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Parken in Offenbach Angst vor Parkplatznot

Die Stadt Offenbach reduziert die Zahl der Parkplätze bei Neubauten in der City. Die Bürger sind skeptisch. Eine Initiative fordert mehr Stellplätze für Großprojekte im Kaiserleigebiet.

Verkehr in Offenbach
Anwohnerparken in der Straße Auf der Reiswiese, links ist Parken verboten. Im Hintergrund sind die Hochhäuser am Kaiserlei. Foto: Monika Müller

Eigentlich finden sie es gut – „wir haben nichts gegen das Goethequartier. Es ist ein schlüssiges Projekt“, betont Frank Präder, Sprecher einer Initiative von Anwohnern eines kleinen Wohngebiets mit einfachen Einfamilienhäusern und stattlichen Villen im Westen Offenbachs an der Stadtgrenze zu Frankfurt. Was Präder und seine Mitstreiter umtreibt, ist die Sorge, der geplante Neubaukomplex mit seinen rund 330 Wohnungen, Büros und Gewerbeeinheiten werde zu „massivem“ Parkplatzsuchverkehr führen.

In dem Neubauviertel an Berliner Straße und Goethering sind 0,5 Stellplätze je Wohneinheit vorgeschrieben. Das sei zu wenig für Bewohner, Besucher und Arbeitnehmer, findet Präder. In Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden würden mehr Stellplätze verlangt. Die Initiative möchte eine „konstruktive“ Diskussion anstoßen. Ihr geht es aber nicht nur um das Goethequartier, sondern auch um das ehemalige KWU-Areal am Kaiserlei. Dort sollen in den „New Frankfurt Towers“ 569 hochwertige Apartments und im Stadtviertel „Vitopia“ weitere 271 Wohnungen sowie mehr als 40 000 Quadratmeter Gewerbeflächen entstehen. Zusammen macht das 1170 Wohnungen.

Die Initiative verlangt, eine „ausreichende Anzahl von Parkplätzen“ vorzusehen. Präder spricht von zusätzlich 200 bis 300 Plätzen, die nötig seien, um den Bedarf zu decken. „Dass nur jeder zweite Haushalt ein Auto hat, erscheint uns mehr als fraglich“, meint er. Der Projektentwickler hatte als Zielgruppe des „Vitopia“-Quartiers „mobile Business People“ genannt.

Bauträger des Goethequartiers ist die Wohnkompanie Rhein-Main, Betreiberin die Nassauische Heimstätte. Vorgesehen sind dort 17 Wohnungen mit fünf Zimmern, 89 mit vier Zimmern, 109 mit drei und 112 mit zwei Zimmern. Für deren Bewohner soll es 164 Tiefgaragenparkplätze geben. Weitere 110 Plätze sind vor allem für die Kunden des Edeka-Marktes gedacht.

Das Argument, schon heute stünden kostspielige Tiefgaragen leer, weil Carsharing-Angebote zunähmen und die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gut sei, überzeugt Präder nicht. Er glaubt, dass viele Leute sich die Miete für einen Stellplatz nicht leisten wollen oder können. Nach seinen Angaben beginnt an Werktagen ab 6.30 Uhr die Parkplatzsuche. Auswärtige kämen mit dem Auto in den Kaiserlei, um mit der S-Bahn weiterzufahren. Weil es keinen Park-and-Ride-Platz gebe, suchten sie in den umliegenden Straßen.

Stadtsprecher Fabian El Cheikh sagt dazu, es könne nicht im Interesse der Stadt sein, diesen „Parkplatztourismus“ durch einen offiziellen Park-and-Ride-Platz zu erhöhen. Nach seinen Worten resultiert der morgendliche Suchverkehr auch daraus, dass viele Arbeiter von außerhalb im Kaiserlei ihre Privatfahrzeuge abstellten und anschließend mit Kleintransportern ihrer Arbeitgeber abgeholt würden.

Im Rathaus reagiert man gelassen auf die Kritik an der Stellplatzsatzung. „In einer Großstadt wie Offenbach mit zunehmender Pkw-Dichte wird es nie möglich sein, für alle Autos ausreichend Stellplätze anzubieten“, sagt El Cheikh. Ziel der Stellplatzsatzung und anderer politischer Entscheidungen zur Mobilität sei es, möglichst viel Verkehr zu vermeiden und die Bürger zum Umstieg auf ÖPNV und aufs Rad zu bewegen. In Offenbach ist bei Einfamilienhäusern ein Stellplatz nachzuweisen, bei Mehrfamilienhäusern sind es 0,7 Stellplätze je Wohneinheit.

2013 reagierte die Stadt auf geändertes Mobilitätsverhalten und wies in der Satzung Sonderzonen vom Kaiserlei bis zum östlichen Rand der Innenstadt aus. Dort sind nur noch 0,5 Stellplätze pro Wohneinheit vorgeschrieben. In der Zone 1, die von der Frankfurter Stadtgrenze bis zum Goethering reicht, darf dieser Wert nicht überschritten werden. In Zone 2 ist die Rede von „mindestens“ 0,5 Stellplätzen. Das Goethequartier liegt in Zone 2, während sich das benachbarte Bauprojekt auf dem KWU-Areal in Zone 1 befindet.

Für die „New Frankfurt Towers“ und den „Vitopia-Kampus“ wird der Stellplatzbedarf abweichend vom Regelfall über eine nutzungsabhängige Bedarfsermittlung nachgewiesen. Nach Angaben Fabian El Cheikhs ist eine Mehrfachnutzung der Tiefgaragenstellplätze durch Beschäftigte (tagsüber) und die Bewohner (abends/nachts) vorgesehen. Für die Bestandsgebäude soll es nach dem Umbau 506 Stellplätze für Autos und 1273 für Fahrräder geben.

Die Zahl der Parkplätze für das gesamte Quartier ist derzeit nicht bekannt, da noch Baugenehmigungen ausstehen. Sie müssen im Zuge der Bebauungsplan-Aufstellung nachgewiesen werden.

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