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Osmanen in Hessen Osmanen gehen K.O.

1. UpdateDie Osmanen, eine rockerähnliche Gruppierung, wird verboten und war zuletzt schon wenig aktiv. In Hessen gibt es eine Razzia und Verbotsverfügungen.

Verbot der Osmanen
Die Osmanen Frankfurt, eine rockerähnliche Gruppierung, sind bislang nicht verboten. Foto: Boris Roessler (dpa)

Nur gut drei Jahre nach der Gründung ist die rockerähnliche Bande der Osmanen schon wieder Geschichte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat eine Verbotsverfügung gegen die Vereinigung Osmanen Germania unterzeichnet, die am Dienstag mit bundesweiten Durchsuchungen vollstreckt wurde. In Hessen wurden laut Landeskriminalamt (LKA) Örtlichkeiten in Hirzenhain in der Wetterau durchsucht. Dort sowie in Dietzenbach und in Rodenbach   händigten Polizeibeamte zudem drei Verbotsverfügungen an führende Mitglieder aus.

In Hessen wurde der türkisch-nationalistischen Straßengang zuletzt nach Angaben des LKA eine „niedrige zweistellige Zahl“ an Mitgliedern zugerechnet. Zu Hochzeiten kurz nach der Gründung 2016 waren es weit über 100. Damals zählten die Sicherheitsbehörden die Osmanen zur am schnellsten wachsenden rockerähnlichen Gruppierung. „Genauso schnell, wie der Stern aufging, ist er auch wieder in sich zusammengefallen“, sagte LKA-Sprecher Christoph Schulte.

Die Osmanen hatten sich schon kurz nach ihrer Gründung in zwei Lager gespalten. Die Osmanen Germania mit Chaptern in Dietzenbach, Frankfurt, Hanau sowie Dillenburg und die Osmanen Frankfurt mit Standorten in Frankfurt und Kassel. Die Osmanen Frankfurt sind von dem Verbot bislang nicht betroffen.

Reibereien gab es nicht nur untereinander, sondern auch mit der kurdenfreundlichen Rockerorganisation Bahoz. Die Streitigkeiten gipfelten im August 2016 in einem Handgranatenanschlag auf ein Shisha-Café in Saarbrücken. Auf der einen Seite die kurdenfreundliche Bahoz, auf der anderen Seite die türkisch-nationalen Osmanen, denen auch Verbindungen zur türkischen AKP nachgesagt wurden.

Unter anderem deshalb stand die Polizei den Osmanen von Anfang an auf den Füßen. Bei einer Razzia im November 2016 beschlagnahmten die Ermittler Schusswaffen, Munition, Drogen und Bargeld in Höhe von 53 000 Euro. Vier Monate später wurden gar 125 000 Euro Bargeld beschlagnahmt. Bei der letzten größeren Razzia in Hessen im März 2018 wurde bereits Beweismaterial für ein Verbot der Gruppierung gesammelt. Insgesamt, so teilte das hessische Innenministerium am Dienstag mit, habe es seit November 2015 rund 80 Ermittlungsverfahren gegen die Osmanen gegeben.

Für das größte Aufsehen in Frankfurt sorgte eine tödliche Schlägerei im Zeil-Club Gibson im Mai 2015. Drei Osmanen prügelten auf der Tanzfläche aus nicht gänzlich geklärten Gründen auf zwei Gäste ein. Einer von ihnen erlitt nach einem Sturz eine Hirnblutung. Der 41-Jährige starb wenige Tage später im Krankenhaus. Der Haupttäter erhielt dafür im April 2017 eine Haftstrafe in Höhe von achteinhalb Jahren. Deutlich empfindlicher noch trifft die Gruppe aber ein seit März laufender Prozess in Stuttgart-Stammheim, bei dem acht Männer der Führungsriege wegen versuchten Mordes und Totschlags an einem abtrünnigen Mitglied auf der Anklagebank sitzen.

Seitdem die Führungsfiguren fehlten, waren die Osmanen wohl weniger aktiv.. Bei der Durchsuchung in Hirzenhain seien nicht viel mehr als ein paar Kutten und T-Shirts gefunden worden, hieß es. Es gehe aber darum, die Symbolik der Vereinigung keine Außenwirkung mehr entfalten zu lassen. Auch nach dem Verbot wollen die Ermittler die Gruppierung weiter im Auge behalten. „Die Menschen sind ja nicht weg“, so LKA-Sprecher Schulte. Bei einem womöglichen „Machtvakuum“ werde entsprechend reagiert. Die einst verfeindete Gruppierung Bahoz hatte sich übrigens im September 2017 selbst aufgelöst. Die Rocker fühlten sich im Konflikt zwischen Kurden und Türken instrumentalisiert. 

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