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Oberursel Wie Industrie in das Tal kommt

Mühlenwanderer informieren sich über den Gebrauch der Wasserkraft.

Geführte Mühlenwanderung
Heute nur noch Wald und Wiese, früher eine Baumwollspinnerei: Teilnehmer der Mühlenwanderung informieren sich. Foto: Monika Müller

Warum führt der Pfeilerweg schnurstracks geradeaus die Anhöhe zum Altkönig hinauf? Und warum leiten Mühlgraben immer noch Wasser aus dem Urselbach ab?

Heute ist die Hohemark ein Ausflugsziel und wegen Wald und Bergen beliebt. Früher jedoch wurde im Urselbachtal hart gearbeitet. Der Pfeilerweg und die Mühlgräben sind nur einige Spuren, die in die Zeit der Industrialisierung weisen.

Die über 50 Teilnehmer der Mühlenwanderung am gestrigen Pfingstmontag, die der Heimat- und Geschichtsverein Oberursel anlässlich des deutschen Mühlentags anbieten, bekommen kaum Mühlen zu Gesicht. Denn die meisten Mühlen stehen schon lange nicht mehr. Zudem waren es „unechte Mühlen“, die nicht mahlten, sondern die Wasserkraft wie bei einer Mühle nutzten, allerdings zum Antrieb von Maschinen. Stadtführerin Anne-Maren Horn berichtete anschaulich davon, wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts findige Unternehmer diese Technik ausbauten. In der Nähe der U-Bahn-Endstation und der Touristeninformation  befand sich etwa die Baumwollspinnerei von Josef Schaller.

Die Gruppe läuft den Pfeilerweg hinauf. Früher wäre dies nicht möglich gewesen, berichtet Horn. Niemand habe sich unter den Pfeilern aufhalten dürfen, Pflanzen seien niedrig abgeschnitten worden. Denn der Pfeilerweg ist die Fortsetzung einer 700 Meter langen Drahtseiltransmission, die von 1860 an die Baumwollspinnerei europaweit zu etwas Besonderem machte. Sie war die einzige Fabrik mit einer solchen Technik außerhalb des Fabrikgebäudes. Weit oberhalb der Fabrik, am Werkgraben, setzte Wasserkraft ein Mühlrad in Bewegung, das wiederum das Seil an den 4,50 Meter hohen Pfeilern antrieb, die in das Maschinenhaus führten. Da die Seile je nach Wetter straff liefen oder auch mal durchhingen, wäre ein Aufenthalt lebensgefährlich gewesen.
 Schaller war es gelungen, Fachleute aus der Schweiz, wo die Transmissionstechnik entwickelt wurde, und aus England, wo bereits Baumwollspinnereien standen, nach Oberursel zu holen. Die Entwicklung der Hohenmark setzte sich in Gang. 1864, so berichtet Horn, arbeiteten 400 Menschen in der Baumwollspinnerei. Es wurden Wohnhäuser gebaut, seit 1899 führte die Dampfeisenbahn vom Oberurseler Bahnhof herauf.

Die Gruppe spaziert auf dem Mühlenwanderweg Richtung Süden. Er führt an der Frankfurt International School entlang in den Wald. Der Werkgraben plätschert gemächlich neben dem Weg. Die zweite Station ist die Pappenmühle Kriesler, die 1850 von Anton Maria Wittekind und Adolph Klotz als Wollspinnerei und Strumpffabrik gegründet wurde. Energiespender ist der Werkgraben, der das Wasser direkt an die Fabrik führt. Ein Rechen fängt den Unrat im Wasser auf. Von 1873 an stellen die Brüder Pirath dort Zeitungspapier her. Von 1937 bis 1981 werden Pappe und Kartonagen produziert.

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