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Oberursel Vom Gnom-Motor zu Flugzeugturbinen

Helmut Hujer hat die 125-jährige Geschichte der Motorenwerke akribisch aufgearbeitet.

Helmut Hujer
Helmut Hujer in den Räumen des Museums. Foto: Renate Hoyer

Das heutige Rolls-Royce-Werk in Oberursel ist Helmut Hujers zweites Zuhause, wenn nicht sogar ein wenig mehr. Schon als Kind tummelte sich Hujer mit seinen Freunden auf dem Areal an der Hohemarkstraße. „Der heutige Parkplatz war einer unserer Spielplätze“, erzählt der 72-Jährige.

Damals habe sich dort ein verwildertes Grundstück befunden, genannt „Ami-Garten“. Die US-Army hatte das Firmengelände der Motorenfabrik nach dem Zweiten Weltkrieg für mehrere Jahre okkupiert und als Kaserne und Instandsetzungswerk genutzt.

1961 begann Hujer dann eine Werkzeugmacherlehre in der Fabrik, die damals zur Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) gehörte, arbeitete anschließend in Fertigung, Arbeitsvorbereitung, Kundendienst und schließlich im Vertrieb.

Und auch nach seiner Pensionierung ist Hujer dem Werk verbunden geblieben, hat noch einige Projekte übernommen. Seit 2007 engagiert er sich zudem für das Werksmuseum, das sich auf dem Firmengelände befindet, drei Jahre später hat er den Geschichtsverein Motorenfabrik Oberursel mit ins Leben gerufen und nun – als „krönenden Abschluss“, wie er es selbst nennt, ein wahrlich gewichtiges Werk vorgelegt: 4,2 Kilogramm muss stemmen, wer die 896 Seiten mit dem Titel „125 Jahre Motorenfabrik Oberursel“ in die Hand nimmt.

7500 Arbeitsstunden habe er in das Buch investiert, rechnet Hujer vor, ist in Archive bis nach Berlin und München gefahren, um Details der Werksgeschichte zu recherchieren. Aber auch das Internet sei eine große Hilfe gewesen, erzählt Hujer. So sei er über das World Wide Web mit vier ehemaligen amerikanischen Soldaten in Kontakt gekommen, die ihm noch von ihrer Zeit in Oberursel berichten konnten. „Das wurde aber auch höchste Zeit“, sagt Helmut Hujer – zwei der Männer sind inzwischen verstorben.

Den vielleicht spektakulärsten Fund aber hat er seinem Bruder Günter zu verdanken. Der hatte im Deutschen Technik-Museum in Berlin ein Foto entdeckt, auf dem der „Rote Baron“ Manfred von Richthofen bei einem Besuch in Oberursel zu sehen ist. „Das Foto ist eindeutig den Motorenwerken zuzuordnen“, sagt Helmut Hujer.

Die Fabrik war während des Ersten Weltkriegs einer der wichtigsten Flugmotorenhersteller in Deutschland. Bereits 1913 habe das Unternehmen eine Lizenz für den Bau von Umlaufmotoren für den Flugzeugantrieb erworben und bis zum Ende des Krieges 3000 davon produziert, berichtet Helmut Hujer.

Wirtschaftlich erfolgreiche Jahre, wenn auch mit problematischen Produkten. Und auch später gab es eine intensive Verbindung zwischen dem Oberurseler Werk und dem Militär. Davon zeugen der Düsenjäger Fiat G-91 und der Hubschrauber UH-1D, die den Besucher vor dem Werksmuseum begrüßen. Für beide produzierte das Unternehmen die Triebwerke. Und beide hat Helmut Hujer nach Oberursel geholt, „dank meiner guten Kontakte zur Bundeswehr“.

Eingefleischte Pazifisten sollten sich einen Besuch des Werksmuseums also gut überlegen. Ansonsten erhält man in den beiden umgestalteten Baracken auf dem Werksgelände an der Hohemarkstraße aber einen ebenso eindrucksvollen wie detaillierten Einblick nicht nur in die lokale Industriegeschichte der vergangenen 125 Jahre.

Für die Aufarbeitung der Werksgeschichte ist der Geschichtskreis Motorenfabrik Oberursel jüngst vom Hochtaunuskreis mit dem Förderpreis des Saalburgpreises ausgezeichnet worden. Besonders gelobt wurde dabei die Initiative des Vereins, Jugendliche in seine Arbeit einzubeziehen. So haben Auszubildende von Rolls Royce bereits zwei Mal historische Motoren repariert und restauriert.

Das Buch von Helmut Hujer zur Motorenfabrik ist nicht im Buchhandel erhältlich. Es kann aber zum Preis von 50 Euro im Werksmuseum, im Vortaunusmuseum oder direkt beim Autor erworben werden. Kontakt: hujer.helmut@t-online.de

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