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Porträt Die Planetenjäger

Rainer Kling und Erwin Schwab sorgen dafür, dass Frankfurt als Asteroid durch den Weltraum düst. Von Lilith Becker

28.07.2009 09:07
Von Lilith Becker
Erwin Schwab (links) und Rainer Kling vom Physikalischen Verein. Foto: FR/Schick

Frankfurt sieht aus wie eine runzlige Kartoffel. Der Asteroid hat einen Durchmesser von zwei bis drei Kilometern und fliegt, rund 280 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, auf einer kreisförmigen Bahn zwischen Mars und Jupiter. Frankfurt ist ein Kleinplanet.

Zwei Amateurastronomen, Rainer Kling und Erwin Schwab, haben ihn entdeckt. Inzwischen hat die Internationale Astronomische Union den Namenswunsch der beiden Kleinplanetenjäger des Physikalischen Vereins in Frankfurt bestätigt.Sie haben ein exotisches Hobby. Es gibt circa 1000 "Kleinplanetenjäger" weltweit, schätzt Rainer Kling. Die Profis suchen vor allem nach den gefährlichen Asteroiden, die die Umlaufbahn der Erde kreuzen und auf ihr aufschlagen können. "Wir suchen Kleinplaneten dort, wo die Profis nicht suchen", sagt Schwab. So ließen sich schnell Erfolge erzielen. Dies sei einer der Gründe, warum ihr Hobby ihnen so wichtig sei. "Erfolg motiviert. Ganz einfach", erklärt Kling.

Von der Sternwarte im Taunus aus beobachten sie den nächtlichen Himmel an ungefähr 50 Tagen im Jahr. Bisher haben sie circa 125 Asteroiden entdeckt, darunter Jupiter-Trojaner, die dem Planeten auf seiner Umlaufbahn folgen, Marsbahnkreuzer und einen der Erde nahekommenden Asteroiden, der den Profis zunächst nicht aufgefallen war.

Frankfurt wurde 2007 entdeckt

Ihre Messungen senden die beiden an das Minor Planet Center in den USA. Dort werden die weltweiten Daten aller Kleinplaneten gesammelt. Nur bei einer "Schönwetterkatastrophe" könne man Kleinplaneten finden. "Es muss ein klarer Nachthimmel sein, geringe Luftfeuchtigkeit und der Mond darf nicht scheinen", erklärt Kling. In so einer Nacht entdeckten sie im September 2007 den Kleinplaneten, den sie Frankfurt tauften. Schwab und Kling sind Entdecker und manchmal sind sie philosophisch. "Vom Weltraum hängt unser Schicksal ab", sagt Erwin Schwab. "Die Dinosaurier waren die ersten, die wahrscheinlich durch Asteroiden umkamen." Auch die Menschen werde es irgendwann treffen. "Die Sonne lebt ja auch nicht unendlich. Aber 500 Millionen Jahre haben wir noch", sagt Schwab lachend.

Beide sind Ingenieure. Sie haben eine Vorliebe für Naturwissenschaften, schon seit ihrer Kindheit. Kling, weil in den 60ern "alles ganz wild" auf den Weltraum gewesen seien. Er las die Biographie von John Glenn, dem ersten US-Astronauten, der ins All flog. Schwab erzählt, seine Eltern hätten ihm mit 10 Jahren seinen ersten Feldstecher geschenkt. Den schwenkte er immer gen Himmel, anstatt auf die Erde. Schon mit 14 Jahren hielt sich Schwab am liebsten in der Sternwarte seines Heimatortes Heppenheim auf. Die Astronomen schauen nicht nur auf der Jagd nach Kleinplaneten in den Himmel.

Sobald es dunkel wird, legen sich die Köpfe wie automatisch in den Nacken. "Das sind Reflexe", sagt der 56-jährige Kling lachend. Kling beispielsweise, erzählt bei Grillabenden in seinem Heimatort Schmitten, welche Satelliten vorbeifliegen und Sterne am Himmel stehen, auch wenn Freunde manchmal schon belustigt den Kopf schüttelten. Schwabs Augen richten sich jedes Mal in die Höhe, wenn der 44-Jährige aus seinem Haus in Egelsbach heraustritt. "Das ist mir aber nur aufgefallen, weil meine Frau es mir gesagt hat." Im Urlaub haben beide mindestens ein gutes Fernglas dabei, dass sie auf ein Fotostativ stellen. "Damit man bei schönem Wetter mal die Milchstraße oder die Krater auf dem Mond angucken kann", sagt Kling.

Reisegruppe Sonnenfinsternis

Seit dem Jahr 2006 sind sie ein Team. Sie hatten ein Glas Rotwein in der Hand, als sie sich kennenlernten. Sie saßen am Strand und schauten zu, wie sich die Sonne verdunkelte. Sie unterhielten sich über die Jagd nach Kleinplaneten. Erwin Schwab und Rainer Kling waren mit anderen Mitgliedern des Physikalischen Vereins Frankfurt in die Türkei gereist, um die Sonnenfinsternis zu beobachten. Im gleichen Jahr begannen sie gemeinsam Planeten zu jagen. "Rainer ist zuverlässig und lässt sich begeistern", sagt Schwab. "Erwin hat mir viel über Kleinplaneten beigebracht", sagt Kling, der schon seit 1996 im Physikalischen Verein Sterne anguckt.

Mit ihrer Liebe für den Himmel haben beide bereits ihre Kinder angesteckt. "Saturn" sei eines der ersten Wörter gewesen, was sein heute 5-jähriger Sohn gesagt habe, erzählt Schwab. Auch seine Kinder interessierten sich für Astronomie, sagt Kling. Asteroiden sind Brocken aus Gas und Staub. Ist das nicht eher unspektakulär? "Nein, spannend. Und wenn Sie fünf Milliarden Jahre nicht unter ihrem Bett saugen. Dann entwickelt sich dort auch ein Asteroid", sagt Kling und lacht.

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