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Offenbach OB will alle Bäume auf dem Deich fällen

Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider und die Koalition streiten über die beste Sanierung für den Hochwasserschutz.

So sieht der Deich zum Schutz vor Hochwasser in Höhe Friedhofstraße aus. Foto: Renate Hoyer

Der Streit um den Erhalt von Bäumen hat schon oft zu Zerwürfnissen geführt. Jetzt sorgt er in Offenbach zu einem Schlagabtausch zwischen Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und der Mehrheitskoalition von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern. Konkret geht es darum, wie der Maindeich saniert werden soll, und ob die Bäume auf der Deichkrone am Leben bleiben oder fallen müssen.

Offenbach kann von Glück sagen, dass der Main in den letzten Jahren nicht massiv über die Ufer getreten ist. Der Damm zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände ist der einzige Maindeichabschnitt östlich von Frankfurt, der noch nicht vorschriftsmäßig ausgebaut ist. Das Regierungspräsidium (RP) hatte in den 90er Jahren entschieden, alle Maindämme so auszurichten, dass sie einem statistisch gesehen alle 200 Jahre vorkommenden Hochwasser standhalten. Dazu muss der Deich bei Offenbach um etwa 40 Zentimeter erhöht und neu befestigt werden. Die Sanierungsarbeiten sind jedoch seit Jahren in Verzug. Jetzt macht das RP Druck: Bis November soll die Stadt sich entscheiden, in welcher Form sie den Deich sanieren möchte. Laut RP hat es mehrere Umplanungen gegeben, wegen schwieriger technischer Fragen hat die Stadt mehrmals um Fristverlängerung gebeten.

Kürzlich brachte der Oberbürgermeister, der gerade mit der Koalition im Clinch liegt, eine andere als die beim RP eingereichte Deichbauvariante ins Spiel. Jetzt möchte das RP wissen, was der eigentliche Antragsgegenstand ist. Der müsse klar definiert sein, damit die Pläne wasserrechtlich beurteilt werden können, schreibt das RP auf Anfrage.

„Unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und des Städtebaus ist die eingereichte Variante schlecht“, sagt OB Schneider. Er möchte, dass alle Bäume abgeholzt werden, um einen einheitlichen Deich bauen zu können. Die Variante, die beim RP auf dem Tisch liegt, sieht aber den Erhalt der Bäume vor, weshalb der Bau kompliziert wird und der Deich unterschiedlich breit ausfällt.

2011 hatte die Stadt in einer Bürgerwerkstatt die Menschen um ihre Meinung zum Deich befragt. Anders als die Koalition es darstellt, hätten die Antworten kein einheitliches Bild ergeben, sagt Markus Eichberger, Leiter des Amts für Stadtplanung. Dennoch habe der Auftrag an das Bauamt gelautet, eine Variante zu erarbeiten, die die über 100 Jahre alten Bäume auf der Deichkrone erhält. Damals war Birgit Simon (Grüne) noch Bürgermeisterin, die Grünen Partner der SPD.

Die Bäume stellen die Fachleute jedoch vor Probleme: Um sie zu erhalten, brauchen die Wurzeln mehr Raum. Dort wo die Bäume in zwei Reihen stehen, wird der Deich streckenweise verbreitert, die ohnehin vorgesehene Spundwand um zwei Meter zum Fluss hin verschoben und der Zwischenraum aufgeschüttet. Wo die Bäume nur in einer Reihe wachsen, bleibt der Deich schmal. Die Deichlinie wird dadurch uneinheitlich. Die Fachleute wissen aber auch, dass viele Bäume trotzdem nicht erhalten bleiben können. Denn sie sind alt, und der Untergrund ist zu verdichtet. Von den 251 Bäumen müssten, so die Schätzung, ohnehin mehr als die Hälfte gefällt werden. Allein in den letzten vier Jahren wurden vier Bäume gerodet, weil sie krank waren. Weitere Nachteile sind nach Ansicht des Baudezernats, dass die Arbeiten am Kronenweg nur in kleinen Abschnitten erfolgen können.

Im Unterschied dazu sieht der Vorschlag des OB vor, alle Bäume zu fällen, den Deich neu aufzubauen und anschließend junge Bäume zu pflanzen. So hätten sogar hundert Bäume mehr Platz als es zurzeit gibt. Der Vorteil wäre ein einheitliches Erscheinungsbild, eine einheitliche Deichlinie und eine Baumallee ohne Lücken. Auf lange Sicht wäre dies auch ökologischer, so die Argumente, denn in 20 Jahren wären die Bäume so groß, dass sie mindestens so viele Immissionen schlucken wie zurzeit die alten Bäume.

Doch der OB findet gerade kein Gehör. Die Mehrheit im Rathaus protestiert vehement gegen den OB-Vorstoß. „Die Koalition will schnell einen Hochwasserschutz für Offenbach, die Zeit drängt“, teilt die Koalition mit. Zudem sei der Vorschlag des OB „ein Nackenschlag für eine Bürgerbeteiligung bei Großprojekten“. Im November entscheiden die Stadtverordneten.

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