Lade Inhalte...

Offenbach Mixen will gelernt sein

Bei der erste Nacht der Ausbildung der IHK liegt der Schwerpunkt auf der Vorstellung technischer Berufe.

Nacht der Ausbildung
Lacklaborant Patrick Ludwig informiert den 16-jährigen Jonas und seine Mutter Heike Ihrig über Anforderungen und Berufsalltag. Foto: Renate Hoyer

Lautes Brummen füllt die Halle, woher die Maschinenfabrik Vibra ihren Namen hat, wird den Besuchern sofort gewahr: Um Vibration dreht sich hier alles. Blaues Kunststoffgranulat wird mittels Vibration auf einer gewundenen Kühlstraße befördert. „Solche Maschinen zu bauen, lernen die Auszubildenden bei uns“, sagt Thorsten Malkmus von Vibra Schultheis.

Die Maschinenfabrik gehört zu den sechs Teilnehmern der Nacht der Ausbildung am Freitag. Während in anderen Städten wie Darmstadt oder Hanau die Nacht der Ausbildung schon seit einigen Jahren fester Bestandteil zur Nachwuchsgewinnung bei Firmen gehört, hat sie in Offenbach Premiere.

„Wir haben zwölf Auszubildende, aber wir suchen noch weitere“, sagt Malkmus. Über die Teilnahme an der Veranstaltung erhofft er neue Interessenten für einen Ausbildungsplatz zu finden. „Leider sind einige unserer Ausbildungsberufe wie der Konstruktionsmechaniker kaum bei Schülern bekannt, obwohl das Aufgabengebiet sehr spannend ist“, sagt er. Motoren für Fertigungs- oder Kühlstraßen wie sie beispielsweise in der Chemie- oder Pharmaindustrie benötigt werden, müssen von Konstruktionsmechanikern entworfen werden.

Drei Busse sind in der Nacht im Einsatz und bringen die Schüler zu den teilnehmenden Unternehmen. „Mit dem Beteiligung sind wir zufrieden – es ist ja auch das erste Mal“, sagt Malkmus. Rund 8000 Flyer habe die ausrichtende Industrie- und Handelskammer (IHK) an Schulen in Stadt und Kreis verteilt, sagt IHK-Ausbildungsberater Bernd Wiegand. „Vergangenes Jahr hatte GKN Driveline eine Besichtigungsnacht angeboten, das gab den Ausschlag, dass wir die Nacht der Ausbildung auch in Offenbach organisieren“, sagt er.

„Da vor allem für technische Berufe Auszubildende fehlen, haben wir den Schwerpunkt darauf gelegt“, sagt sein Kollege Thomas Süsser. Erst vergangene Woche hätten gleich drei Firmen sich bei der IHK nach Auszubildenden erkundigt. „Die Firmen suchen händeringend nach Auszubildende im technischen Bereich“, sagt er.

Das Problem: Die meisten der rund 350 Ausbildungsberufe in Deutschland sind den Schülern kaum bekannt. Auch beim Lackhersteller Schramm Coatings ist das ein Problem. „Den Chemielabortanten kennt jeder, aber dass es auch einen Lacklaboranten gibt, das wissen die wenigsten“, sagt Travis Adjinschi, Azubi im zweiten Lehrjahr. Geduldig berichten er und andere Azubis den Schülern von ihrer Arbeit. Etwa, dass sie die Lacke für Autoinnenräume herstellen.

Damit die Schüler erfahren, wie die Arbeit vor sich geht, dürfen sie selbst etwas zusammenmixen. Statt mit Lacken mit Zitronen- und Orangensaft, Zucker und Lebensmittelfarbe. Wie bei den von der Industrie georderten Farben ist die Mischung exakt vorgegeben. „Es sollen ja nicht plötzlich zwei verschiedene Rottöne im Auto sein“, sagt Biagio Russo, der die Schüler anleitet. Einfach ist es nicht, wie einige Versuche zeigen: Schon bei wenigen Gramm Abweichung vom Rezept stimmt der Farbton nicht mehr mit dem von der Qualitätskontrolle vorgebenen überein.

„Es ist schön, dass ich hier direkt mit den Auszubildenden ins Gespräch komme und erfahre, wie der Arbeitsalltag ausschaut“, sagt Jonas Ihrig. Über seine Mutter sei er auf den Beruf des Lacklaboranten gestoßen, sagt der 16-Jährige. Allerdings habe es an seiner Schule kaum Informationen über die Ausbildungsnacht gegeben. „Über einen Zeitungsartikel bin ich darauf gestoßen“, sagt er.

Die Nacht der Ausbildung soll fortgeführt werden, kündigt Wiegand an. „Wir wollen, dass es neben den Bildungsmessen zu einer festen Größe bei der Berufsorientierung für Schulabgänger wird“, sagt er.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen