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Prävention Deradikalisierung durch Verwirrung

Die „Beratungsstelle Hessen – Religiöse Toleranz statt Extremismus“ ist am Montag von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft als eines von bundesweit 100 Projekten 2016 ausgezeichnet worden.

Salafisten bei einer Kundgebung in Offenbach. (Symbolbild) Foto: Renate Hoyer

Das Projekt des „Violence Prevention Network“ (VPN) kümmert sich seit zwei Jahren um die Deradikalisierung von extremistisch-salafistischen Jugendlichen in Hessen.

Nach eigenen Angaben mit Erfolg: So seien seit Juli 2014 104 gefährdete oder bereits radikalisierte junge Menschen, darunter auch Rückkehrer aus Kriegsgebieten, durch Beratungsangebote erreicht worden. Außerdem seien 119 Angehörige und 89 Institutionen beraten, sowie 104 Workshops gegen extremistisch-salafistische Bestrebungen an Schulen angeboten worden.

„Wir konnten Selbst- und Fremdgefährdung abwenden und Jugendlichen ermöglichen, wieder Halt in der Gesellschaft zu finden“, sagte Geschäftsführer Thomas Mücke, appellierte aber an Familien und Institutionen, sich frühzeitig an die Beratungsstelle zu wenden. „Wenn die Jugendlichen schon im Kampfgebiet sind, wird es für uns schwierig, sie noch zu erreichen.“

Projektkoordinator Cuma Ülger sagte, bei einem Großteil der 104 betreuten Jugendlichen habe die Beratung bewirkt, „dass sie sich aus starren Denkmustern und ihrem salafistischen Umfeld lösen konnten“. Strategie der 16 Mitarbeiter sei eine „Verunsicherungspädagogik“; „Wir überzeugen nicht, wir versuchen sie zu verwirren und zum kritischen Denken anzuleiten“, so Ülger. Dabei helfe es, dass er und die meisten seiner Kollegen selbst Muslime seien. „Das ist ein demütigungsfreier, nicht-konfrontativer Zugang“, sagte der Islamwissenschaftler und betonte, es sei falsch, das Problem als rein religiöses Phänomen zu verorten. Vielmehr seien meist psychosoziale Faktoren und Identitätskrisen ausschlaggebend für die Radikalisierung.

Die Beratungsstelle ist Teil des Hessischen Präventionsnetzwerks gegen Salafismus und wird vom Innenministerium im laufenden Jahr mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Laut Landesamt für Verfassungsschutz sind in Hessen rund 1650 Salafisten aktiv. Auch unter den 840 jungen Menschen, die laut Bundesamt für Verfassungsschutz bis Ende Juli in Kriegsgebiete wie Syrien oder Irak ausreisten, werden viele junge Hessen, vor allem aus dem Rhein-Main-Gebiet, vermutet.

Hotline für Angehörige: 069/26918597

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