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Offenbach Auf Gottes äußerst rechten Pfaden

Die kroatisch-katholische Gemeinde in Offenbach bietet nationalistischen Politikern und Publizisten eine Bühne.

Gemeindezentrum
Das Gemeindezentrum der kroatisch-katholischen Gemeinde in der Marienstraße. Foto: Rolf Oeser

Warum sollte man sonntags zur Messe gehen? Tomislav Dukic weiß auf diese Frage naturgemäß eine Antwort. Schließlich ist er katholischer Seelsorger. „Weil Ihr nirgends das hören werdet, was Ihr in der Messe hört“, lässt der Leiter der kroatisch-katholischen Gemeinde in Offenbach seine Freunde auf Facebook wissen. „Weil Ihr nirgends das sehen werdet, was Ihr in der Messe seht, weil Ihr nirgends das empfangt, was Ihr in der Messe empfangt (...)“

Es ist ein Appell. Der eindringliche Aufruf eines Geistlichen, der seine Gemeinde auf den „rechten Pfad“ des katholischen Glaubens führen will. Dukic ist ein Seelsorger mit Sendungsbewusstsein – auch in Sachen Politik. Und auch da scheint der Leiter der rund 5000 Mitglieder zählenden kroatischen Gemeinde in Offenbach darum bemüht, seine Gemeinde auf den rechten Pfad zu führen. Man könnte sagen: den äußerst rechten Pfad. Seit Tomislav Dukic im Herbst 2014 die Offenbacher Gemeinde übernommen hat, bietet das Gemeindezentrum immer wieder eine Bühne für kroatische Politiker und Aktivisten vom rechten Rand des politischen Spektrums.

Den Anfang machte im Juni 2015 – knapp acht Monate nachdem Dukic die Gemeinde übernommen hatte – der ehemalige kroatische Außenminister Zvonimir Šeparovic. Der durfte im Offenbacher Gemeindezentrum die Arbeit des sogenannten Kroatischen Nationalen Ethik-Gerichts (HNES) vorstellen.

Tatsächlich handelt es sich beim HNES nicht um ein echtes Gericht. Die Organisation veranstaltet in Kroatien regelmäßig Schautribunale, bei denen symbolisch Anklage gegen politische Gegner erhoben wird. Dazu zählen nicht nur der ehemalige jugoslawische Staatschef Tito, dessen Regime man zu Recht zahlreiche Verbrechen vorwerfen kann, sondern auch Politiker und Vertreter der kroatischen Zivilgesellschaft, die nicht dem vom HNES favorisierten nationalkonservativen Lager zuzurechnen sind (siehe Infobox: Umstrittene Gäste). Laut einem Pressebericht dankte Pfarrer Dukic dem HNES für die bis dahin geleistete Arbeit „von Herzen“.

Dass Dukic einen tiefempfundenen Groll gegen alle Politiker und Vertreter der kroatischen Zivilgesellschaft hegt, die nicht dem rechten Lager zuzurechnen sind, zeigt sich regelmäßig in seinen Beiträgen bei Facebook. Linke tauchen bei ihm nur als „verkaufte Seelen“ auf, deren Ziel die „systematische Vernichtung des Volkes, in das sie geboren sind“ sei. Dem kroatischen Staat attestiert er von „Neokommunisten“ und ehemaligen Agenten des jugoslawischen Geheimdiensts durchsetzt zu sein. Und auch konservative Politiker, die es wagen, sich von den Verbrechen der kroatischen Faschisten im Zweiten Weltkrieg zu distanzieren, sind Dukic ein Dorn im Auge. Letztere bezeichnet er als „größte Schande des kroatischen Volkes“.

Der Umgang mit den Verbrechen der mit Nazi-Deutschland verbündeten kroatischen Ustascha stand auch im Mittelpunkt eines Eklats, der ihn vor acht Jahren in den Fokus kroatischer Medien rückte. Im Juli 2009 besuchte der damalige kroatische Präsident Stjepan Mesic München. Teile der dortigen kroatischen Community nahmen Mesic übel, dass er eine Gedenkveranstaltung im österreichischen Bleiburg als „Ustascha-Party“ bezeichnet hatte. Bei der alljährlich von Tausenden Kroaten besuchten Veranstaltung wird der Opfer eines Massakers kommunistischer Partisanen an fliehenden Ustascha-Soldaten und Zivilisten gedacht. Gleichzeitig werden dabei regelmäßig auch die Ustascha selbst glorifiziert.

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