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Offenbach Kein Platz für Gegenkultur

Die Kulturinitiative „Multiversum“ in Offenbach hat sich nach monatelanger Raumsuche aufgelöst. Kulturdezernent Felix Schwenke sieht keinen Handlungsspielraum.

Kultuzrzentrum Multiversum
Bis zum April gab es noch einen Raum: das selbstverwaltete Kulturzentrum Multiversum in der Bieberer Straße. Foto: Monika Müller

Ein Dreivierteljahr haben die Aktiven des politischen Kulturprojekts „Multiversum“ in Offenbach nach einem neuen Veranstaltungsraum gesucht – und keinen gefunden. Jetzt haben sie aufgegeben und ihre Initiative aufgelöst, wie sie zum Jahreswechsel auf ihrem Blog mitteilten. Es sei nicht gelungen, einen halbwegs zentral gelegenen und bezahlbaren Raum für das alternative Kulturprojekt zu finden, heißt es dort in einem Abschiedsschreiben.

Bis April bespielte die Initiative anderthalb Jahre lang ein Ladenlokal in der Bieberer Straße nahe dem Wilhelmsplatz. Es gab Lesungen, Konzerte, Diskussionsrunden, Kochabende und einen kleinen politischen Bücherverleih – basisdemokratisch organisiert und nicht gewinnorientiert. Doch dann kam die Kündigung und die erfolglose Raumsuche. Die „Idee von einer Villa Kunterbunt“ in Offenbach sei gescheitert, heißt es in dem Abschiedstext. Räume konnten nur für einzelne Veranstaltungen wie das Kochen gefunden werden.

Dass es mit der Raumsuche nicht geklappt hat, ist zum einen auf die Bedürfnisse des Multiversums zurückzuführen: genug Platz und keine allzu lärmempfindlichen Nachbarn. Es habe aber auch am Geld gelegen, erzählt ein Mitglied der Initiative: Mehr als 1000 Euro habe man im Monat nicht zahlen können. Er kritisiert deshalb auch die Stadtentwicklung: Offenbach sei zu teuer geworden, sodass nur Platz für „Kulturindustrie und Luxusbauten“ sei – Stichwort Gentrifizierung. Einen Ort für „Gegenkultur“ zu schaffen, sei „dringender denn je“.

Mit Kritik an der Stadt halten sich die Polit- und Kulturaktivisten zurück. Zwar sei die Politik mitverantwortlich für die steigenden Mieten. Die Stadt habe sich aber auch hilfsbereit gezeigt, es gab Gespräche mit dem Liegenschaftsamt und der kommunalen Baugesellschaft. Offenbachs Kulturdezernent Felix Schwenke (SPD) bedauert das Ende der Initiative und ist den Mitgliedern „dankbar für den langen Atem“ – und dafür, dass sie die Stadt nicht so heftig kritisieren. Die Kommune habe kein Geld, um neue Räume zur Verfügung zu stellen. Man könne nur Kontakte vermitteln oder bei Förderanträgen beratend zur Seite stehen, sagt Schwenke – wohlwissend, dass das für die Kulturschaffenden unbefriedigend ist.

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