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Offenbach Drohungen gegen türkische Zeitung

Die Europaausgabe der türkischen Zeitung Zaman soll Ende des Monats eingestellt werden. Abonnenten, Redakteure und Anzeigenkunden werden nach eigenen Angaben unter Druck gesetzt und bedroht. Das Online-Portal auf Deutsch macht weiter.

Der gescheiterte Putschversuch hat der Europaausgabe der türkischen Zeitung Zaman endgültig das Rückgrat gebrochen. Plötzlich gelte ihre Berichterstattung unter Anhängern des Staatspräsidenten Erdogan nicht mehr nur als regierungskritisch, sondern als staatsfeindlich, sagt ein Insider. Die die Zaman herausgebende World Media Group mit Sitz in Offenbach ist der auf den Prediger Fethullah Gülen zurückgehenden Hizmet-Bewegung zuzurechnen. Seitdem der Konflikt zwischen Erdogan und Gülen sich zuspitzt, seien die Abonnementszahlen von 25.000 auf derzeit 8000 zurückgegangen.

Es werde jetzt sogar gefährlich, für den Verlag zu arbeiten oder die Zeitung zu beziehen. Abonnenten, Redakteure und Anzeigenkunden würden unter Druck gesetzt und bedroht, berichtet Süleyman Bag, der die Berliner Zaman-Redaktion aufbaute. „Es gab Besuche von AKP-nahen Organisationen bei Abonnenten“. Allein der Besitz einer Ausgabe gelte in der Türkei als Indiz dafür, einer Terrororganisation anzugehören. Er selbst habe von einem AKP-Mann gesagt bekommen, besser nicht in die Türkei einzureisen.

Ende November wird die Zaman daher eingestellt. 70 Mitarbeiter werden entlassen. „Wir müssen unsere Abonnenten und Mitarbeiter schützen“, sagt Bag. Viele hätten Angst, dass ihre Nachbarn die Zeitung im Briefkasten sehen. „Denunziation ist weit verbreitet, auch in Deutschland“. Unter den hiesigen Türken herrsche die gleiche Hetze wie in der Türkei. Das Gelände an der Sprendlinger Landstraße soll nun samt Druckerei und TV-Senderäumen verkauft oder vermietet werden. Ob die World Media dann noch in Offenbach vertreten sein wird, ist ungewiss.

Es ist für den Konzern ein glücklicher Zufall, dass er seit 2013 ein deutschsprachiges Online-Portal anbietet. Bag ist sein Chefredakteur. Das von Berlin aus arbeitende Deutsch-Türkische Journal (DTJ) sollte ursprünglich als weiteres Standbein neben Zaman und den bereits eingestellten TV-Sendern die Deutschtürken ansprechen, die lieber deutschsprachige Medien konsumieren. Jetzt wird es zum einzigen Nachrichtenmedium des Konzerns. Leser können sich ohne Angst vor Denunziation hineinklicken. „Wir haben zwischen 150.000 und 200.000 Zugriffe im Monat“, berichtet Bag, „davon 80 Prozent aus Deutschland und 20 Prozent aus der Türkei, Österreich und der Schweiz.“ Allerdings ist die Finanzierung noch ein Problem. Den verbliebenen Zaman-Abonnenten werde angeboten, das DTJ finanziell zu unterstützen. Geplant ist auch ein Bezahlportal.

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