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Offenbach Messies, Mietnomaden und ein Tornado

Der Offenbacher Firmenchef Thorsten Fiedler hat Horror-Erfahrungen als Vermieter gemacht und darüber ein amüsantes Buch geschrieben.

Der Unternehmer Thorsten Fiedler hat ein witziges Buch über seine Erfahrungen als Vermieter geschrieben. Foto: Monika Müller

Der Makler hatte das Mehrfamilienhaus im Main-Kinzig-Kreis als eine „nie wiederkehrende Kaufchance“ angepriesen. Bei der Spontanbesichtigung machte das Objekt der Begierde einen passablen Eindruck, der Vorgarten war gemäht und die Hofeinfahrt von einer akkurat gestutzten Zierhecke gesäumt. Der Offenbacher Firmenchef Thorsten Fiedler glaubte an ein Schnäppchen und eine gute Kapitalanlage für die Zukunft. Er kaufte das Mietshaus. Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Denn der Vorstandsvorsitzende einer Friedberger Aktiengesellschaft erlebte in den mehr als zehn Jahren als Vermieter einen Alptraum. Messies, Mietnomaden, Überschwemmungen und ein Tornado, der das Hausdach abdeckte, schmälerten ganz erheblich seine Freude an der Immobilie. Aber seinen Humor hat Fiedler trotz der Horrorerfahrungen nicht verloren. Die aberwitzigsten Geschichten hat er in dem Buch „Der Nomade im Speck“ zusammengefasst und fast 2500 Exemplare im Selbstverlag verkauft. Dem Frankfurter Mainbook-Verlag gefiel das Werk so gut, dass er die Realsatire veröffentlichte.

Angefangen hatte es bei einem Ausflug nach Schlüchtern. Fiedler saß mit seiner Ehefrau im Eiscafé, als sein Blick auf eine Immobilienanzeige im Schaukasten der Volksbank fiel. „In diesem Augenblick konnte ich nicht ahnen, dass dies der teuerste Eisbecher meines Lebens werden sollte“, weiß er es heute besser.

Der erste Schock kam, als sich herausstellte, dass die durchschnittliche Kaltmiete für die sechs 50-Quadratmeter-Wohnungen bei knapp 100 Euro lag. Dem Hausbesitzer wurde klar, dass er die Amortisation des sanierungsbedürftigen Gebäudes nicht mehr erleben würde, obwohl er bei der ersten Hochrechnung sein Lebensalter großzügig mit 107 Jahren angesetzt und zudem vorausgesetzt hatte, dass alle Mieter die komplette Miete überweisen würden. Doch das war ein fataler Irrtum.

Fiedler erlebte zahlungsunwillige Mieter mit Langzeitwohnabsichten. Als er nach vielen vergeblichen Versuchen, an sein Geld zu kommen, das Türschloss zur Wohnung einer säumigen Zahlerin austauschen ließ, rief diese den Schlüsseldienst und ließ ein neues Schloss einbauen. Die Rechnung über 367 Euro musste Fiedler begleichen. Eine andere Frau wollte die Miete kürzen, weil der Nachtspeicherofen angeblich nicht funktionierte. Als ein Fachmann der Anlage die volle Heizleistung bescheinigte, erstattete die Mieterin Anzeige wegen Körperverletzung.

Sie behauptete, sich wegen der Kälte in der Wohnung eine Lungenentzündung zugezogen und ihren Job verloren zu haben. Sie sei arbeitsunfähig. Fiedler sollte 5000 Euro Schmerzensgeld, eine Haushaltshilfe und eine „lebenslange Rente wegen irreparabler Schädigung der Atemwege“ zahlen. Es kam zum Prozess, den Fiedler gewann. Die Klägerin wurde schnell wieder gesund. Sie läuft trotz der ärztlich prognostizierten Atemwegsprobleme längst wieder Marathon.

In seinem Vorwort hatte Fiedler Lesern, die nach der Lektüre seines Buchs immer noch Vermieter werden wollen, geraten, einen Arzt zu konsultieren. „Denn wahrscheinlich liegt bei Ihnen eine noch nicht festgestellte masochistische Neigung vor.“ Er selbst hat diese Empfehlung übrigens ignoriert und nach dem Verkauf des Problemhauses – der Verlust betrug fast 80.000 Euro – drei Immobilien in Stadt und Kreis Offenbach erworben.

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