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Oper Frankfurt "Die tote Stadt"

Endlich wieder in Frankfurt angekommen: Die tote Stadt. Der Tenor Klaus Florian Vogt über den Opernthriller mit hinreißender Musik. Stefan Schickhaus

19.11.2009 00:11
Stefan Schickhaus
"Die tote Stadt" - ein düsterer Thriller über menschliche Abgründe Foto: Barbara Aumüller

Herr Vogt, das Magazin Focus überschrieb vor einem halben Jahr einen Artikel mit "Deutschlands neue Schwanenritter". Er handelt von den neuen Stars am Tenorhimmel, dem Münchner Jonas Kaufmann und dem Norddeutschen Klaus Florian Vogt. Erst gab es lange keinen einzigen jugendlichen Heldentenor hierzulande, jetzt gleich zwei, beide fast gleicher Jahrgang. War die Zeit reif dafür?

Reiner Zufall. Aber vielleicht gibt es doch gerade wieder mehr Interesse an deutschen Stimmen. Es war ja schon auffällig: Je exotischer der Name klang, umso interessanter schien der Sänger zu sein.

Damit spielen Sie auf die Erfolgstenöre des letzten Jahrzehnts an, die fast durchweg aus Südamerika kamen. Wenn man als deren Stärken Schmelz und Temperament nennen würde, wie würde man dann den deutschen Gegenentwurf dazu charakterisieren?

Das deutsche Fach verlangt andere Qualitäten. Nehmen Sie die langen Phrasierungen: Die sind in Opern etwa von Richard Wagner viel wichtiger als in denen italienischer Komponisten. Auch sollte man - jedenfalls nach meinem Verständnis - ohne alle Manierismen auskommen. Auch Textverständlichkeit und eine tragfähige Stimme sind ganz wichtig. Und Genauigkeit: Es wird ja doch ganz schön viel geschludert, gerade in der italienischen Oper. Mir dagegen hat man schon vorgeworfen, ich würde viel zu genau singen.

Die Zeitschrift Opernwelt nannte Sie kürzlich "den sicherlich dominierenden Sänger dieses Festspieljahres", Lob hagelt es von allen Seiten. Seit wann sind Sie sich denn selbst sicher, dass das Wagnis, das Ensemble der Semperoper zu verlassen, gut ausgehen würde? Wo und wann fand das statt, was Sie als den Durchbruch bezeichnen würden?

Ich war mir des Risikos immer vollauf bewusst und bin es mir immer noch. Diesen plötzlichen Durchbruch gab es für mich nicht, es war eine kontinuierliche Entwicklung - und das ist auch der gesündere Weg. Lieber Substanz aufbauen und das dann abrufen können, als irgendwo ganz oben hineingeworfen zu werden und dann ständig nacharbeiten zu müssen.

Sie gelten als Vorzeige-Lohengrin, was ja auch eine dankbare, wirkungsvolle Partie ist. Und dennoch bleiben Sie offen für Opern an den Rändern, etwa Korngolds "Die tote Stadt". Erst in Amsterdam, dann in Wien, jetzt in Frankfurt, bald in Madrid - kommt die Rolle des vereinsamten Paul dort für Sie gleich nach Wagners Schwanenritter?

Der Paul ist eine unheimlich interessante Partie, dabei auch vielschichtiger als der immer strahlende Held Lohengrin. Selten darf ja ein Tenor auch mal einen so uneindeutigen, depressiven Typen verkörpern.

In Frankfurt gab es nach dem Zweiten Weltkrieg keine Inszenierung dieser Korngold-Oper. Ist es eher die Thematik - ein Witwer, konfrontiert mit seinen Ängsten und Hoffnungen - oder die Musik, die da vielleicht abschreckend wirken könnte?

An dieser Oper hängt ein riesiger orchestraler Apparat und man muss einen enormen Bühnenaufwand betreiben, um all diese Traumsequenzen wirkungsvoll umzusetzen. Mag sein, dass man sich da eher selten herantraut.

Hat Korngold für dieses Riesenorchester ähnlich sängerfreundlich komponiert wie ein Richard Strauss. So dass der einzelne Sänger sich nicht ruinieren muss?

Das hängt stark vom Dirigenten ab. Man kann "Die tote Stadt" unheimlich laut machen, man kann aber auch den Sängern ihren Freiraum einräumen, ohne dass der üppige Klangreiz dabei verloren geht. Und das versteht Sebastian Weigle eben sehr gut.

Es heißt, Sie steuern die Opernhäuser, an denen sie auftreten, entweder im eigenen Flugzeug oder im Wohnmobil an. Durften Sie am Frankfurt Airport landen oder parken Sie an der Taunusanlage?

Weder noch. Als Flughafen käme Egelsbach für meine Propellermaschine in Frage, doch war das Wetter die letzten Wochen so schlecht, dass das bislang noch nicht geklappt hat. Also wohne ich im Wohnmobil, auf dem Campingplatz.

Karajan reiste ja auch immer mit dem eigenen Jet an.

Genau, mit dem Jet. Das ist schon noch etwas ganz anderes.

Interview: Stefan Schickhaus-

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