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Oberursel Feucht-fröhliche Fischerstecherei

Der „Orscheler Sommer“ bietet jede Menge Skurriles und Bodenständiges.

Fischerstechen
Längst ein Klassiker im Orscheler Sommer-Programm: das Fischerstechen auf dem Maasgrundweiher. Foto: Michael Schick

Im Sommer fährt der Oberurseler auch mal mit dem Trecker ins Kino. Jedenfalls, wenn der „Orscheler Sommer“ läuft, das Kulturprogramm für die Daheimgebliebenen, die Dazugekommenen und die, die immer dabei sind. Das sind ganz viele, denn sonst würde es den „Orscheler Sommer“ in seiner bunten Vielfalt nicht geben. Mit abwechslungsreichen Veranstaltungen an ungefähr 35 Tagen, bis zum Finale Ende August mit dem 4. Oberurseler Afrika-Festival in den Rushmoor-Park gebeten wird.

Ungefähr ist übrigens durchaus eine korrekte Angabe, denn schon jetzt steht die erste Zugabe fest. Was hat noch gefehlt im offiziellen Programm? Natürlich, ein Abend zum Thema „50 Jahre 68er“. Passt zum freigeistigen Selbstverständnis der Sommer-Macher vom „Verein Kunstgriff“. Alles ist möglich, alles ist erwünscht; wer sich einbringen will als Mitveranstalter dieser bisweilen klassischen, bisweilen skurrilen Mixtur, kann das gerne tun. Live, umsonst und draußen muss es sein, das sind die Vorgaben. Der 7. August mit dem Blick auf 1968 kann also eingefügt werden ins gedruckte Programm.

„Ungefähr“ kommt auch in der Antwort des Kunstgriff-Vorsitzenden Dirk Müller-Kästner vor, wenn man ihn nach der Geburtsstunde des „Orscheler Sommers“ fragt. „Paarunddreißig Jahre“ dürften es jetzt wohl sein, seit aus der Idee der Selbstversorgung mit Kultur die ersten handfesten Veranstaltungen kreiert wurden.

Das Trecker-Kino auf der Bleiche vor historischer Kulisse mit Kirche, Altstadt und Stadtmauerresten ist im siebten Jahr noch jung, aber längst etabliert. Ein Dutzend oft altertümlicher Gefährte sind am Samstagabend schon lange vor Sonnenuntergang und Filmbeginn auf den Logenplätzen geordnet in Position gebracht worden. Natürlich im hinteren Bereich des Open-Air-Kinosaals; der Respekt gebietet es, den niedriger platzierten Leuten die Plätze weiter vorne zu überlassen. Freibratwurst und Freigetränk gibt es für jeden Treckerfahrer.

Natürlich bietet das Sommer-Kulturprogramm Veranstaltungen, bei denen das Publikum sich nur auf meist selbst mitgebrachten Sitzgelegenheiten niederlässt und Musik, Film, Poetry Slam oder Kasperletheater genießen darf. Ein bisschen Eigendynamik ist beim Spaßhaben aber auch gefragt. Etwa bei geführten Mountainbike-Touren durch den Taunus, bei Stadtführungen per Rad durch die wilde Großstadt hinter den Stadtgrenzen, bei Faszien-Yoga im Park, in der Holzwerkstatt für Kinder oder beim feucht-fröhlichen Fischerstechen.

Tolle Kostüme werden nass

Ein Klassiker schon im 17. Jahr, dieser Kampf heroischer Leichtmatrosen und –matrosinnen auf dem Maasgrundweiher. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, ein bisschen durchmischt geht auch, immer kommt es jedenfalls drauf an, dass der jeweilige „Stecher“ im Gegenverkehr den anderen mit einer gepolsterten Stange von dessen wackeliger Plattform am hinteren Ende des Bootes ins Wasser bugsiert.

Das Publikum johlt, wenn die meist in originellen Kostümen steckenden Kombattanten Kontakt mit dem Wasser aufnehmen; der Shanty-Chor singt am Ufer Seemannslieder, die Familie feiert Picknick rund um den kleinen Teich im westlichen Grünzug der Stadt.

In Scharen strömen die Menschen herbei, mehr als 1000 dürften es auch am Sonntag wieder gewesen sein, die den Sieg des Teams „Rückgrat“ bei den Erwachsenen und den Erfolg der „Black Fighters“ bei den Kindern verfolgt haben.

Die Hauptbühne steht in diesem Jahr übrigens im Rushmoor-Park hinter der Christuskirche. Das befriedigt die Beschwerdeführer gegen abendlichen Kulturlärm in der Innenstadt und bietet gleichzeitig eine schöne „Location“ für Abende mit unterschiedlichsten Musikstilen, für Yoga-Übungen im Rudel auf der Wiese davor, für das Afrika-Festival und vor allem für das unbedingt zu besuchende „Orscheler Filmfest“ mit meist erlesenen Kurzfilmen junger Regisseure, denen im Park am Urselbach am 10. August eine wunderbare nächtliche Spielwiese geboten wird.

www.kunstgriff-oberursel.de

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