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Offenbach Suche nach Mitstreitern

Eine jüngst gegründete Bürgerinitiative möchte dem Hauptbahnhofsgebäude neues Leben einhauchen.

Hauptbahnhof Offenbach
Der Hauptbahnhof ist ein Offenbacher Sorgenkind. Foto: Monika Müller

Mit seinen Bahnhöfen hat Offenbach schon seit Jahren kein Glück: Konnte noch der einst unansehnliche Ostbahnhof durch den Bau der S-Bahn aufgewertet werden, zählen Hauptbahnhof und die Station Bieber zu den Problemfällen in der Stadt. Der Bieberer Bahnhof verfällt zusehends: Ein Verkauf an einen Privatmann vor Jahren brachte nicht die erhoffte Wende – schon vor Abschluss des Kaufvertrags überwarf der sich mit der Stadt und hat seitdem kein tragfähiges Konzept präsentiert.

Auch der Hauptbahnhof ist in trostlosem Zustand, das letzte Geschäft schloss vor rund vier Jahren. Seit Eröffnung der S-Bahnstrecke hat der Hauptbahnhof seine Funktion als zentrale Anlaufstelle verloren, nur noch zwischen 2500 und 3500 Personen nutzen den Bahnhof am Tag – zu wenig, um für die Deutsche Bahn, Eigentümerin des Gebäudes, interessant zu sein.

Eine jüngst gegründete Bürgerinitiative möchte dem Bahnhofsgebäude neues Leben einhauchen: Am Samstag luden die acht Gründer der Initiative in den Räumlichkeiten des Kunstvereins zum ersten Treffen ein. Die Initiatoren sind in der Stadt keine Unbekannten, so finden sich etwa Ehrenamtliche vom Waggon am Kulturgleis oder Künstler unter ihnen. Mit Kai Schmidt ist auch ein Grünen-Lokalpolitiker darunter. „Die Initiative ist aber überparteilich“, betont Schmidt.

Mit rund 70 Besuchern übertraf das Interesse der Offenbacher alle Erwartungen der Organisatoren. „Wir hatten gesagt, wenn Samstagnachmittag so 20 Leute kommen, ist das schon ein Erfolg“, sagt Stefan Harth, der die Veranstaltung moderierte. Allerdings setzte nach einer überlangen Einleitung mit sechs Vorträgen ein deutlicher Besucherschwund ein, zu ersten Arbeitsgruppen blieben nur knapp 30 Interessenten zurück.

„Wir wollen Ideen sammeln, für was der Hauptbahnhof in Offenbach steht und was daraus werden kann“, sagt Marina Kampka, die in einem Vortrag die Geschichte des Bahnhofs vorstellte. Dass einst sogar eine Filiale des Modehauses M. Schneider in dem Gebäude untergebracht war, überrascht manchen Besucher. „Heute ist da ja nichts mehr, nur Dreck liegt überall herum“, raunt ein Besucher seiner Sitznachbarin zu.

Zwei Pläne seitens der Stadt gebe es für das Gebäude, sagt Schmidt: Die Initiative bevorzugt die „kleine Lösung“, den Erhalt des Korridors von der Marienstraße zur Kaiserstraße, während Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) den Verkauf des Gebäudes an einen Investoren bevorzuge. Dann sollte der östliche Flügel zum neuen Zugang umgebaut werden, um endlich den lang geforderten barrierefreien Zugang zu den Gleisen zu ermöglichen. „Sicher ist aber, dass es dann eine Bürgerbeteiligung gibt“, sagt Schmidt.

Die Initiative sucht einen dritten Weg, um das Gebäude für die Öffentlichkeit zu erhalten. In Vorträgen werden Kultur- und Sozialprojekte aus Wuppertal, Wien und Darmstadt vorgestellt, bei denen durch Fördergeld von Land und Stadt Gebäude von Initiativen umgestaltet wurden.

Neu ist diese Idee auch in Offenbach nicht: In den vergangenen 20 Jahren gab es immer wieder ambitionierte Versuche, durch Kulturprojekte den Hauptbahnhof zu beleben. Allerdings mussten diese allesamt nach kurzer Zeit mangels Geld oder Interesse eingestellt werden.

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