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Osthafen Trautes Heim Büdchen

Andrea Hüller betreibt am Franziusplatz den wahrscheinlich ältesten Kiosk der Stadt. 2012 wird er 100 Jahre alt. Von Petra Knobel (dpa)

14.07.2009 10:07
Petra Knobel (dpa)
Andrea Hüller führt den wahrscheinlich ältesten Kiosk Frankfurts. Foto: dpa

Wenn Andrea Hüller gegen sechs Uhr morgens ihren fast hundert Jahre alten Kiosk im Frankfurter Osthafen öffnet, hat sie schon jede Menge Arbeit hinter sich. Brötchen schmieren, Kaffee kochen, die ersten Würstchen warm machen und die süßen Stückchen vom Bäcker ins Körbchen räumen: ­Das sind nur einige der ersten Aufgaben ihres Arbeitstages. "Je nach Jahreszeit stehe ich zwischen halb drei und vier Uhr morgens auf, im Sommer fällt das frühe Aufstehen natürlich leichter. Da ich meine Arbeit sehr mag, komme ich aber ganz gut aus dem Bett", erzählt Hüller, die das wohl älteste der rund 300 Frankfurter Wasserhäuschen betreibt.

Der Imbiss, der laut Recherchen der 43-Jährigen im September 1912 seine Konzession erhielt und damit nicht mehr lange auf seinen hundertsten Geburtstag warten muss, strahlt einen ganz eigenen Charme aus. Am westlichen Ende des Osthafens gelegen, macht ihn die isolierte Lage sowohl für Andrea Hüller als auch für ihre Kunden zu etwas Besonderem. Die gelernte Pharmazeutisch-technische Assistentin sagt: "Es gibt hier fast kein Durchgangspublikum, die meisten meiner Kunden sind Stammkunden. Ich betreibe sozusagen einen Kiosk mit Familienanschluss und weiß einfach, wer seinen Kaffee wie trinkt und wer welche Zigarettenmarke raucht." Da müssten "die Jungs", wie Hüller ihre Kunden fast liebevoll nennt, gar nicht viel sagen.

Frauen am Lkw-Lenkrad sind immer noch selten

Nur wenige Frauen sind unter ihren Kunden, denn "weibliche Lastwagenfahrer sind noch relativ selten." Übernommen hat Hüller den Kiosk mit der offiziellen Bezeichnung "Jöst Nummer 1" im Juli 1995 gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann. "Das war für uns etwas völlig Neues und Fremdes, aber wir haben uns ganz spontan dazu entschieden. Über hundert Ecken hörten wir, dass die Vorbesitzer sich zur Ruhe setzen wollten", erinnert sie sich. Wenn sie ihren Imbiss auch selbst meist nur "das Häuschen" nennt, so verbirgt sich hinter "Jöst Nummer 1" doch eine kleine Geschichte der Wasserhäuschen in Frankfurt.

"Die meisten Frankfurter Trinkhallen gehörten seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Firma Jöst, bis sie dann in den 70ern an die Henninger-Brauerei verkauft wurden", erzählt Hüller. Zur Versorgung der Arbeiter im vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Osthafen eröffnete Jöst den kleinen Kiosk am Fuße der Honsellbrücke. Und obwohl nachträglich neben anderen kleinen Veränderungen ein Lagerraum angebaut wurde, ahnt man das stolze Alter des "Häuschens" auf den ersten Blick.

Die Arbeit schlaucht

Entsprechend sorgsam hegt und pflegt die aus Bad Soden-Allendorf stammende Hüller ihren Kiosk. "Ich putze jeden Tag nach Feierabend durch", sagt sie stolz. Was in ihrem "Häuschen" noch original ist, kann sie aber nicht genau sagen. Hinter den Kacheln in der kleinen Kochnische befänden sich zwar noch die Originalwände, aber davon abgesehen sei "immer mal wieder ein Regalbrett" hinzugekommen.Ob sie ihren Job, der ihr "jeden Tag ähnliche Handgriffe und dennoch sehr viel Abwechslung" bringt, bis zur Rente ausüben wird, kann Andrea Hüller nicht absehen. "Die ersten Zipperlein machen sich bemerkbar, denn die Arbeit ist körperlich anstrengend und ich stehe den ganzen Tag", sagt sie. In der Tat: Einen Stuhl oder Hocker sucht man in dem kleinen Verkaufsraum vergeblich. Auch Reichtümer könne man mit dem "Häuschen" nicht anhäufen.

Die Kunden aber müssen auf fast nichts verzichten. Von Schokoriegeln über Zeitungen und Zigaretten bis hin zu Donuts, Croissants und Plunderstückchen ist alles im Angebot, was das Herz begehrt. Beliefert wird Hüller von Bäcker und Metzger, fast alles andere kauft sie selbst ein. Und auch das geht manchmal ganz schön auf den Rücken, denn: "Wenn ich einkaufe, dann aber richtig."

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