Lade Inhalte...

Pädophilie-Beratung in Gießen Kein Kinderschänder werden

Pädophile können nichts für ihre sexuellen Neigungen. Aber sie können dafür sorgen, dass Kinder nicht zu Opfern werden. An der Uniklinik in Gießen bekommen sie dabei nun Unterstützung im Rahmen des bundesweiten Netzwerkes "Kein Täter werden".

03.12.2013 17:09
Die Uniklinik in Gießen. Foto: dapd

Ein neues Hilfsangebot in Hessen soll verhindern, dass aus sexuellen Fantasien mit Kindern Verbrechen werden. An der Uniklinik Gießen-Marburg startete am Dienstag ein Präventionsprojekt, das sich an Menschen mit pädophilen Neigungen richtet, die sich nicht an Kindern vergreifen wollen. «Es geht darum, diese Menschen zu befähigen, mit ihren Neigungen so umzugehen, dass es zu keinem Missbrauch kommt», erklärte Projektleiter Johannes Kruse in Gießen. Ein weiteres Ziel ist laut dem Uniklinikum, den Konsum von Kinderpornos zu verhindern.

Das Angebot orientiert sich an einem 2005 an der Berliner Charité ins Leben gerufenen Pilotprojekt und gehört zum bundesweiten Netzwerk «Kein Täter werden». Gießen ist dabei der einzige Standort in Hessen.

Problembewusstsein muss da sein

«Nicht jeder, der einen Missbrauch begeht, ist pädophil und nicht alle Pädophile begehen sexuellen Missbrauch», betonte Kruse. 60 bis 80 Patienten können in Gießen pro Jahr ambulant behandelt werden. In Gruppen- oder Einzeltherapie und bei Bedarf auch mit Medikamenten sollen sie ihre Neigung in den Griff bekommen. Voraussetzung für eine Therapie ist nach Angaben des Uniklinikums, dass der Patient freiwillig kommt und ein Problembewusstsein mitbringt. Es richtet sich nicht an bereits straffällig gewordene Menschen. Wer in das Projekt aufgenommen wird, bekommt demnach die Hilfe kostenlos.

Das Angebot ist vor allem für Männer gedacht, der Mehrheit der Pädophilen. Etwa ein Prozent der Männer sei betroffen, berichtete Klaus Beier, Sexualmediziner an der Charité und Sprecher des Netzwerkes. Aber: «Das ist Schicksal und nicht Wahl». Für seine Neigung könne niemand etwas - wohl aber Verantwortung dafür tragen, dass er keine Übergriffe begehe.

Das Projekt wird mit Unterstützung der hessischen Landesregierung für zunächst zwei Jahre finanziert. Mit im Boot ist auch die Kinderschutzstiftung «Hänsel und Gretel». (dpa)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum