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Pflege in Hessen Sozialstationen machen Minus

Viele evangelische Diakonie- und Sozialstationen in Hessen arbeiten defizitär. Die Evangelische Kirche gründet deshalb einen neuen Träger, der für mehr Wirtschaftlichkeit sorgen soll.

Pflege zu Hause: Sozialstationen sind unter Kostendruck. Foto: epd

Die evangelischen Diakonie- und Sozialstationen in Hessen sind unter Druck. Nach den neuesten Zahlen, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Freitag bei der Synode in Frankfurt vorlegte, schaffte knapp die Hälfte der Diakonie- und Sozialstationen in Hessen im Jahr 2013 kein ausgeglichenes Betriebsergebnis. Die Defizite, sagte Präses Ulrich Oelschläger, konnten zwar über Spenden ausgeglichen werden, doch diese finanzielle Basis sei für die Zukunft zu riskant.

Als „Schutzschirm“ will die EKHN daher eine neue Trägergesellschaft gründen und mit acht Millionen Euro finanzieren, der sich in Not geratene Diakonie- und Sozialstationen anschließen können. Diese „Gesellschaft für Diakonie und Sozialstationen“ (GfdS) soll bis zum kommenden Sommer mit der Arbeit beginnen und ist eine Tochtergesellschaft der kircheneigenen Gesellschaft für Diakonische Einrichtungen. Die Mittel stammen aus einer besonderen Rücklage. Arbeitsplätze sollen zunächst nicht wegfallen.

Kirchenpräsident Volker Jung räumte jedoch ein, dass die neue Gesellschaft auch Einsparungen bringen solle. So könnten Verwaltungsaufgaben effizienter organisiert und Synergieeffekte etwa beim Einkauf genutzt werden. Das Ziel, betonte der zuständige Referent Christian Schwindt, der die Pläne bei der Synode vorstellte, sei es, die Stationen zukunftssicher zu machen, die Pflege und Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen gerade auch auf dem Land zu erhalten und die Schließung von Einrichtungen zu vermeiden.

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, versicherte er, gebe es keine Veränderungen. Die Optimierung ziele auf Organisation und Management der Einrichtungen. Häufig müsse beispielsweise eine Pflegedienstleitung auch Geschäftsführungsaufgaben übernehmen; in anderen Einrichtungen werden diese ehrenamtlich oder von angestellten Geschäftsführern übernommen. Künftig soll es eine einheitliche Struktur geben, jedoch nur auf der Führungsebene. Die lokale Identität der Sozialstationen werde nicht angetastet.

„Gebet wird nicht bezahlt“

Als Gründe für die Finanzprobleme nannte Schwindt unter anderem die Überalterung der Belegschaften in Diakoniestationen, die höhere Löhne mit sich bringe. Private Pflegedienste, die ihre Mitarbeiter schlechter bezahlten, sorgten außerdem für starke Konkurrenz; auch gehöre es zum Selbstverständnis der Diakonie, dass in der ambulanten Pflege Leistungen erbracht würden, die nicht mit den Sozialversicherungsträgern abgerechnet werden könnten. „Das Gebet am Bett wird nicht bezahlt“, formulierte es Kirchenverwaltungsleiter Heinz Thomas Striegler.

Bei den Beratungen, berichtete Susanne Bei der Wieden, stellvertretende Präses der Synode, hätten die Kirchenparlamentsvertreter großen Wert darauf gelegt, dass es auch künftig bei den Sozialstationen nicht nur um Wirtschaftlichkeit gehen dürfe. So sollen auch arme Menschen in abgelegenen Regionen weiter versorgt werden, obwohl beispielsweise lange Wege höhere Kosten verursachen.

Der Beitritt zu der neuen Gesellschaft sei freiwillig und werde es auch bleiben. Sozialstationen, die wirtschaftlich erfolgreich arbeiteten, dürften auch künftig ihre Selbstständigkeit behalten. Andere könnten auch lediglich die Beratung in Anspruch nehmen, die bereits von einer speziellen Projektstelle angeboten werde.

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