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Oberursel Schüler als Lesescouts

Lesescouts sollen an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt fürs Lesen werben. Sie kooperiert dazu bei einem Workshop mit der Stiftung Lesen.

Schulen in Oberursel
Schüler der IGS Stierstadt wollen Lesescouts werden. Foto: Monika Müller

Sonja und Drischti haben es sich besonders schwer gemacht. Während sie aus „Die Krokodilbande in geheimer Mission“ von Dirk Ahner vorlesen, reichen sie sich gegenseitig das Buch weiter. Obwohl sie kaum Zeit zum Üben hatten, klappt der fliegende Wechsel reibungslos.
Dafür gibt’s ein Extra-Lob von Michaele Striebich. Und auch ansonsten ist die Referentin der Stiftung Lesen mit dem Vortrag der beiden Schülerinnen zufrieden. Das Lesetempo und die Betonung hätten gepasst und besonders freut sich Striebich, dass Sonja in einer Passage, als einer der Protagonisten im Buch lächelt, selbst zu lächeln angefangen hat. „So etwas kommt bei allen Zuhörern gut an“, sagt Striebich.

Drei Stunden lang hat sie gestern mit zehn Schülerinnen und Schülern aus der Stufe sieben der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) das Vorlesen geübt. Ziel ist, aus ihnen „Lesescouts“ zu machen, die nicht nur selbst Freude am Lesen haben, sondern diese künftig auch an ihre Mitschüler vermitteln.

Mit dem Workshop jedenfalls waren die jungen Teilnehmer sehr zufrieden. Alle heben sie den Daumen, als sie nach ihrer Einschätzung gefragt werden. „Es hat Spaß gemacht“, lobt Sonja. Und sie habe auch einiges gelernt. Zum Beispiel, dass man bei Befehlen die Stimme deutlich anheben müsse.

Yanaphon hat sich vorgenommen, in Zukunft stärker mit Betonungen zu arbeiten. „Manchmal lese ich zu schnell“, sagt er selbstkritisch. Wobei es ihm mit seinem Vortrag aus der Geschichte „Vom Nasebohren“ gelang, gezielt für Lacher zu sorgen, indem er sich bemühte, die Sprecher unterschiedlich klingen zu lassen. Allerdings habe er auch einige Übung, erzählt er. „Ich lese abends meinem Bruder Gute-Nacht-Geschichten vor.“

Üben, üben, üben - auch das ein Tipp von Michaele Striebich. Und sie gibt den Schülern noch einige weitere praktische Hinweise mit auf den Weg: etwa, dass man am Satzende immer drei Sekunden Pause machen sollte, um den Zuhörern das Verstehen zu erleichtern - und dass man bei Versprechern am besten einfach weiterlesen soll, als wäre nichts geschehen.

Wichtig seien auch Gesten, die das Vorgelesene unterstreichen. „Gestik hilft und führt die Stimme“, erläutert die Referentin. Um die Schüler dabei ein wenig aus der Reserve zu locken, lässt sie sie gemeinsam die Ballade „Der Zauberlehrling“ vortragen – in Form einer Rapversion.
Der Vorlese-Workshop der Stiftung Lesen war eine Premiere an der IGS Stierstadt. Ziel sei es, daraus nun ein langfristiges Projekt zu entwickeln, schildert Deutschlehrerin Wilma Eckhardt. So ist zunächst geplant, dass die zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Vorweihnachtszeit ihren Mitschülern in ausgewählten Pausen Adventsgeschichten in der Bücherei vorlesen. Auch über ein Märchenlesezelt während des nächsten Tages der offenen Tür denke man nach.

Das Projekt „Lesescouts“ sei ein gezieltes Angebot für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler, erklärt Schulleiter Markus Herget. „Sie sollen als Multiplikatoren wirken.“ Und damit der Sorge entgegenwirken, dass die elektronischen Medien bei Kindern und Jugendlichen das Buch immer mehr verdrängen.

Es sei ein weiteres Element in der Lese- und Schreibförderung an der IGS, betont Wilma Eckhardt. So gebe es schon jetzt pro Jahr drei bis vier Autorenlesungen, im Frühjahr konnten Fünft- und Sechstklässler an einem Workshop zum kreativen Schreiben teilnehmen und auch einen Poetry Slam habe man bereits veranstaltet. Besonders gut angekommen sei ein Krimi-Kurs, zu dem die bekannte Jugendbuchautorin Corianna Harder vor kurzem nach Stierstadt gekommen war.

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