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Offenbach Alles Manga

Christina Plaka führt im Offenbacher Gründerzentrum Ostpol die erste deutsche Zeichenschule für japanische Comics. Zeit, ein weiteres eigenes Buch zu veröffentlichen, hat sie dadurch nicht mehr.

Offenbacher Mangaka Christina Plaka
Mangaka Christina Plaka gibt auch regelmäßig Schnupperkurse in Buchhandlungen für Kinder und Jugendliche. Foto: Monika Müller

Die Erfolgsleiter ist Christina Plaka im wahrsten Sinne hochgestiegen – oder in ihrem Falle hochgezogen: Im August 2016 bezog sie einen kleinen Raum im Gründerzentrum Ostpol, um dort das Zeichnen von Mangas, japanischen Bildergeschichten, zu unterrichten. „Mehr als zehn Schüler konnte ich da aber nicht unterrichten, der Platz war zu eng“, erinnert sich Plaka. Im März diesen Jahres zog sie schließlich höher im Haus, in den dritten Stock. In den beiden Räumen können mehr Schüler unterrichtet werden, denn die Nachfrage ist groß.

„2018 brauche ich weitere Räume, ich muss ein Büro für die Verwaltung einrichten und eine weitere Lehrkraft einstellen“, sagt Plaka. Mangas liegen im Trend, aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet erhält die 33-Jährige Anfragen, Zeichnen zu unterrichten. „Eigentlich müsste ich auch mal wieder einen Manga veröffentlichen, aber ich komme kaum dazu, so viel habe ich zu unterrichten“, sagt sie.

Plakas Zeichenschule „I am Mangaka“ ist deutschlandweit einzigartig: Zwar gibt es etwa in Düsseldorf noch eine Manga-Zeichenschule, doch Plaka ist nicht nur Lehrerin fürs Zeichnen, sondern ist selbst gefragte Mangaka, Manga-Zeichnerin. Dass sie fließend Japanisch beherrscht, gehört dazu, schließlich hat sie an der Seika-Universität in Kyoto ihren Master im Manga-Zeichenstudium abgelegt.

„Ich habe schon immer gezeichnet“, sagt sie, „bereits im Kindergarten saß ich ständig am Papier und zeichnete – natürlich vor allem Ponys, ganz klassisch für Mädchen also.“ In der Schule entdeckte sie die Marvel-Comics, besonders Spiderman beflügelte ihre zeichnerische Fantasie. Eine kleine Spiderman-Figur steht auch heute nahe des Eingangs zu ihrer Schule.

Die Zeichentrickserie „Mila Superstar“ öffnete ihr schließlich die Welt der japanischen Mangas. „Und sie brachte mich zum Volleyball, schließlich dreht sich alles um Volleyball in der Serie“, sagt Plaka, die auch heute noch beim FC Wacker 1974 Offenbach spielt. Schnell stand ihr Berufsziel Zeichnerin fest. Zwei Jahre vor ihrem Abitur bewarb sie sich beim Carlsen-Verlag mit ihrem Manga „Hiro no Destiny – Hiros Schicksal“ – und wurde abgelehnt. „Es gebe kein Forum für deutsche Zeichner, hieß es.“

Doch Plaka ließ nicht locker, ein Jahr später veröffentlichte Carlsen ihren Manga „Prussian Blue“ über eine Rockband. Als sie 2002 ihr Abitur ablegte, hatte sie bereits einen Vertrag als Zeichnerin in der Tasche.

In Frankfurt begann sie parallel zu ihrer zeichnerischen Tätigkeit ein Japanologie-Studium, 2006 besuchte sie erstmals Japan. „Ich war für drei Monate in Tokio. Das war eine schwere Zeit, ich war sehr einsam in der Großstadt“, erinnert sie sich. Dennoch ging sie wieder nach Japan, um dort ihren Bachelor mit einem Masterstudium fortzusetzen.

„Das war die beste Entscheidung“, sagt sie, „dort habe ich mein Verständnis für Mangas und meinen zeichnerischen Stil entwickelt.“ Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in ihrer Masterarbeit in Form des Mangas „Kimi he“.

Seitdem veröffentlichte sie etwa die in Offenbach spielende Geschichte „Go for it“ um eine Volleyball-Mannschaft. „Ich komme aus Bürgel: Die Uhlandschule oder die RKS-Halle sind auch in den Mangas zu sehen.“ Für das Hessische Innenministerium veröffentlichte sie einen Feuerwehrmanga, auch die Offenbacher Feuerwehr fragte nach einem Manga zum Thema Brandschutz an.

Den Schritt in die Selbständigkeit als Lehrerin bereut sie trotz viel Arbeit nicht. „Es macht mir Spaß zu unterrichten. Und ich kann die Entwicklung meiner Schüler begleiten“, sagt sie. Anatomisches Zeichnen, Hintergründe, Erzählstruktur, all das steht auf dem Lehrplan. „Zeichnen kann wirklich jeder lernen, das ist eine Übungssache“, sagt sie und weist auf die Wand hinter sich: Sie ist voller Zeichnungen ihrer Schüler.

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