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Peter Strutynski Friedensbewegt in Rente

Der Kasseler Politikwissenschaftler Peter Strutynski geht nach 33 Jahren in Pension. Als einer der bekanntesten Friedensaktivisten in Deutschland bleibt der 65-Jährige aktiv - nun jenseits des Hochschul-Büros. Von Katja Schmidt

Der Kasseler Politikwissenschaftler Peter Strutynski will sich auch im Ruhestand für den Frieden engagieren., Foto: Privat

Das Publikum für Peter Strutynskis Abschiedsvorlesung wird mit "liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde" begrüßt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Kassel geht der 65-Jährige nach 33 Jahren in Pension. Als einer der bekanntesten Friedensaktivisten in Deutschland bleibt er aktiv - nun jenseits des Hochschul-Büros.

Seit Jahren ist Strutynski Sprecher des Bundesausschuss Friedensratschlag. Das macht ihn quasi zur Telefonnummer des Labels "die Friedensbewegung". Wer die zitieren will, zitiert oft den schmalen Kasseler. Allein in diesem Jahr hat er mehr als ein Dutzend Pressemitteilungen verschickt: "Bundesregierung lügt weiter für den Krieg" war dort zu lesen. Oder Gegenvorschläge zum Sparpaket der Bundesregierung. Einer: "Afghanistan-Einsatz beenden = 1 Mrd. Euro pro Jahr."

Hat er die Rolle des ständigen Mahners? "Das klingt zu abgeklärt und aussichtslos", findet Strutynski. Und beschreibt dann, worin seiner Meinung nach der Erfolg der Friedensbewegung besteht: Mit hartnäckiger Aufklärungsarbeit habe sie dazu beigetragen, dass die einst so militaristische deutsche Bevölkerung heute mehrheitlich Krieg ablehne. "Das ist das Fundament, auf dem man aufbauen kann."

Der emeritierte Politikwissenschaftler Werner Ruf lobt den Freund und Kollegen für das Bohren dicker Bretter: "Peter ist ein Musterbeispiel an Härte, Zähigkeit und Widerstandskraft." Die beiden teilen künftig nicht nur ein Büro - sie teilen auch den Anspruch an Politikwissenschaft als "Politische Wissenschaft", die Einfluss nehmen will.

Andere im Fach haben andere Maßstäbe. Für die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sei Strutynski kein wichtiger Ansprechpartner, sagt etwa Professor Lothar Brock. Er habe aber sicher dazu beigetragen, "die Idee der Friedensbewegung hinüberzuretten ins 21. Jahrhundert".

Hochgradig "engagiert" ist eine Vokabel, die vielen zu Strutynski einfällt. Einen Gegenpol bilden Sport, Musik sowie Theaterbesuche mit seiner Frau. Man muss dem Vater eines Sohnes und einer Tochter diese Infos etwas entlocken. "Hobby" ist kein Begriff, mit dem er etwas anfangen kann. Von Musik, sagt er jedoch schließlich "kann ich nicht genug bekommen".

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