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Oberursel Mit Vollgas ins Glück

Bei der 8. Radmesse in der Oberurseler Stadthalle ist Kreatives und Kurioses zu sehen.

Fahrradmesse in Oberursel
Wo muss das Teil hinmontiert werden? Kleiner Wissenstest auf der Messe. Foto: Monika Müller

Ganz Deutschland ein Fahrradland, was für eine Vision! Beim „Tag des Fahrrads“ könnte man sich passend zum Motto „Oberursel fährt ab …“ leicht hineinträumen in solche Welten mit ausgebauten Radwegen in der Region, Radschnellwegen zwischen den Metropolen, also mit perfekter Infrastruktur, wie es der ADFC Hochtaunus schon lange fordert. Die Software dafür ist da; der Fahrradmarkt, das zeigte die Messe in der Stadthalle, bietet ein schier unerschöpfliches Reservoir an Ideen, die von den überzeugten „Freaks“, aber auch vom breiten Publikum begeistert aufgenommen werden.

Die Zukunft gehört dem E-Bike, ganz klar ein Schwerpunkt beim 8. Tag des Fahrrads, der schon bis zum frühen Nachmittag knapp 1000 Radfreunde angelockt hat. Schön, schnell, luxuriös in der Ausstattung – Räder, die das Herz erfreuen, die man aber keinen Augenblick unbewacht stehen lassen kann. „Was für ein geiles Teil“, sagt ein Messebesucher beim Anblick des „YouMo“ aus Schweizer Manufaktur. Ein Lenker wie bei einer Harley Davidson, breite, zur Hälfte weiße Reifen mit roter Felge, doppelt verstärkter Rahmen und tiefergelegter Sitz, ein Akku für 160 Kilometer Fahrleistung bei moderatem Tempo. Bei gutem Tritt Beschleunigung in drei Sekunden auf 30 km/h, sagt der Verkäufer lächelnd, 45 Kilometer pro Stunde schafft das Schweizer Geschoss.

Noch aber fehlt die passende Infrastruktur, etwa ein Radschnellweg von Friedrichsdorf über Oberursel nach Frankfurt, ein funktionierendes Kreisradverkehrsnetz, besser ausgebaute Radfernwege und die Bereitschaft des Landes, die Kommunen aus ihrer Verantwortung für die Radwege zu entlassen und diese selbst zu übernehmen. In der Politikerrunde am Rande der Messe tun sich die Parteienvertreter schwer mit klaren Bekenntnissen. Immerhin, ein 30 Kilometer langer Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt rückt näher, verschlingt mit 8,5 Millionen Euro aber auch den Etat für anderthalb Jahre für die gesamte Region.

Begeistert vom Zuspruch

Heiko Scholl und die anderen Oberurseler Fahrradhändler sind begeistert vom Zuspruch der Radfreaks trotz eisiger Temperaturen auf dem Vorplatz der Stadthalle. Das Geschäft läuft, die E-Bike-Sparte ist auf rund 70 Prozent angewachsen, gewünscht nicht nur vom älteren Publikum. Heute, das weiß der „YouMo“-Verkäufer, kommt der hippe Anzugträger, der vor ein paar Jahren seine Karriere-Tauglichkeit noch mit einem Marathonlauf unter Beweis stellen musste, mal eben mit einem Super-E-Bike aus dem Taunus zum Frankfurter Büroturm geradelt und bringt damit die Anreise oft schneller hinter sich als der Autofahrer im täglichen Stau. Und viele jüngere Radler nutzen den Trend gerne für längere Fahrten. Ein paar Schritte weiter bietet ein Veranstalter unterm bunten Reispapierschirm 17-tägige Radreisen durch Südmyanmar an.

Inola Allegra ist noch nicht so weit, die Siebenjährige versucht sich bei der Verkehrswacht Obertaunus am Reaktionstest und absolviert das Kinderprogramm „Das verkehrssichere Rad“. Dem „Early Rider“, einem Laufrad für Dreijährige ohne Pedale, aber mit Titanschrauben und Handgriffen aus Ziegenleder, ist sie entwachsen, aber auch dafür gibt es Interessenten. „Klar, wir sind doch hier im Speckgürtel von Frankfurt“, sagt der Händler. Da geht auch ein Laufrad für 400 Euro in der Grundausstattung über den Tisch, mit Ziegenleder „wird’s ein bisschen teurer“. Und wenn es ein paar Jahre später ein Trek Powerfly 9 LT mit Bosch Performance Line CX Motor und Luftfedergabel sein soll, sind auch mal knapp 6000 Euro fällig. Der Markt, keine Frage, ist da.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

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