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Offenbach So schön ist Offenbach

Als Ida Todisco vor zwölf Jahren nach Offenbach zog, erntete sie mitleidige Blicke. Heute ist sie eine Art Botschafterin der Stadt. Hier verrät sie ihre Favoriten für einen Rumstromer-Tag.

15.07.2018 16:57
Ida Todisco
Bembel-Boot
Hintergrund: das Bembel-Boot. Vordergrund: ein Irrtum. Renate Hoyer Foto: Renate Hoyer

Das Autokennzeichen OF steht, wie jeder weiß, für „Ohne Führerschein“. Ganz nach diesem Motto, nämlich zu Fuß und mit dem Rad, führt diese kulinarische Liebeserklärung einen Tag lang querfeldein durch die Stadt. Offenbach hat nämlich das Gesamtpaket: In der Innenstadt internationales, dichtes Leben mit allem, was dazugehört. Eine wunderschöne Flusslandschaft. Und zu guter Letzt noch idyllische Natur und ländliches Leben in der Peripherie und hier und da auch in den Vierteln und Hinterhöfen.

Ich starte per Rad in unserem Wohnviertel mit seinen alten, kleinen Häusern und Gärten und fahre durch den grünen Landgrafenring Richtung Wochenmarkt. Bevor ich mit dem Einkauf beginne, gibt es einen ersten Zwischenstopp in der Karlstraße. Vor Kurzem hat dort das My Piecycle Rad- & Trinkkultur eröffnet: ein Café mit kleiner Werkstatt für die Restauration von Fahrrädern mit teils 100-jähriger Geschichte. Michelle Denk und Pascal Röhm hatten die Idee. In ihrem kleinen Laden mit Vintage-Charakter gibt es oberleckeren selbst gemachten Kuchen. Neben Rädern und Cafébetrieb kommt noch die Kultur mit ins Boot: Poetry-Slam, Livemusik oder Lesungen wollen die beiden in Wohnzimmeratmosphäre auf die Bühne holen.

Nach einem Espresso geht’s weiter zum Wochenmarkt, der um kurz nach zehn noch vollkommen entspannt daherkommt. Viele sind am Plaudern oder fragen die Marktbeschicker nach Rezepten aus, andere sitzen in einem der vielen Cafés und lassen Fünfe grade sein. der Markt ist von Altbauten umgeben und an beiden Längsseiten von Kastanienbäumen gesäumt. Kulinarisch findet man von regional bis international so ziemlich alles. Meine Einkaufsroute laufe ich blind ab und genieße es, dass an den Ständen nicht wöchentlich das Personal wechselt, dass man sich kennt.

Kurz schaue ich am Rande des Markts bei Konstantinidis rein. Hier führen Vater und Sohn seit Ewigkeiten gemeinsam den Laden und wecken bei der großen griechischen Gemeinde Heimatgefühle, bei allen anderen Urlaubserinnerungen. Ich packe frischen Fisch und wie immer mindestens drei Sachen mehr, ein, als auf meiner Einkaufsliste stehen. Danach gibt es eine selbstgemachte Frühlingsrolle auf die Hand – von Duc, der seinen kleinen vietnamesischen Marktstand komplett selbst gebaut hat.

Das nächste kulinarische Versteck liegt nur ein paar Meter weiter um die Ecke im Hinterhof. Die Käsefabrik von L’Abbates. Hier wird täglich Mozzarella, Scamorza oder Ricotta hergestellt. Aus Odenwälder Biomilch, die ganz früh am Morgen nach Offenbach kommt.

Dann wieder aufs Rad. Vorbei an Toys“R“Us, Spielhallen und abgebrochenen Relikten einer einst monumentalen Fußgänger-B-Ebene quer durch die Innenstadt, vorbei an architektonischen Wimmelbildern, in denen man interessantes bis skurriles Stadtmobiliar bestaunen kann.

Nächste Einkaufsstation: das San Remo – eine italienische Pasticceria, in der ich für den Nachtisch zehn unterschiedliche Dolci aussuche, von Riccotta-Pistazien-Cannoli über Puddingcreme-Schiffchen bis zu Tiramisu-Mini-Törtchen. Die italienische Community von 16 bis 89 trifft sich im Sanremo auf einen Espresso und zum Plaudern über Gott und die Welt. Nach einigen Hallo’s und Schulterklopfern geht es weiter.

Im Anschluss schau ich noch kurz bei Eva und Ulrike in der Etagerie im Nordend vorbei. Nach weniger als fünf Minuten finde ich dort garantiert was Passendes für den Geburtstag am nächsten Tag. Jetzt wird es aber Zeit, all die Köstlichkeiten nach Hause zu bringen. Nachdem alles im Kühlschrank verstaut ist, geht es noch mal aufs Rad: Genug urbanes Leben, jetzt nix wie raus, entlang der Flusslandschaft ins Ländliche. Vorbei an Wiesen, Rudervereinen, alten Pferdehöfen und Obstbäumen nach Rumpenheim zu einem der ältesten Wein-“Berge“ Hessens, auf dem die Familie Gibbert seit einigenJahren wieder Wein anbaut.

Den Schlosspark nehme ich als Wendeschleife für meinen Rückweg – schließlich will ich all die Köstlichkeiten vom Morgen fürs Abendessen und in die Pfanne hauen. Daher kurve ich nur kurz zum türkischen Pavillon, den die Rumpenheimer Schlossherren 1905 auf der Pariser Weltausstellung erstanden und hierher verfrachtet haben.

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