben hier eine Vorreiterrolle.“ Das erleichtere möglicherweise den Zugang zu öffentlichen Fördergeldern.

Kommunen engagieren sich

Die beteiligten Kommunen betreiben alle aktive Fahrradpolitik und fangen nicht bei null an. Manche Wege müssen lediglich markiert werden, andere ausgebaut oder aufgewertet. Frankfurt etwa hat mit der Goethestraße und Töngesgasse zwei Fahrradstraßen ausgewiesen, hier haben Radler Vorrang vor den Autofahrern, sagte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Neu-Isenburg hat ein neues Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben, berichtete der Erste Stadtrat Stefan Schmitt (CDU). „Wir haben täglich 17 000 Einpendler, für die wir gerne die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad optimieren möchten.“ Zugleich wäre für die Neu-Isenburger eine bessere Erreichbarkeit Frankfurts erforderlich und des Flughafens, wo viele Bürger arbeiteten. Es sei unverständlich, dass Fraport als Arbeitgeber sich nicht kümmere.

Alternative zu Auto und Nahverkehr

In Dreieich existiere bereits seit fünf Jahren ein Runder Tisch Radverkehr, berichtete der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Siegfried Kolsch. Und der Bürgermeister von Egelsbach, Jürgen Sieling (SPD), freute sich über das positive Echo auf die Ankündigung, die Strecke Frankfurt– Darmstadt zur Schnellroute auszubauen: „Die Bürger sind ganz hip auf das Thema.“ Der öffentliche Nahverkehr könne nicht alles abdecken. Die Strecke Egelsbach– Darmstadt könnte innerhalb von 15 Minuten per Rad bewältigt werden. Mit dem Auto benötigten Pendler bis zu einer Dreiviertelstunde.

Im Herbst soll die Machbarkeitsstudie fertig sein. Untersucht werden zwei Haupttrassen: eine entlang der Bahnlinie und eine durch besiedeltes Gebiet. Spätesten in fünf Jahren könnte dann der erste Abschnitt offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

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