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Plätze in Frankfurt Ein Schlossplatz mit Charme und ohne Konzept

Der Höchster Schlossplatz hat sich über Jahrhunderte hinweg gestreckt und zusammengezogen, ist niedergebrannt und wiedererrichtet worden.

09.09.2008 00:09
JUTTA OCHS

Er ist viereckig-schief und buckelig, fällt abschüssig zum Mainufer ab, der Brunnen steht nicht zentral, wo er hingehörte, sondern unvermittelt und disharmonisch am Rand. Er hat keine rechte Mitte, kein Gleichgewicht die meisten Ankommenden versammeln sich an seiner hohen Nordseite.

Kein Architekt und Stadtgestalter hätte den Höchster Schlossplatz vermutlich so entworfen, wie er heute im Stadtteil zwischen Schloss, Bolongarostraße und Mainufer vorzufinden ist. Kein Platz für Platz-Ästheten.

Der Höchster hat sich über Jahrhunderte hinweg gestreckt und zusammengezogen, ist niedergebrannt und wiedererrichtet worden. Es gibt viele in Frankfurt, die halten ihn für den besten Platz in der Stadt. Nicht nur weil er umgeben ist von Fachwerkbauten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, nicht nur weil Zollturm und Schlossturm ihn romantisch bewachen und bis zur alten Eiche an der Südseite alles eine ganz lange Geschichte hat.

Auf dem Schlossplatz ist kein motorisierter Verkehr und eine ganze Menge Leben. Und das zeigt sich von seiner schönsten Seite. Schlossplatz ist Sonnenschein und Ausflug, an langen Tischen vor den Gasthäusern Zum Bären, Alte Zollwache und Zum Schwan speisen und trinken. Der Schlossplatz ist Rast und Muße, hier kann man gar keine hektische Mittagspause verbringen. Auf dem Schlossplatz ist zu viel zu gucken. Und zwar bequem, immer der Reihe nach, weil seine Randbebauung nur drei übersichtliche Zugänge zulässt. So sind vom Platz auf dem Platz aus in Ruhe die Rudel von Radlern zu begutachten, die meist von der Fähre kommen und den Hang hinauf strampeln oder schieben.

Es gilt als zweiter, kleinerer Römerberg

Aus Richtung Justinuskirche kommen oft die Touristen, viele aus den USA, und freuen sich an deutscher Fachwerkgemütlichkeit und am Blick auf die in Frankfurt seltenen Spuren adliger Tradition. Eingesessene Platznutzer gönnen es ihnen - mit leisem Spott. Keiner würde erzählen, dass das ursprüngliche Kopfsteinpflaster in den 1970er Jahren gelegt wurde und der "historische" Brunnen etwa um die selbe Zeit an der Stelle eines älteren errichtet wurde. Es wird propagiert, dass der Höchster Platz der "zweite, kleinere Römerberg" sei, allerdings "echt", nicht die "Disney-Nachbauten" der Ostzeile, keine Kulisse, keine Rekonstruktion.

Der Schlossplatz hat nie ein wirkliches Konzept gehabt, das zu kopieren wäre, er funktioniert mehr zufällig dank seiner einzigartigen Lage zu Füßen des kleinen Schlosses und seiner Architektur. Und richtig gern hat man ihn, weil er so schief und bucklig ist.

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