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Ostermärsche Internationale Redner – für den Frieden

Waffenexporte sind das Hauptthema bei den Ostermärschen. Es gibt deutlich mehr Teilnehmer beim Auftakt in Bruchköbel.

15.04.2017 01:03
Frank Sommer und Friederike Tinnappel
Ostermärsche
Am Karfreitag haben in Bruchköbel die Ostermärsche begonnen. Foto: Andreas Arnold

Mit deutlich mehr Teilnehmern als in den vergangenen Jahren sind in Bruchköbel am Karfreitag die Ostermärsche in der Region eröffnet worden. Über 250 Teilnehmer folgten dem Aufruf der Organisatoren, etwa der Hanauer Friedensplattform, des DGB oder der Gruppe Pax Christi, und versammelten sich am Freien Platz in der Altstadt. Schon seit Jahrzehnten gilt der Bruchköbeler Ostermarsch als Auftaktveranstaltung für die Friedensbewegung in der Region.

Zur Eröffnung hatten die Organisatoren Cassady Fendlay, eine der Aktivistinnen des „Women’s March on Washington“, aus den USA eingeladen. Die Frauenrechtlerin und Trump-Gegnerin erinnerte in ihrer Rede daran, dass die großen Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre durch die Konflikte in Afghanistan und Syrien entstanden seien. Es brauche „neue Methoden, um Konflikte zu lösen“, und „neue Führungspersönlichkeiten aus der Gesellschaft, die Mitgefühl und ein Gewissen haben“, um die Konflikte zu lösen. Unter Applaus wiederholte sie die Forderung, die bereits am Donnerstag in 65 Städten der USA vom Women’s March gestellt wurde: dass die USA 75 000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen sollen.

An die Situation der Flüchtlinge erinnerte auch Hauptredner Ali Al Dailami, migrationspolitischer Sprecher der Linkspartei. „Mehr als 70 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht“, sagte er. Applaus brandete auf, als er eine alte Forderung der Friedensbewegung wiederholte: „Die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan, dieser Krieg ist nicht mit Waffen zu gewinnen.“

Ebenso müsse die Bundesregierung aufhören, sich „mit der Türkei und Saudi-Arabien, den Hauptfinanziers des IS, an einen Tisch zu setzen“ und Waffen nach Saudi- Arabien zu liefern. Mit diesen Waffen werde von Saudi-Arabien etwa im Jemen ein von der Welt weitgehend ignorierter Krieg geführt. Krieg sei dabei Ausdruck des „gescheiterten Systems des Kapitalismus“.

Während in Bruchköbel die Ostermarschierer schon unterwegs waren, steht die zentrale Kundgebung in Frankfurt am Main noch aus. Der nimmermüde Willi van Ooyen und sein Ostermarschbüro im Frankfurter Gewerkschaftshaus haben das Programm zusammengestellt. Es ist sehr international. So wird nicht nur wie in Bruchköbel die amerikanische Frauenrechtlerin Cassady Fendlay zu Wort kommen. Wegen der Wahlen in Frankreich am 23. April hat van Ooyen auch Daniel Cirera vom Mouvement de la Paix eingeladen. Sprechen werden auch die Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz (Die Linke) und die Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti (SPD).

Wie in den Vorjahren rechnet van Ooyen mit etwa 2000 bis 2500 Teilnehmern. „Ich glaube nicht, dass wir einen Sprung nach vorne machen“, sagte er im Gespräch mit der FR. Aber man werde „Kontinuität“ demonstrieren. Moderiert wird die Kundgebung vom neuen Frankfurter DGB-Chef Philipp Jacks. Mit seinen 40 Jahren dürfte er zu den jüngsten Teilnehmern des Ostermarsches zählen. Jacks, der seit dem 1. November 2016 die Geschäfte des langjährigen DGB-Chefs Harald Fiedler übernommen hat, war schon als 15-Jähriger in Sachen Friedensbewegung unterwegs, wie er der FR erzählte.

Waffenexporte stoppen

Damals, 1991/1992, richteten sich die Proteste gegen den 1. Golfkrieg. Er habe schon damals „gespürt, dass Krieg keine Lösung ist“. Heute ist Krieg für den Gewerkschafter „die Fluchtursache Nummer eins“. Derzeit treiben Jacks vor allem der Giftgasanschlag in Idlib und Trumps Bomben auf Syrien um. Es sei ja „gar nicht klar“, wer für den Giftgasanschlag verantwortlich sei. Jacks erinnerte daran, dass Deutschland in den Jahren 2002 bis 2006 rund 1000 Tonnen Chemikalien an das Assad-Regime geliefert habe, die auch zur Herstellung des Giftgases Sarin verwendet werden könnten.

Generell möchte Jacks die Waffenexporte stoppen. Etwa 60 000 Arbeitnehmer seien in Deutschland in der Rüstungsindustrie beschäftigt, gar nicht „so viele“, wie Jacks meint. Er hält es für machbar, die Rüstungsfabriken umzubauen oder andere Arbeitsplätze zu finden. Denn „Nachteile für die Beschäftigten“ dürfe es nicht geben. Jacks geht es aber nicht nur um den Frieden, man müsse auch die Bildung voranbringen und mehr soziale Gerechtigkeit schaffen – auch in Deutschland. Keiner solle sich ausgegrenzt fühlen und glauben müssen, dass er nichts mehr zu verlieren habe.

Entstanden ist die Ostermarschbewegung vor knapp 60 Jahren. Damals ging es in einem angespannten Klima des Ost-West-Konflikts darum, den Einsatz von Atomwaffen und einen dritten Weltkrieg zu verhindern.

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